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Meine Stadt Eskalation bei „Asphalt“
Hannover Meine Stadt Eskalation bei „Asphalt“
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20:30 23.09.2018
Zerschnittenes Tischtuch: Herausgeber Pastor Rainer Müller-Brandes (r.), Heiko Geiling, Hanna Legatis.
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HaNnover

Wenn drei sich streiten... bleibt einer übrig. Beim StraßenmagazinAsphalt“ wird zurzeit mit harten Bandagen gekämpft. Nun ist Herausgeberin Hanna Legatis gefeuert worden, aus Solidarität ging Mitherausgeber Heiko Geiling mit, etwas angeschlagen bleibt der dritte Herausgeber sowie Mehrheitsgesellschafter Rainer Müller-Brandes.

Ein Erklärversuch: Die Straßenzeitung „Asphalt“ erscheint seit 1993 monatlich, Gesellschafter des Straßenmagazins sind das Diakonische Werk zu 51 Prozent und die Hannoversche Initiative obdachloser Bürger (Hiob). Drei ehrenamtlich tätige Herausgeber (Journalistin Legatis, Armutsforscher Geiling, zuerst Diakoniepastor Walter Lampe, seit sechs Jahren Müller-Brandes) berieten bisher das Magazin, diskutierten auch die Ausrichtung von „Asphalt“, aber mischten sich nicht in die Arbeit der Redakteure ein.

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Diese arbeiten vor allem in Teilzeit, und zwar unterhalb des Tarifs der Zeitschriftenredakteure. Das Magazin wird von Obdachlosen auf der Straße verkauft, ein Teil des Erlöses gehört ihnen. Das aktuelle Zerwürfnis soll sich daran entzündet haben, dass mit Blick auf den angeschlagenen Print-Markt bei den Redakteuren gespart werden sollte. Und zwar an Stunden, was sich natürlich auf das Gehalt auswirkt. Und auf die Qualität, wie Hanna Legatis betont, die möchte, dass die Asphalt-Verkäufer ihr Produkt mit Freude und Achtung verkaufen können. Journalistin Legatis wirft Müller-Brandes „hierarchisches Verhalten“ vor, und dass er dafür gesorgt habe, dass ihr und Geiling bei den Gesellschafterversammlungen das Beraterrecht entzogen wurde. Müller-Brandes habe von vornherein „intransparente und konfrontative Umgangsformen“ an den Tag gelegt und nicht verstanden, wie wichtig die journalistische Qualität des Magazins sei. „Wenn man die Stunden der Redakteure kürzt, haben sie noch weniger Zeit, Artikel gut zu recherchieren und zu schreiben“, sagte Hanna Legatis am Sonntag zur NP. Nach Ansicht von Legatis war Zahlenmensch Müller-Brandes von vornherein auf Krawall gebürstet, „bei Asphalt gab es immer wieder schwere Auseinandersetzungen“, schrieb sie. Und warf ihm „unprofessionelle und mangelhafte Wertschätzung der journalistischen Arbeit“ vor.

Müller-Brandes sagte am Sonntag der NP, dass es ihm außerordentlich leid tue, dass die Auseinandersetzungen öffentlich geworden sind. Jeder, der ihn kennen würde, wüsste, „dass ich nicht der Typ bin, der eskaliert“. Er leide auch darunter, „denn es schadet Asphalt massiv“. Dass er die Zahlen im Auge haben müsse und dass es darüber unterschiedliche Auffassungen gebe, sei Realität. „Wir sind nicht auf Rosen gebettet, auch Straßenzeitungen haben es schwer.“ In Berlin habe das Obdachlosenmagazin „Straßenfeger“ gerade dicht machen müssen. Dennoch blickt er nach vorn: „Wir haben eine funktionierende Struktur, eine Geschäftsführung, ein tolles Team und tolle Verkäufer.“

Das mit dem Team und den Verkäufern sieht Legatis genau so. „Ich habe die Hoffnung, dass alles in Bewegung gerät und das Projekt neu aufgestellt wird“.

Von Petra Rückerl