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Meine Stadt Ex-Präsidentengattin Bettina Wulff sagt vor Gericht aus
Hannover Meine Stadt Ex-Präsidentengattin Bettina Wulff sagt vor Gericht aus
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00:15 15.12.2013
Von Heiko Randermann
Im Gericht begegnete sich das Noch-Ehepaar Wulff sehr freundschaftlich. Quelle: Stratenschulte
Hannover

Christian Wulff steht zusammen mit dem Filmfinanzier David Groenewold vor Gericht. Dieser soll den Wulffs ein Oktoberfest-Wochenende in München spendiert haben, Wulff im Gegenzug versucht haben, einen Groenewold-Film zu unterstützen. Der Vorwurf lautet auf Vorteilsnahme und -gewährung. Die 40-jährige Bettina Wulff, die in Begleitung des Rechtsanwalts Andreas Brinkmann erschien, hätte ihre Aussage als Ehefrau des Angeklagten komplett verweigern können, doch das wollte sie nicht: „Ich möchte aussagen und werde natürlich die Wahrheit sagen“, ließ sie den Richter Frank Rosenow wissen.

Der fragte sie zunächst nach dem Verhältnis zu Christian Wulff, von dem sie seit fast einem Jahr getrennt lebt. „Sehr freundschaftlich“ sei das, man telefoniere oft, sehe sich regelmäßig und kümmere sich um den gemeinsamen Sohn Linus, sagt Bettina. Während seine Frau bei den Aussagen ungezwungen klang, wirkte Christian Wulff im Gerichtssaal angespannt. Stumm blickte er sie an, verschränkte die Arme, rutschte dann auch wieder kaum merklich in seinem Sitz hin und her.

Dabei bestätigte Bettina Wulff mit ihrer Geschichte die Version ihres Mannes: In einer zähen, von vielen Pausen unterbrochenen Autofahrt sei man im September 2008 vom Ruhrgebiet aus nach München gefahren. Dort musste Christian Wulff sofort zum Rathausplatz, wo er bei einer CSU-Wahlkampfveranstaltung auftreten sollte. Bettina Wulff blieb dort aber nicht, sondern ließ sich direkt ins Hotel fahren, weil der nur wenige Monate alte Linus wie am Spieß schrie. „Ich wollte mit diesem aufgelösten Kind nur noch aufs Hotelzimmer.“

Sie bekam eine Suite. „Natürlich war ich überrascht von dem tollen Zimmer“, sagte sie. An dem Abend sei sie dann wohl auch dort geblieben, vielleicht habe sie etwas gegessen, sie wisse es nicht mehr. An diesem Punkt hakt der Richter ein, denn es gibt einen Bewirtungsbeleg über rund 200 Euro aus dem Hotelrestaurant des Bayerischen Hofs. Doch ebenso wie ihr Mann will Bettina den Restaurantbesuch nicht bestätigen. „Ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern und kann mir auch nicht vorstellen, dass wir nach dieser Fahrt mit einem Maxi-Cosi und einem schreienden Kind im Restaurant waren.“ Die Rechnung kenne sie, aber „ich habe auf diesem Bewirtungsbeleg nichts entdeckt, was mir schmeckt.“ Der Richter liest vor: „Chateaubriand?“ Auf keinen Fall, entgegnet Bettina Wulff: „Ich esse kein Fleisch und keine Garnelen.“ „Auch kein Hühnchen?“ will der Richter wissen, das stehe nämlich auch drauf. Doch, räumt sie ein, Hühnchen esse sie schon mal, aber sie könne sich wirklich nicht an diesen Restaurantbesuch erinnern.

Am nächsten Tag ging es dann zum Oktoberfest. Pünktlich um 20 Uhr sei man dort gewesen, „mein Mann ist ein sehr pünktlicher Mensch“. Wer alles da war, daran erinnere sie sich nicht, „es war ein Kommen und Gehen“, aber definitiv habe der Medienmanager Hubert Burda mit seiner Ehefrau Maria Furtwängler vor ihnen gesessen. „Und mein Mann saß definitiv neben mir.“ „Hat sich ihr Ehemann auch mit anderen Leuten unterhalten?“, will der Richter wissen. „Nein“, antwortet Bettina Wulff entschieden, um dann nachzuschieben: „War ein Scherz.“ Gelächter im Saal. Natürlich habe er sich unterhalten, sagt Bettina Wulff.

Unter anderem mit der Schauspielerin Maria Furtwängler, der niedersächsischen Tatort-Kommissarin über die Drehbücher des Tatorts. „Da wird das Land Niedersachsen immer so düster dargestellt, das hat uns geärgert.“ Was sie getrunken habe an dem Abend, will der Richter wissen? Ein Glas Champagner vielleicht, mehr bestimmt nicht, sie habe schließlich noch gestillt. Deshalb sei sie auch auf jeden Fall vor Mitternacht wieder im Hotel gewesen, weil das Baby alle drei bis vier Stunden seine Mahlzeit brauche. Auch Christian Wulff habe nichts getrunken, schon aus Prinzip. „Mein Mann macht sich bis heute nichts aus Alkohol.“ Ja, das hätten andere auch schon erzählt, meint der Richter. „Ich bin mit ihm verheiratet, ich muss es wissen“, schiebt Bettina Wulff nach.

Im Hotel angekommen wurde der Babysitter, der auf Söhnchen Linus aufgepasst hatte, wieder weggeschickt. Gesehen habe sie die Dame nicht, „aber sie soll sehr attraktiv gewesen sein, sagt mein Mann“. Am nächsten Tag, nach dem Checkout allerdings war Christian Wulff offenbar nicht mehr so begeistert. „Er hat sich mokiert, dass der Babysitter doch ganz schön teuer gewesen sei.“ Die Wulffs bezahlten 110 Euro bei einem angeblichen Stundenlohn von zehn Euro – wie das denn sein könne, will der Richter wissen? Das könne sie auch nicht sagen, meint Bettina Wulff. Vielleicht hänge es damit zusammen, dass es eine Doppelbuchung gegeben habe, weil an dem Abend aus Versehen zwei Babysitter vor der Tür gestanden hätten.

Oder ob vielleicht an zwei Abenden Babysitter bestellt worden seien, hakt Richter Rosenow nach. Nein, auf keinen Fall, sagt Bettina Wulff bestimmt. Ein Babysitter an einem Abend – mehr nicht.

Zu David Groenewold habe ihr Mann eine sehr enge Freundschaft gepflegt. „Er gehörte in der Zeit zu dem allerengsten Kreis“, sagt sie. Auch stimme es, dass Christian Wulff „eine natürliche Aversion gegen Kreditkarten“ habe und deshalb immer größere Mengen Bargeld mit sich herum trage. „Das können dann schon mal mehrere Hundert-Euro-Scheine sein.“

Nach 60 Minuten ist die Befragung zu Ende. „Das ging ja überraschend schnell“, meint Richter Rosenow. Kommenden Donnerstag will er eine Zwischenbilanz ziehen zu „der Frage des Vorteils im engeren Sinne“, wie er gestern nochmal erklärte. Beobachter erwarten, dass das Verfahren damit deutlich verkürzt werden könnte und Rosenow etwa beiden Seiten erneut einen Deal vorschlägt, um den Prozess zu beenden.