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Meine Stadt Fridays for Future: Das fordern die Schüler für Hannover
Hannover Meine Stadt Fridays for Future: Das fordern die Schüler für Hannover
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20:12 22.08.2019
Kämpfen für das Klima: Die „Fridays for Future“-Ortsgruppe hat konkrete Forderungen für Hannover formuliert. Quelle: Wilde
Hannover

Seit Monaten gehen junge Menschen auf der ganzen Welt freitags auf die Straßen, um sich für den Klimaschutz einzusetzen. Dabei geht es neben den weltweiten Auswirkungen auch um die Probleme in der eigenen Stadt. Nur wenn diese angegangen werden, kann das Ziel des Pariser Klimaabkommens und die damit einhergehendeEinhaltung der 1,5 Grad-Grenze erreicht werden. Nun hat ein Arbeitskreis der „Fridays for Future“-Ortsgruppe Hannover in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern aus der Region Hannover unter dem Motto „Wir fordern eine Zukunft – für alle“ konkrete Forderungen für die Stadt aufgestellt – und die haben es in sich.

Hannover muss sich seiner Verantwortung als Landeshauptstadt bewusst sein“, betont Milla Semisch (19) bei der Vorstellung der Forderungen. Vor allem mit dem Steinkohlekraftwerk Stöcken und dem Flughafen in Langenhagen habe die Stadt eine Verantwortung. Aktivistin Lou Töllner (18) macht außerdem deutlich, dass der Großteil der Demonstranten überhaupt nicht mitbestimmen dürfe, wie ihre Zukunft aussieht, da sie noch zu jung zum Wählen seien. „Dabei sind wir die erste Generation, die die Klimakrise zu spüren bekommt und die Letzte, die noch handeln kann.“

Private Autos sollen aus der Innenstadt verschwinden

Konkret wurden fünf Visionen mit dazugehörigen Forderungen formuliert. So lautet das Ziel unter Punkt 1 unter anderem: „Der Verkehr in Hannover ist klimaneutral und schadstoffrei.“ Dazu werde ein Verbot von privaten Autos im Innenstadtring bis 2022 gefordert, solche mit Verbrennungsmotor in der Umweltzone müssten bis 2030 verschwinden. Außerdem müsse der Schienenverkehr ausgebaut werden. Inlandsflüge vom hannoverschen Flughafen sollen verboten, ein Nachtflugverbot ab Ende 2019 eingeführt werden.

Appell an die Politik: Tausende junge Menschen bei einer „Fridays for Future“-Demonstration im Juli 2019 auf dem Georgsplatz. Quelle: Droese

Weiter heißt es, dass es in Hannover ausschließlich eine klimaneutrale Energieerzeugung geben soll, die für alle zu erschwinglichen Preisen erhältlich ist. Dazu werde der Umbau der städtischen Energieversorgung weg von fossilen Energieträgern hin zu einer vollständig erneuerbaren Stromversorgung bis 2025 und Wärmeversorgung bis 2030 gefordert. Dächer und kommunale Fassaden sollen Photovoltaikanlagen bekommen, öffentliche Einrichtungen und Behörden sollen Energie ausschließlich mit Ökostrom und grünem Gas erzeugen.

Modernisierung von Gebäuden steht über Neubauten

Beim Thema Bauen lautet die Vision: „Hannovers Gebäude sind wohnlich und entsprechen den ehrgeizigsten Energieeffizienzstandards.“ Um das zu erreichen, wird zum Beispiel eine energetische Sanierung aller öffentlichen Gebäude bis 2035 gefordert, die Hälfte davon bereits bis 2030. Neubauten sollen ausschließlich dem Passivhausstandard entsprechen, wobei grundsätzlich die Modernisierung von Bestandsgebäuden Vorrang habe.

Die Vision in der Landwirtschaft beschreibt, dass sich die Menschen in Hannover gesund und regional ernähren. Dafür fordern die Aktivisten eine Umstellung aller landwirtschaftlichen Betriebe auf ökologische Landwirtschaft bis 2025. Alle Kantinen mit kommunalem Einfluss sollen ab sofort nur noch regionale, saisonale, ökologisch erzeugte und tierproduktarme Gerichte anbieten.

Junge Menschen stärker einbeziehen

Weiterhin möchten die Schüler und Studenten erreichen, dass alle Menschen in Hannover umfassend über die Klimakrise und ihre Folgen informiert sind und die Möglichkeit haben, ein umweltfreundliches und nachhaltiges Leben zu führen. Dafür werden Bildungsprojekte sowie die Verpflichtung der Politik, junge Menschen stärker einzubeziehen, gefordert.

Im letzten Punkt geht es den jungen Menschen um die wirtschaftlichen Aspekte. So solle Klimaneutralität als oberster Grundsatz gelten und die Landeshauptstadt eine Vorreiterstellung beim Entwickeln eines neuen, klimaschützenden Wirtschaftsmodells erfüllen.

Vor den Oberbürgermeister-Wahlen wollen die Klimaschützer außerdem mit den einzelnen Kandidaten ins Gespräch kommen. Denn: „Wahlen sind auch immer Klimawahlen“, sagt Töllner.

Forderungen werden bei Demo am Freitag überreicht

Daneben gehen auch die Demos gehen weiter. Schon am Freitag erwarten die Organisatoren rund 5000 Menschen auf dem Opernplatz. Dann werden die Forderungen auch an die Erste Stadträtin Sabine Tegtmeyer-Dette und den stellvertretenden Regionspräsidenten Michael Dette übergeben. Erst Mitte August hat die Bewegung „Students for Future“ einen 35-seitigen Katalog mit Forderungen an Uni Präsident Volker Epping überreicht. Am 20. September findet der nächste globale Streiktag statt. Spätestens dann wollen die Hannoveraner nachfragen, was mit ihren Forderungen in der Verwaltung passiert ist.

Das ist die Route – Polizei rechnet mit Verkehrsbehinderungen

Beginn der Demo ist um 12.30 Uhr auf dem Opernplatz. Von dort aus geht es über die Georgsstraße zum Aegientorplatz und weiter über Schiffgraben, Lavesstraße, Joachimstraße zum Ernst-August-Platz. Die Demo zieht weiter über die Kurt-Schumacher-Straße, Goseriede, Goethestraße zum Leibnizufer und über den Friedrichswall zum Tramplatz. Dort findet ab 14.30 Uhr etwa eine einstündige Abschlusskundgebung statt. Darüber hinaus startet bereits um 11.30 Uhr eine „Zubringer-Demo“ am Heinrich-Heine-Platz. Von dort aus gehen mehrere Schulen über die Hildesheimer Straße, den Aegidientorplatz und die Georgstraße zum Opernplatz.

Das ist die Route für die Demo am 23. August. Quelle: Polizei Hannover, NP-Grafik: Lill

Die Polizei warnt während der Demonstration vor erheblichen Verkehrsbehinderungen. „Etwa auf der Hildesheimer Straße, aber vor allem im Bereich Aegi, wo am Nachmittag oft bereits besonders viel Verkehr ist“, sagt Sprecher Philipp Hasse. „Wenn möglich sollen Autofahrer die betroffenen Strecken meiden und in der Zeit auf öffentliche Verkehrsmittel ausweichen.“

Buslinien enden vorzeitig

Aber auch bei den Öffis kommt es zu Einschränkungen: Bei der Üstra kann es zu temporären Einschränkungen der Stadtbahnlinie 10 und der Üstra-Busse (Linien 100, 120, 121, 128, 134 und 200) im Innenstadtbereich geben. „Wir sind in enger Absprache mit der Polizei“, erklärt Sprecherin Katja Raddatz. Die regiobus Linien 300, 500 und 700 enden zwischen 13 und 16.30 Uhr vorzeitig. Die Linie 300 fährt nur bis zur Wallensteinstraße, die Linie 700 endet an der Haltestelle Ahlem, die Linie 500 an der Haltestelle Wettbergen. Von dort aus können Fahrgäste auf die Stadtbahnen ausweichen.

Das sagen Politiker und Institutionen

Martin Prenzler von der City-Gemeinschaft nimmt das Thema sehr ernst: „Ich würde mich freuen, wenn das unsere Ziele sind, aber dann muss es auch qualitativ hochwertige alternative Verkehrsmittel geben.“ Als Beispiel nennt er die Städte Amsterdam und Kopenhagen. „Dort gibt es große Park-and-Ride-Anlagen, von denen aus man per Shuttle die Innenstadt erreichen kann.“ Zudem sollten Anreize geschaffen werden, welche die Menschen dazu bringen, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen.

Marc Hansmann, OB-Kandidat der SPD, bezeichnet die vorgelegten Forderungen als „wichtigen und ernstzunehmenden Beitrag zur Diskussion über den Klimaschutz in Hannover“. Als wichtigste Maßnahme nennt er die Forderung, die städtische Energieversorgung umzubauen. Ein Verbot von privaten Auto im Innenstadtring bis 2022 und solchen mit Verbrennungsmotor in der Umweltzone bis 2030 hält er dagegen für falsch. „Für Arbeitnehmer, die noch auf das Auto angewiesen sind, muss der Umstieg auf Bus und Bahn oder das Fahrrad so attraktiv wie möglich werden. Verbote sind hier aber der falsche Weg.“

Belit Onay, OB-Kandidat der Grünen, bezeichnet „Klimaschutz als die entscheidende Zukunftsinvestition“. Er sieht beim Ausbau von Bus- und Stadtbahn, dem Radwegnetz und der energetischen Sanierung städtischer Gebäude Handlungsbedarf. Der Politiker fordert für die kommenden Jahre ein Klima-Investitionspaket von 250 Millionen Euro.

Holger Hennies, Vorstand des Landvolks Hannover betont, dass der Klimaschutz für die Landwirtschaft extrem wichtig sei, allerdings wäre es seiner Meinung nach nicht die erste Maßnahme, die für den Klimaschutz ergriffen werden sollte. „Außerdem müsste der Ökolandbau mehr als 80 Prozent des konventionellen Ertragsniveaus erreichen, damit er zum Klimaschutz beiträgt.“ Derzeit liege er bei etwa 50 Prozent.

Die Üstra sieht auch die Politik in der Pflicht. „Wir freuen uns über Jeden, der aus eigenen Stücken etwas für den Klimaschutz leistet und bei uns mitfährt. Aber irgendwann werden die Kapazitäten eng“, sagt Sprecherin Katja Raddatz. Um dennoch ein attraktives Angebot schaffen zu können, müsse viel Geld investiert werden und mit der Politik nach gemeinsam Lösungen gesucht werden.

Flughafen-Sprecher Sönke Jacobsen macht deutlich: „Übereilte Verbote, die das System destabilisieren, können Niemandes Interesse sein.“ Schließlich sei eine starke Wirtschaft Voraussetzung dafür, das ganze Land im Sinne eines nachhaltigen Klimaschutzes zu verändern. Es müsse übergreifend gedacht und nach langfristigen Lösungen gesucht werden.

Christine Karasch, Dezernentin für Umwelt, Planung und Bauen der Region Hannover lobt, dass mit dem Forderungspapier nun in eine inhaltliche Auseinandersetzung eingestiegen werden könne. Einige Forderungen, wie die Vorgabe von energetischen Standards und die regionale Küche, würden bereits umgesetzt. Karasch sagt aber auch, das die Region in einigen Bereichen keine Einfluss- oder Regelungsmöglichkeit habe. “Auch die zeitlichen Vorstellungen des Forderungspapier sind kritisch zu hinterfragen“, heißt es. Es sei dennoch sinnvoll, jetzt über die Fakten ins Gespräch zu kommen und im Austausch zu bleiben.

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