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Meine Stadt Flughafen Hannover: Die irre Tour des Drogenfahrers
Hannover Meine Stadt Flughafen Hannover: Die irre Tour des Drogenfahrers
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18:25 30.12.2018
Tat unter Drogen: Diesen Weg nahm ein 21-jähriger Pole mit seinem BMW auf dem Gelände des Flughafens Hannover, ehe ihn Sicherheitskräfte stoppten.
Tat unter Drogen: Diesen Weg nahm ein 21-jähriger Pole mit seinem BMW auf dem Gelände des Flughafens Hannover, ehe ihn Sicherheitskräfte stoppten. Quelle: Lill
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Langenhagen

Zu den Motiven für seine Tat machte der Täter auch am Sonntag noch keine Angaben. Der 21 Jahre alte Mann bleibt weiterhin in Untersuchungshaft. Das entschied das Amtsgericht Hannover am Sonntagnachmittag.

Mittlerweile lässt sich allerdings die irre Tour rekonstruieren, die der 21-jährige Pole unter dem Einfluss von Drogen mit seinem BMW auf dem Gelände des Flughafens Hannover am Sonnabend zurücklegte. Er legte auf dem Areal eine Strecke von rund zwei Kilometern zurück, ehe er von der Bundespolizei überwältigt wurde.

Nach den Erkenntnissen der Ermittler war der Mann gegen 15.30 Uhr von der Flughafenstraße gegenüber der Evershorster Straße links in Richtung Flughafen abgebogen. Dort habe er gewaltsam ein verschlossenes Tor geöffnet, um auf das Gelände zu kommen

Wie genau der Pole das verschlossene Tor überwinden konnte, untersucht die Polizei noch. Vieles spreche allerdings dafür, dass er sein Fahrzeug nutzte, um es zu öffnen.

Offensichtliche Schäden waren an dem Tor danach allerdings nicht zu sehen. Es war nach der Tat provisorisch mit einem Fahrradschloss gesichert worden.

Dieses Tor durchbrach der Täter mit seinem Fahrzeug. Offensichtliche Schäden waren am Tag darauf aber nicht zu sehen. Das Schloss hatte aber offenbar unter dem Druck des anrauschenden BMW nachgegeben. Quelle: Heidrich

Nachdem der Mann das Tor überwunden hatte, durchbrach er eine Schranke an einem Sicherheitshäuschen und steuerte auf das Vorfeld des Flughafens.

Ein mit 172 Fluggästen besetzter Airbus 320 der griechischen Airline Aegean war kurz zuvor gelandet. Diesen verfolgte der Täter mit seinem silberfarbenen BMW. Dabei soll er auch ein Stück auf der Zwischenrollbahn gefahren sein, ehe er wieder das Vorfeld an den Terminals ansteuerte. Erst im Bereich des Terminals A gelang es der Bundespolizei, den Mann zu überwältigen. Dieser soll Widerstand dagegen geleistet haben.

Bundespolizei: Sicherheitsmechanismen haben gegriffen

Trotz der langen Strecke, die der Täter auf dem südlichen Flughafengelände mit seinem Auto zurücklegte, steht für die Bundespolizei fest: „Die Sicherheitsmechanismen haben gegriffen“, so Sprecher Jörg Ristow.

Binnen Sekunden sei das illegale Eindringens des Polens von einer Vorfeldstreife der Bundespolizei bemerkt worden. Sofort seien darauf alle verfügbaren Kräfte zusammengezogen worden, um den Täter zu stoppen – auch Mitarbeiter des Flughafens waren an der Aktion beteiligt. „Das Zusammenspiel hat funktioniert“, erklärte Ristow.

Aufgrund der Größe des Flughafens seien solche Vorfälle „nicht ganz auszuschließen“. Allerdings will die Bundespolizei darüber reden, ob es für den Autofahrer zu einfach war, auf das Gelände zu kommen.

Flughafenchef: Technik auf dem neuesten Stand

Flughafenchef Raoul Hille betonte, dass die Sicherung des Geländes mit seinem 18 Kilometer langen Zaun „absolut den Vorgaben der EU entspricht“ und sich auf „dem neuesten Stand“ befinde. Das habe zuletzt eine in 2017 und 2018 durchgeführte Überprüfung gezeigt.

Allerdings will er auch mit den Sicherheitsbehörden „in den nächsten Tagen genauer den Vorfall aufarbeiten“. Die Alarmpläne allerdings hätten funktioniert.

Hille schätzt, dass sich die zwei Kilometer lange Strecke des Täters in rund 30 Sekunden zurücklegen lässt. „Viel schneller kann man nicht reagieren“, sagt der Flughafenchef.

Schon allein für Rettungskräfte bei einem möglichen Großeinsatz müsste es aber genügend Zufahrtstore auf das Gelände geben.

Der 21-jährige Täter wurde auf Antrag der Staatsanwaltschaft am Sonntagnachmittag von einem Richter in Untersuchungshaft geschickt. Gegen ihn wird wegen des Verdachts des Gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr, Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte sowie Fahren unter Drogeneinfluss ermittelt. Ein Drogenschnelltest hatte Hinweise auf den Gebrauch von Kokain und Amphetamin gegeben. Das Ergebnis der Blutuntersuchung steht aber noch aus.

Von Christian Bohnenkamp