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Meine Stadt Ex-Freundin beim Sex überrascht: Mann greift zum Messer
Hannover Meine Stadt Ex-Freundin beim Sex überrascht: Mann greift zum Messer
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16:22 13.11.2018
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Hannover

Was in dieser September-Nacht vor einem Jahr passierte, ist selbst für den Angeklagten noch immer unbegreiflich. Die Mischung aus Alkohol und Trennungsfrust machte ihn für Sekunden zu einem Menschen, in dem er sich selbst nicht wiedererkannt habe. Mit einem Messer ging er auf den neuen Liebhaber seiner Ex-Freundin los, als diese gerade Sex hatten. „Es tut mir Leid. Ich weiß nicht, was mit mir da passiert ist“, sagte der 22-Jährige bei der Verhandlung am Amtsgericht.

Die Reue klang echt. Der Angeklagte sprach leise und unsicher. Er hatte sich bislang nie etwas zu Schulden kommen lassen und wirkte bemüht, seinen Fehler wieder gut zu machen. „Er war noch nie vor einem Gericht. Für ihn ist das alles neu“, sagte sein Anwalt Matthias Fiedler.

Mann schnappt sich ein Küchenmesser

Doch wie konnte es überhaupt dazu kommen? Seine Freundin, die im selben Mehrfamilienhaus wie er selbst wohnt, hatte sich gerade von ihm getrennt. Der junge Mann war frustriert, einige Freunde kamen vorbei. Sie hatten Whiskey dabei. „Sie haben mir gesagt, ich soll ruhig mehr trinken, das mache man so“, erzählt der 22-Jährige. Er langt ordentlich zu. Später geht er mit einigen seiner Kumpels noch in einen Club. Wie viel er damals getrunken hat, wisse er nicht. „Normalerweise trinke ich nicht so viel“, sagt der 22-Jährige, der derzeit seinen Realschulabschluss nachholt.

Gegen 1 Uhr kam er zurück. Er entschied sich, zu seiner Ex-Freundin in eins der oberen Stockwerke zu gehen. Ihre Tür war nicht abgeschlossen. Als er die Wohnung betrat, hörte er, dass sie sich mit ihrem neuen Freund vergnügte. Der Angeklagte nahm sich ein Küchenmesser mit einer 20 Zentimeter langen Klinge. Warum er das machte? „Ich weiß es nicht. Vermutlich weil ich nicht genau wusste, was mich hinter der Tür erwarten würden“, sagte er. Als er hinein kam, stach er mit dem Messer auf seinen Nebenbuhler ein und fügte ihm eine stark blutende Wunde am Knie zu. Ein weiterer Hieb in Richtung des linken Oberkörpers verfehlte das Ziel. Seine Ex-Freundin forderte ihn daraufhin auf. das Messer wegzulegen. Der 22-Jährige hörte auf sie und warf das Messer weg.

Flasche über den Kopf gehauen

Wie durcheinander er in dieser Nacht war, zeigte sich auch, als er den Raum wieder verließ. Noch in der Wohnung der Ex-Freundin nahm er sich eine Flasche, haute sie sich gegen den Kopf und ging zu Boden. Einige Stunden später wachte er im Keller auf. „Ich konnte mich an kaum etwas erinnern, ich habe nur gesehen, dass ich Schnittwunden an den Händen habe“, sagte er. Mit seiner Ex-Freundin soll sich der junge Mann inzwischen versöhnt haben. Das bestätigt ihre Mutter. Sie sagte für ihre Tochter aus, die derzeit im Krankenhaus liegt. Beide seien zwar nicht wieder zusammengekommen, könnten sich aber auf der Straße wieder begegnen. Auch bei seinem Opfer habe sich der Schüler aus eigenen Stücken entschuldigt.

Das rechnet ihm der Staatsanwalt hoch an, mahnt aber auch: „So ein Stich mit einem Messer dieser Größe kann tödlich enden.“ Weil sich der junge Mann aber geständig zeige und nur vermindert schuldfähig sei, plädierte er für eine Geldstrafe von 120 Tagessätze von jeweils 10 Euro. Richter Jörn Thyen folgte allerdings dem Plädoyer des Täter-Anwalts und reduzierte in seinem Urteil die Zahl der Tagessätze auf 90. „Damit gilt er privaten Arbeitgebern gegenüber nicht als vorbestraft“, erklärt Thyen.

Der Schüler wirkte erleichtert über das Urteil. Als er das Gerichtsgebäude verließ, umarmte er die Mutter seiner Ex-Freundin zum Abschied. Ein Glück für alle, dass dieser Aussetzer nur mit einem großen Schrecken endete.

Von Sascha Priesemann