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Meine Stadt Experte: „Der Wolf hat seinen Platz bei uns gefunden“
Hannover Meine Stadt Experte: „Der Wolf hat seinen Platz bei uns gefunden“
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14:25 14.07.2019
Frank Faß, Leiter Wolfcenter Dörverden Quelle: privat
Hannover

Frank Faß leitet das Wolfcenter in Dörverden. Er hält Vorträge über Wölfe und hat ein Buch „Wildlebende Wölfe - Schutz von Nutztieren“ geschrieben.

Hat der Wolf seinen Platz in Niedersachsen?

Wölfe kommen in unserer Kulturlandschaft bestens klar. Die haben ihren Platz hier gefunden. Es ist uneingeschränkt möglich, dass wir mit dieser Tierart zusammen leben können. Der Wolf ist streng geschützt, er wird sich vermehren. Aber es ist eine Großraubtierart, die Konflikte in sich birgt und dafür muss man Lösungen finden.

Minister Lies möchte, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird. Ergibt das Sinn?

Was soll das bezwecken? Die Bejagung des Wolfes wird definitiv keine Herdenschutzmaßnahme herstellen. Das ist eine Illusion. Wir Jäger bejagen Füchse in Deutschland. Hält das den Fuchs davon ab, ungenügend geschützte Hühner zu reißen? Die Wölfe werden also auch weiterhin die Schafe reißen, die nicht ausreichend geschützt sind. Und: Wildschweine werden auch bejagt und tauchen dann in Gebieten auf, in denen sie zuvor nicht vorgekommen sind. Das wird mit dem Wolf auch passieren. Allerdings sorgt der Wolf auch für die Fitness-Aufwertung der großen Beutetiere, in dem er bei erwachsenem Rot- und Schwarzwild vor allem kranke, alte, schwache Tiere erbeutet.

Der Landesjägerverband hat dazu Zahlen: 0,49 Prozent beträgt der Anteil der Weidetiere, die vom Wolf gerissen werden…

Das verwundert nicht. Wenn das umgekehrt wäre, würden jeden Tag Schafsrisse in den Zeitungen stehen. Ja, es gibt Schafsrisse, auch Risse von Kälbern in einigen Regionen – aber der prozentuale Anteil ist tatsächlich sehr gering.

Nun ist jedem Weidetierbesitzer jedes einzelne Tier zu viel. Der Rodewalder Wolf etwa, der Kälber gerissen hat, erzieht jetzt gerade wahrscheinlich seine Welpen. Auch dazu, Kälber zu reißen?

Das bleibt abzuwarten. Es wäre Unfug zu sagen, diese Welpen werden jetzt in jedem Fall zu Rinderjägern. Wir hatten das Beispiel einer über Zäune springenden Wölfin in Niedersachsen, ihr Nachwuchs ist nicht als springend in Erscheinung getreten. Auf jeden Fall wäre es übertrieben, das ganze Rudel deswegen zu entnehmen.

Muss der Rodewalder Wolf unbedingt getötet werden?

Anfangs habe ich nicht gesehen, dass dies ein problematisches Tier ist. Da ging es um ungenügend geschützte Schafe, Kälber und auch Shetlandponys. So etwas kommt leider gelegentlich vor – bei allem Mitgefühl für die Besitzer. Für den Wolf war das eine kleine Nutztierart. Meiner Auffassung nach sollten wir zum Schutz der Kälber, die hofnah gehalten werden, entsprechende Zäunungen setzen. In den Abseitsgebieten mit Mutterkuhhaltung, dort wo erwachsene große Rinder von einem Wolf häufiger angegriffen und gerissen werden, sollte man schauen, den Wolf auf Dauer zu entnehmen. Das gilt für den Rodewalder Wolf.

Auch jetzt während der Aufzucht von kleinen Wölfen?

Nein. So lange der Rüde an der Aufzucht seiner Welpen beteiligt ist, sollte er leben. Wenn die Aufzucht vorbei ist, müsste er dann entnommen werden. Aber ich wünsche mir klare Kriterien, ab wann ein solches Tier getötet werden darf. Bisher gibt es dazu nur Empfehlungen, hier ist die Politik gefragt.

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in Deutschland. Ist das überhaupt möglich?

Nein, das gibt die Rechtsgrundlage nicht her. Und das ist auch illusorisch. Es geht nicht, dass Wölfe auf einem Truppenübungsplatz leben dürfen, aber wenn sie da den Kopf rausstrecken, werden sie getötet. Ich habe mal darüber nachgedacht, ob es an der Küste möglich ist, wo Schafe zum Deichschutz eingesetzt werden, wo viele Milchkuhbetriebe sind und wo durch die Meerbegrenzung quasi eine Art Sackgassensituation herrscht. Aber auch hier steht das europäische Recht vor.

www.wolfcenter.de

Von Petra Rückerl

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