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Meine Stadt Fahrradwege: Mehr Rot für Hannovers Straßen
Hannover Meine Stadt Fahrradwege: Mehr Rot für Hannovers Straßen
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18:11 18.11.2019
Gut sichtbar: Auch am Friedrichswall hat die Stadt knallrote Farbe auf die Straße pinseln lassen. So sollen noch viel mehr Radwege in Hannover und dem Umland markiert werden. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Manchmal hilft der Blick von außen. In Sachen Radverkehr hat er erneut gezeigt, dass in Hannover noch viel Luft nach oben ist. Im Vergleich mit anderen deutschen Städten gar nicht so schlecht, tun sich zur internationalen Spitze Welten auf. Die sitzt zum Beispiel in den Niederlanden. Kommunen dort führen Radwege über Dächer von Schulen oder geben Radfahrern bei Regen doppelt so viel Grün wie bei trockenem Wetter. „Nicht kleckern, sondern klotzen“, fordert Stefan Bendiks vom Brüsseler Planungsbüro Artgineering.

Er kennt sich aus. Zurzeit erstellt er das neue Radverkehrskonzept für das in Sachen Radverkehr ohnehin schon erfolgreiche Groningen und hat auch in vielen anderen Städten in den Niederlanden Projekte umgesetzt. Er war einer der Experten, die die Regionsverwaltung und die Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen am Montag zu einem Symposium in das Haus der Region geladen hatten.

Für Sicherheit auf Radwegen: Rot und getrennt von den Autos

Dort ging es vor allem um die Frage, wie Standards für Radwege sein sollten. Für Bendiks steht fest: Sie müssen einheitlich und sicher sein. In den Niederlanden würden schon seit vielen Jahren Radwege konsequent rot markiert. Außerdem plädiert der Experte dafür, diese baulich vom Autoverkehr abzutrennen.

Kreative Lösung: In Utrecht führt die Dafne Schippers Brücke auch über das Dach einer Schule. Quelle: dpa

Bendiks kritisiert auch, dass in Deutschland nicht kreativ und mutig genug geplant werde. In Groningen beispielsweise habe es an einer viel befahrenen Kreuzungen mehrere schwere Unfälle gegeben, bei denen Radfahrer von rechtsabbiegenden Lastwagen erfasst worden seien. Die Lösung: Radfahrer bekommen dort nun aus allen vier Richtungen gleichzeitig grün. Das sei „rechtlich eine Grauzone“ und der Kommune sei klar, dass sie verklagt werden könnte. Der Erfolg spreche jedoch für die Lösung. Schwere Unfälle habe es seitdem nicht gegeben.

Radverkehrsförderung: Autofahrer sind die Zielgruppe

Thimo Graf vom Institut für innovative Städte hat auch die Psychologie im Blick. Es reiche nicht aus, zu sagen, dass etwas sicher sei und sich allein an technische Regelwerke zu halten. Wenn man Bürger zum Radfahren bringen wolle, sei entscheidend, dass sie sich auch wirklich sicher fühlen. „Die Zielgruppe der Radverkehrsförderung sind die Autofahrer. Die wollen wir erreichen – und nicht die, die ohnehin schon Rad fahren“, forderte Graf.

Eine Autobahn erkenne jeder sofort. Radfahrer hingegen müssten „oft Pfadfinder sein und sich ihre Wege suchen“. Graf forderte „klare Bilder“ und setzt sich ebenfalls für einheitliche, intuitive und gut sichtbare Standards bei Radwegen ein.

Stadt: Rote Markierungen dauern Jahre

Die Stadt Hannover lässt bereits nach und nach die Radwege über Kreuzungen leuchtend rot markieren, zum Beispiel am Aegidientorplatz ist dadurch die Verkehrsführung klarer und einfacher geworden als zuvor. Laut Tiefbauamtschef Andreas Bode sollen auch nach und nach die Radfahrer-Schutzstreifen auf Straßen rot markiert werden. Allerdings werde das bei mehreren hundert Kilometern „Jahre dauern“.

Es gebe zwar „keinen einheitlichen, aber einen relativ einheitlichen Standard“ in Hannover, erklärte Bode. Bei den gepflasterten Radwegen auf Bürgersteigen will er am Anthrazitgrau festhalten, das durch rote Backsteine vom Fußweg abgetrennt wird. Graf geht das nicht weit genug. Seine Empfehlung sei eine „deutlichere Markierung“, als es „heute der Standard in Hannover ist“. Laut Tiefbauamtschef Bode wurde das auch „diskutiert“. Allerdings könne man „nicht schon nach fünf Jahren eine Straße wieder neu machen“.

„Stau ist kein Problem, sondern Teil der Lösung“

Regionsverkehrsdezernent Ulf-Birger Franz machte erneut deutlich, dass ihm die Bemühungen der Stadt Hannover in Sachen Verkehrswende nicht weit genug gehen. Während Bode nur ungern dem Autoverkehr Spuren wegnehmen will und stattdessen vor allem auf durchgehende Radwegverbindungen mit Vorfahrt setzt, findet Franz, dass man „auch die Möglichkeiten des Autos einschränken muss, wenn man die Verkehrswende will“. Sonst gebe es „keinen Druck für Autofahrer zum Umsteigen“.

Rückenwind für diese Forderung bekam Franz vom Brüsseler Experten Bendiks. „Stau ist kein Problem, sondern Teil der Lösung“, argumentierte er. Mehr Radverkehr gehe nicht ohne Umverteilung des Straßenraums. Die Bürger seien „viel weiter, als mancher Politiker glaubt“. Hannover solle „die Möglichkeiten des neuen Oberbürgermeisters nutzen“. Der Grüne Belit Onay hatte unter anderem eine autofreie Innenstadt bis 2030 gefordert. „Vielleicht ändert sich ja was“, sagte auch Tiefbauamtschef Bode.

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Von Christian Bohnenkamp

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