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Meine Stadt „Falsche Polizisten“: Hohe Strafen für Betrüger gefordert
Hannover Meine Stadt „Falsche Polizisten“: Hohe Strafen für Betrüger gefordert
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17:20 25.11.2019
BERUFSVERBRECHER: Die mutmaßlichen Trickbetrüger Farhad B. (rechts) und Ahmad K. (mit Kappe) sollen für viele Jahre ins Gefängnis. Foto: Quelle: Nagel
HANNOVER

Nach dem langen Plädoyer von Staatsanwalt Alexander Dlugaiczyk mussten die erfahrenen Verteidiger am Montag schlucken. Im Betrugsprozess gegen sieben Angeklagte vor dem Landgericht Hannover forderte er für die Hauptangeklagten zehn und neun Jahre Haft, auch die anderen fünf Angeklagten sollen mehrjährige Gefängnisstrafen absitzen.

Der „Falsche-Polizisten-Prozess“ zieht sich seit Juli hin. Die Angeklagten sollen zwischen dem 23. Mai 2017 und dem 6. September 2018 Senioren um insgesamt 700 000 Euro betrogen haben. Farhad B. (34) ist laut Staatsanwalt Dlugaiczyk als Chef aufgetreten. „Wir haben hier einen Berufsverbrecher“, sagte er. Der Angeklagte habe keine Reue oder Einsicht gezeigt. Er sei auf Bewährung draußen gewesen und habe sofort wieder Straftaten verübt.

Staatsanwalt spricht von „Berufsverbrecher“

Die Opfer waren auf Trickbetrüger in der Türkei hereingefallen. Durch geschickte Manipulation wurden die Senioren in Hameln, Bad Münder, Herford, Berlin oder Köln dazu gebracht, ihre Ersparnisse im Briefkasten oder in Mülltonnen zu deponieren. Farhad B. habe dann die Fahrer und Abholer zu den Adressen beordert, damit sie das Geld abholen.

So zum Beispiel am 26. Mai 2018 in Hameln. Ein Ehepaar (damals 92 und 87 Jahre alt) legten Goldbarren im Wert von 90 000 Euro vor ihrem Haus in die Mülltonne. Die Trickbetrüger in der Türkei hatten den Senioren vorgegaukelt, dass „Diebe“ sie um ihre Ersparnisse bringen wollten. Auch Mitarbeiter der Bank arbeiteten mit der „rumänischen Bande“ zusammen. Das war so überzeugend, dass sie auf die nächste Lüge herein fielen. Die Goldbarren seien gefälscht gewesen, erklärten die Betrüger. Wenige Tage später legte das Ehepaar weitere 40 000 Euro in die Tonne.

Auch „Randfigur“ soll ins Gefängnis

Zur Anklage stehen 22 Taten, darunter auch Diebstähle, Einbrüche und Raub. An dem allermeisten Verbrechen ist aus Sicht des Staatsanwalts Ahmad K. (23) beteiligt gewesen; an 19 Taten, um genau zu sein. Dafür soll er für zehn Jahre ins Gefängnis. „Er hat vor Gericht keine Einsicht und keine Reue gezeigt“, erklärte Dlugaiczyk. Außerdem habe er wegen seiner sechs Vorstrafen unter Bewährung gestanden.

Die Anwälte beantragten deutlich niedrigere Strafen, teilweise zur Bewährung. Verteidiger Holger Nitz: „Der Staatsanwalt wollte wohl ein abschreckendes Zeichen setzten, stellvertretend für die Hintermänner in der Türkei, die man bislang nicht fassen konnte.“

Der Staatsanwalt sprach in seinem zweieinhalbstündigem Plädoyer von banden- und gewerbsmäßigen Betrug. Lediglich Mehmet A. (30) bezeichnete er als „Randfigur“. Er habe sich der Beihilfe zum Betrug und der Beihilfe zum Diebstahl schuldig gemacht. Der Mann hatte während der Tatzeit keine Vorstrafen und war geständig. Für ihn forderte Dlugaiczyk drei Jahre und zwei Monate Gefängnis – im Vergleich zu den Mitangeklagten die härteste Strafe. Das Urteil wird am 3. Dezember gesprochen.

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