Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Drei Schülerinnen kämpfen in Hannover für das Klima
Hannover Meine Stadt Drei Schülerinnen kämpfen in Hannover für das Klima
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:29 12.04.2019
Mobilisieren Massen: Lou Töllner (17, von links), Kaja Schwab (15) und Anna Kraeft (17) holen Fridays for Future an die Leine. Die drei Schülerinnen organisieren im Kampf für das Klima Groß-Demos in Hannover. Quelle: Florian Petrow
Hannover

Erst mobilisierte Greta Thunberg (16) die Menschen in Schweden, später auf der ganzen Welt. Lou Töllner (17), Anna Kraeft (17) und Kaja Schwab (15) machen das in Hannover. Einen Tag vor ihrer nächsten großen Demo kamen sie zum NP-Interview, danach ging es noch zum Oberbürgermeister. Die drei Mädchen blieben zwischen all den Terminen und Verpflichtungen entspannt – auch wenn das Smartphone oft klingelte.

Es gab bislang drei Fridays-for- Future-Demonstrationen in Hannover. Bei der vergangenen Demo im März haben 8000 Schüler in Hannover mitgestreikt. Ohne euch als Organisatorinnen wäre das nicht möglich gewesen. Wie fühlt sich das an?

Töllner: Es ist überwältigend. Bei der ersten Demo im Januar hatten wir 200 Menschen angemeldet und haben gehofft, dass überhaupt so viele kommen. Es kamen 3000 Schüler, und wir konnten es gar nicht fassen. Damals war unsere größte Sorge, dass genug Menschen mitstreiken – jetzt ist unsere größte Sorge, wie wir 10 000 Demonstranten unter einen Hut bekommen sollen.

Wie viel Druck bedeutet das für euch?

Schwab: Am Anfang war der Stressfaktor höher als jetzt. Wir hatten zuvor noch nie eine Demo organisiert gehabt, geschweige denn eine Großdemo. Mittlerweile kennen wir uns gut untereinander und sind befreundet. Jeder hat seine Aufgabengebiete, und wir haben eine Ortsgruppe mit 20 Mitgliedern. Wir haben also Unterstützung. Das sah im Januar noch anders aus.

Wie denn?

Töllner: Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich jede Schulpause damit verbracht habe, die Demo zu organisieren. Außerdem haben wir uns täglich getroffen und zusätzlich um 22 Uhr Telefonkonferenzen abgehalten.

Das ist jetzt weniger geworden?

Kraeft: Wir treffen uns jeden Sonntag mit der Ortsgruppe. Und ansonsten läuft alles so nebenbei. Wir sind immer erreichbar und im Thema drin.

Schwab: Man kann auf jeden Fall sagen, dass unser Schlaf in den vergangenen Monaten weniger geworden ist. (lacht)

Töllner: Und unsere gesamte Freizeit geht eigentlich für das politische Engagement drauf. Das war aber auch schon vor Fridays for Future so, es ist ja ein Hobby.

Das politische Engagement kam bei euch also nicht erst mit der Fridays-for-Future-Bewegung?

Kraeft: Nein, Lou und ich engagieren uns schon seit Ende 2016 politisch. Wir sind beide Mitglied bei der Grünen Jugend. Außerdem sind wir alle drei Mitglied bei Amnesty International, da haben wir auch Kaja kennengelernt.

Und dann habt ihr euch kurzerhand entschieden, Demos für Hannover zu organisieren?

Schwab: Nicht ganz. Ich hatte ein Video von Greta Thunberg gesehen und war total fasziniert. Ich fand, dass es auch in Hannover Fridays-for-Future-Demos geben muss und erkundigte mich danach. Daraufhin gründete ich Ende Dezember eine Whatsapp-Gruppe und schickte den Link zu der Gruppe rum. Innerhalb ein paar Stunden waren Lou und Kaja mit im Boot – und zwei Wochen später fand unsere erste Demo statt.

Ist Greta sowas wie ein Idol für euch?

Töllner: Den Personenkult um sie unterstützen wir nicht so – denn das will sie ja auch selber nicht. Es geht um die Sache und nicht um eine Person. Aber ich bewundere sie für ihr Durchhaltevermögen und würde sie gerne mal kennenlernen.

Woher kommt euer politisches Interesse? Aus dem Elternhaus?

Kraeft: Politische Bildung war bei mir zu Hause immer ein Thema. Wir haben jeden Tag zusammen die Nachrichten geschaut und darüber diskutiert, was in der Zeitung steht. Die politischen Aktivitäten kamen jedoch von mir selbst. Meine Eltern unterstützen das, aber haben mich nie in diese Richtung geschoben.

Töllner: Bei mir war es ähnlich. Der Entschluss, mich politisch zu engagieren, kam, als ich merkte, wie viele Dinge ich eigentlich ungerecht finde.

Kraeft: Genau, es stand auch kein Weltretter-Gedanke dahinter – sondern zu ändern, was einen stört.

Wie schneidet Hannover in der Klimapolitik ab?

Kraeft: Wir liegen hier zwar über dem Bundesdurchschnitt – aber es ist trotzdem schlecht! Die Ziele für 2020 wurden nicht eingehalten, die Emission wurde bis 2015 nur um 27 Prozent statt um 40 Prozent gesenkt, 2005 war das Ziel, die Emissionen um 20 Prozent zu senken. 14 Jahre später haben wir nur sieben Prozent mehr geschafft. Das ist peinlich!

Habt ihr das Gefühl, dass die Kommunalpolitiker das Thema nicht ernst nehmen?

Töllner: Na ja, sie loben uns und finden toll, was wir machen. Aber darauf müssen auch Taten folgen. Klar können wir die Demos jedes Mal größer machen. Aber das soll was in der Politik erreichen und kein Entertainment sein.

Ist es noch früh genug, um etwas zu erreichen?

Schwab: Natürlich kann man noch etwas erreichen – aber uns bleibt nicht mehr viel Zeit! Die anstehenden Europawahlen sind die letzten, die noch etwas bringen können. Danach ist es zu spät. Deshalb ist es so wichtig, jetzt wählen zu gehen und die richtige Wahl zu treffen. Wobei sich fast jeder Politiker und jede Partei versucht, mit Versprechungen zur Klimapolitik zu brüsten. Da steckt leider meistens nicht viel hinter.

Bei der Demo: Anna Kreaft (links unten), Kaja Schwab (rechts unten) und Lou Töllner (oben). Quelle: privat

Was steckt hinter dem Engagement der Schüler?

Töllner: Das Engagement der hannoverschen Schüler ist gigantisch. Ich habe den Eindruck, dass Hannovers Jugend sehr politisch denkt. Man muss aber auch sagen, dass Hannover eine perfekte Stadt für Demonstrationen ist. Hannover ist klein genug, um gut zu jeder Demo zu kommen. Und groß genug, dass es genug Menschen gibt, die auf die Straße gehen.

Gibt es denn auch weniger schöne Erfahrungen mit anderen Schülern?

Schwab: Klar. Es gibt auf der einen Seite die Menschen, die uns unterstützten und auch demonstrieren gehen. Und andere, die sich darüber lustig machen. Am Anfang haben viele auch gar nicht ernst genommen, dass wir eine Demo machen wollen. Als dann 3000 Menschen kamen, haben sie erst mal große Augen gemacht.

Wie gehen eure Schulen und Lehrer mit Fridays for Future um?

Töllner: Es gibt Schulen, von denen mehr Schüler zum Demonstrieren kommen, vor allem Integrierte Gesamtschulen. Aus unseren Jahrgängen kommen nie mehr als ein Viertel der Schüler zum Streiken, das ist nicht viel.

Schwab: Aber unsere Lehrer unterstützen das. Ich habe sogar schon Unterrichts-Zusammenfassungen für die Tage der Demos geschickt bekommen.

Wenn ihr keine Demos organisiert, für das Abitur lernt oder Hausausgaben macht: Wie lebt ihr als lokale Klima-Heldinnen?

Töllner: Wir leben alle drei vegetarisch, ich bin sogar Veganerin.

Kraeft: Nach dem Abi will ich reisen gehen – aber ohne Flugzeug, nur mit dem Zug!

Schwab: Meine Familie fährt nur wenig Auto, und ich benutze eigentlich nur Öffis.

Kraeft: Na ja und dann noch diese Klassiker, die jeder einfach umsetzen kann: In einem Laden einkaufen gehen, der auf Verpackungen verzichtet. Jutebeutel statt Plastiktüte. Ein Stück Seife statt Kosmetik aus der Tube.

Von Josina Kelz

Bei einer bundesweiten Razzia wegen Steuerhinterziehung wurden auch Objekte im Großraum Hannover durchsucht. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht offenbar ein Derivate-Händler aus Lehrte.

11.04.2019

Bereits am frühen Nachmittag kam es auf der Linie 6 zu einem Stromausfall – gegen 18 Uhr meldete die Üstra wiederum Probleme. Inzwischen ist der Strom wieder da.

11.04.2019

Die Polizei hat Mittwochabend einen mutmaßlichen Hoteldieb festgenommen. Der 57-Jährige steht im Verdacht, noch drei weitere Einbrüche in Hotelzimmer verübt zu haben.

11.04.2019