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Meine Stadt Leih-Boom in Hannover: Ersetzen die E-Scooter wirklich Autofahrten?
Hannover Meine Stadt Leih-Boom in Hannover: Ersetzen die E-Scooter wirklich Autofahrten?
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12:58 13.09.2019
Große Auswahl: Am Hauptbahnhof stehen Leihfahrräder und Tretroller. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Viele Menschen rollen in der Innenstadt inzwischen auf den E-Scootern zu ihren Terminen. Obwohl die elektrischen Tretroller erst seit Anfang August in der City stehen, sind sie aus der Innenstadt kaum noch wegzudenken. Konkrete Zahlen, wie viele Menschen mit den E-Scootern bereits gefahren sind, wollen die beiden Anbieter Lime und Tier nicht nennen.

„Wir sind sehr zufrieden mit dem Start“, sagt Lime-Sprecherin Patricia Kurowski, „Wir bieten eine neue und nachhaltige Fortbewegung an. Wir wollen den Menschen mit unseren E-Scootern ein weitere Argument dafür liefern, langfristig auf ihr Auto zu verzichten.“ Ziel des Unternehmens sei eine „Mikromobilitätswende“. Doch sind es tatsächlich Autofahrten, die durch die neuen E-Roller ersetzt werden?

Stephanie Fröhlich fährt mit dem E-Scooter statt mit der Stadtbahn zur Arbeit. Quelle: Christian Behrens

Stephanie Fröhlich ist mit einem E-Roller auf dem Weg zur Arbeit, die etwa einen Kilometer entfernt liegt. „Das wäre ich sonst mit der Stadtbahn gefahren“, sagt sie. Doch die öffentlichen Verkehrsmittel seien auf dieser Distanz teilweise teurer. Für sie sind die Roller eine echte Alternative. „Ich finde sie cool, die Roller sind eine gute Idee für die letzte Meile in Kombination mit der Bahn.“

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„Tier“ oder „Lime“ – Die NP testete beide E-Scooter

Auch Mareike und Lars Finke, die in Australien leben und zu Besuch sind, wollen mit ihren drei Kindern die Roller testen. Ihr Ziel ist die Limmerstraße. „Dort wollen wir den Kindern zeigen, wo wir mal während des Studiums gelebt haben“, erzählt Lars Finke. Die E-Scooter gab es damals noch nicht, aber dafür die Stadtbahn. Die will die Familie heute aber nicht nutzen.

Mit dem Roller einfach entspannter

Ken Patermann (23) wäre zu seinem Termin in der List wohl normalerweise mit dem Rad gefahren. „Mit dem Roller ist es einfach entspannter.“ Er kann sich vorstellen, sich selbst mal einen E-Scooter anzuschaffen. Mit den Leihrollern habe er bereits rund 20 Fahrten gemacht. „Das ist besser, als mit einem Auto noch mehr die Stadt zu verstopfen“, sagt er. Gefährliche Situationen habe er mit dem Roller noch nicht erlebt. „Das ist nicht anders als mit dem Fahrrad.“

Ken Patermann hat schon etwa 20 Fahrten auf den E-Rollern zurückgelegt. Quelle: Christian Behrens

Der Leihroller-Anbieter Tier kann über die GPS-Daten der E-Scooter erfahren, wie lang die Menschen mit den Fahrzeugen unterwegs sind. Demnach legt der Durchschnittsnutzer in Hannover eine Strecke von 2,5 Kilometern zurück und ist etwa 15 Minuten auf den 20 Kilometer die Stunde schnellen Rollern unterwegs. Immerhin eine Distanz, auf der nach der Studie „Mobilität in Deutschland“ vom Bundesverkehrsministerium bereits die Hälfte aller Wege hierzulande mit dem Auto zurückgelegt werden.

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Nur acht Prozent weniger Autofahrten in Paris

Studien, wie viele Autofahrten die E-Scooter in Deutschland einsparen können, gibt es bislang keine. Das Umweltbundesamt ist jedoch skeptisch: Die Behörde sieht in den elektrischen Leihrollern „zurzeit keinen Gewinn für die Umwelt.“ Sie ersetzten zu wenig Autofahrten.

Zu diesem Schluss kommt auch eine Befragung von 4000 Nutzern von Verleih-E-Scootern in Paris. In der französischen Hauptstadt ist unter anderem Anbieter Lime bereits seit Juni des vergangenen Jahres aktiv. Demnach wären 47 Prozent der Befragten zu Fuß zu ihrem Ziel gegangen, hätte es die Tretroller nicht gegeben. 29 Prozent hätten den Bus oder die Bahn genommen, neun Prozent das Fahrrad. Nur acht Prozent gaben an, dass sie ansonsten das Auto genutzt hätten.

Familie Finke überlegt, mit den E-Rollern zur Limmerstraße zu fahren. Quelle: Christian Behrens

Das Unternehmen Nextbike ist mit seinem Leihrad-Verleih fast zeitgleich mit den Tretrollern in Hannover gestartet. Zumindest in der Innenstadt scheinen aber deutlich mehr Menschen mit den E-Scootern unterwegs zu sein, als mit den Leihrädern. Einen Grund zur Sorge sieht Mareike Rauchhaus, Sprecherin von Nextbike, deshalb aber nicht: „Die Menschen, die sowieso das Fahrrad genommen hätten, werden das weiterhin vorziehen.“ In Dortmund, wo neuerdings ebenfalls Leihroller angeboten werden, habe Nextbike keinen Rückgang bei den eigenen Zahlen feststellen können.

Zu den ersten drei Wochen in Hannover kann der Leihrad-Anbieter noch keine aussagekräftige Bilanz ziehen. „Fürs Erste ist das System auf jeden Fall erfolgreich angelaufen“, sagt Rauchhaus. Sie hält die E-Roller zudem nicht für ganz ungefährlich. Schon kleinere Unebenheiten könnten dazu führen, dass die E-Scooter-Fahrer ordentlich durchgeschüttelt würden oder sogar stürzen könnten. „Längere Touren sind mit dem Fahrrad einfach entspannter“, ist Rauchhaus überzeugt.

Keine Sorgen bei Üstra und Taxis

Üstra-Sprecher Udo Iwannek hat keine großen Bedenken, dass künftig die Fahrgäste von Bussen und Bahnen auf die E-Roller umsteigen könnten. „Das mag vereinzelt vorkommen. Aber das ist zahlenmäßig einfach nicht so groß.“

In der Innenstadt sind viele Tretroller-Fahrer unterwegs. Quelle: Rainer Dröse

Doch wie sieht es bei den Taxen aus, die in Hannover zudem in Konkurrenz mit dem Volkswagen-Fahrdienst Moia stehen? Gunther Zimmermann vom Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) glaubt nicht, dass durch E-Roller das Taxigeschäft leiden könnte. „Der Geschäftsmann oder die ältere Dame werden jetzt nicht mit dem E-Roller fahren. Das ist ein komplett anderes Konzept.“

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Allerdings zweifelt Zimmermann an der Umweltbilanz der E-Scooter. Er ist überzeugt, dass dadurch hauptsächlich Fußwege oder Fahrten mit dem Rad ersetzt und sich die Menschen letzten Endes noch weniger bewegen würden. „Einige fahren aus Spaß mit den E-Rollern. Das ist eine sehr umweltbelastende Freizeitgestaltung“, sagt Zimmermann.

Von Sascha Priesemann

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