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Meine Stadt „Es reicht“: AfD-Demo zieht durch Hannover
Hannover Meine Stadt „Es reicht“: AfD-Demo zieht durch Hannover
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17:15 25.08.2019
Unter dem Motto „Es reicht" demonstrierte die AfD in Hannover. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Mit lautstarken „Merkel muss weg“-Rufen zogen am Samstagabend mehrere Hundert Anhänger der AfD durch Hannovers Innenstadt. Mit dabei nicht nur Hannovers AfD-OB-Kandidat Joachim Wundrak, sondern auch mehrere bekannte Rechtsradikale.

Die Demonstration, die unter dem Motto „Es reicht!“ stand, startete gegen 17.30 Uhr mit einer Kundgebung am Platz der Göttinger Sieben. Dort hatten sich zu Beginn etwa 270 Gegendemonstranten versammelt, die versuchten, die Veranstaltung in der Nachbarschaft des Landtags zu stören.

Die Polizei hatte die Demonstration der rechtspopulistischen Partei mit einem Großaufgebot gesichert, begleitete den Demonstrationszug durch die Innenstadt bis zum Goseriedeplatz, wo eine Abschlusskundgebung mit dem OB-Kandidaten stattfand. Die Veranstaltung lief zwar ohne Ausschreitungen ab, es kam aber zu mehreren Handgreiflichkeiten. Die Polizei ermittelt – unter anderem wegen tätlichen Angriffs gegen Beamte, wegen Volksverhetzung und Beleidigungen.

Aufgeheizte Stimmung von Beginn an

Die Stimmung zwischen AfD-Anhängern und Gegendemonstranten hatte sich schon am Platz der Göttinger Sieben verbal aufgeheizt, sodass sich die Beamten zwischen beiden Lagern positionierten. Auf dem folgenden Protestzug hatten die Polizisten ihre Mühe, die „saubere Trennung“ beizubehalten. „Die Gegendemonstranten versuchten mehrfach, auf die Aufzugroute zu gelangen, um diese zu blockieren und die angezeigte Versammlung zu stören“, so Polizeisprecher Andre Puiu. Selbst nach der Abschlusskundgebung versuchten mehrere Personen auf die AfD-Demonstranten, „einzuwirken“, was laut Polizei aufgrund der stets präsenten Einsatzkräfte unterbunden werden konnte. 

Besonders folgenreich war dabei ein Fall, in dem mehrere Beamte in voller Montur eine junge Muslima daran hinderten, auf einen AfD-Demonstranten loszugehen, die schmächtige Frau schließlich zu Boden drückten. Gegen die Frau wird wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt.

Ein Video davon sorgte später bei Twitter für Aufsehen. Gedreht hat es der Youtuber Henryk Stöckl, der als einer der auffälligsten rechten Meinungsmacher in Deutschland gilt. Er selbst wurde vermutlich von der Muslima angegangen, die er im Nachgang mit derben Schimpfwörter bedenkt. Stöckl löschte kurz danach die Tonspur vom Video, das Original kursierte aber ebenfalls. Die Polizei ermittelt inzwischen wegen Verdacht der Volksverhetzung und Beleidigung.

Flaschen flogen

Zudem sind in mehreren Fällen Polizeibeamte und AfD-Demonstrationsteilnehmer mit Flaschen beworfen worden. Fünfmal wurden die Einsatzkräfte körperlich angegriffen – zwei von ihnen erlitten Verletzungen. Die Polizei hat insgesamt neun Strafverfahren eingeleitet. Sieben davon gegen Teilnehmer der Gegendemonstration. Vier wegen des Verdachts des tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte, jeweils eins wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, wegen Körperverletzung und wegen versuchter Gefangenenbefreiung.

Des Weiteren ermittelt die Polizei wegen gemeinschädlicher Sachbeschädigung. Unbekannte hatten in der Nacht vor der Versammlung großflächig den Boden des Platzes der Göttinger Sieben mit Parolen beschmiert.

Unter den AfD-Teilnehmern befand sich auch die Schleswig-Holsteinische Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein, die aber nicht auf der Lkw-Bühne der Partei in Erscheinung trat. Im Gegensatz zu AfD-OB-Kandidat Joachim Wundrak, der die Bühne nutzte, um gegen die bisherige Einwanderungspolitik und von Migranten verübte Straftaten zu wettern.

Das Geschehen verfolgten zudem Politiker anderer Parteien, da die Demo in unmittelbarer Nachbarschaft zum Landtag begann, wo gerade der Tag der offenen Tür endete. Alptekin Kirci (SPD) nannte die Stimmung vor Ort „gruselig“. In Richtung des AfD-OB-Kandidaten sagte er: „Wundrak hat die Stimmung durch seine Statements noch zusätzlich aufgeheizt.“ Auch Maximilian Oppelt von der CDU verurteilte das Verhalten des Kandidaten: „Wer mit bekennenden Rechtsradikalen Seite an Seite marschiert, hat im Rathaus nichts zu suchen.“ Gemeint war damit unter anderem der Demonstrant Gerd U., der lange Jahre aktiv bei der inzwischen verbotenen Organisation „Heimattreue deutsche Jugend“ gewesen ist. „Herr Wundrak hat damit endgültig die vermeintlich bürgerliche Maske fallen gelassen.“

Der einzige zuvor bei der Polizei angemeldete Protest fand übrigens vor dem Hauptbahnhof statt, wo Politiker der „Partei“ als Gegenveranstaltung eine „Mahnwache“ aufgestellt hatten. Sie folgte dem Motto: „Selber es reicht – genug gehetzt“.

Am Samstag zogen Anhänger der AfD durch Hannover. Sie wurden von Gegendemonstranten begleitet.

Von Simon Polreich

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