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Meine Stadt Marienburg: Ernst Augusts schwerer Abschied
Hannover Meine Stadt Marienburg: Ernst Augusts schwerer Abschied
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00:21 02.12.2018
Abschied von der Marienburg: Erbprinz Ernst August von Hannover gibt sein Welfenschloss für einen Euro an das Land Niedersachsen ab. Die millionenschwere Sanierung der Anlage hätte er nicht stemmen können. Quelle: Dröse
Pattensen

Es war ein schwerer Schritt für den Erbprinzen – und doch einer, der nach Jahren der Verhandlungen Erleichterung brachte. Am Donnerstag verkündete er offiziell auf einer Pressekonferenz, dass seine Marienburg schon zum 1. Januar 2019 in den Besitz des Landes übergehen soll – für den symbolischen Betrag von einem Euro, nach über 150 Jahren im Besitz der Welfen. „Eine historische Zäsur“, nennt es der Erbprinz.

Eine, die offenbar unvermeidbar war. Der Erhalt der Marienburg „überfordert meine finanziellen Möglichkeiten bei weitem“, räumte Ernst August ein. In der Vergangenheit sei er „an die Grenze des finanziell Vertretbaren gegangen“. Der Betrieb der Burg mit Gastronomie und Veranstaltungen habe allenfalls eine schwarze null erwirtschaftet, oft sogar Verluste gebracht.

Die nun notwendigen Investitionen in den Erhalt der Burg von rund 27 Millionen Euro seien für ihn nicht zu stemmen gewesen. Denn die 44 Millionen Euro Einnahmen aus dem Verkauf von Kunstschätzen der Welfen im Jahr 2005 sind längst aufgebraucht. Der Großteil davon ging bereits für die Tilgung von Altschulden drauf, berichtete der Erbprinz. Mittlerweile sind wieder neue Schulden aufgelaufen.

Sie sollen mit rund zwei Millionen Euro bezahlt werden, die Ernst August für den Verkauf von 100 Kunstwerken, vor allem wertvollen Gemälden, an das Landesmuseum erhält. Die Mittel dafür sollen von verschiedenen Stiftungen kommen. Weitere 1100 Kunstgegenstände im Wert von sechs Millionen Euro bringt der Erbprinz in eine Stiftung ein, deren Vorsitz er übernimmt. Alle Kunstwerke sollen auf der Marienburg bleiben.

Die Marienburg ist in die Jahre gekommen – und etwas marode. Nun hat Prinz Ernst August sie an das Land Niedersachsen verkauft, symbolisch für einen Euro.

Björn Thümler (CDU), Minister für Wissenschaft und Kultur, begründete die Übernahme der Marienburg damit, dass das Land dem „Schutz von Kunst und Kultur verpflichtet“ sei. Das Schloss sei ein Kulturdenkmal von „nationaler Bedeutung“.

Konkret geht die Marienburg in das Eigentum der Liemak Immobilen GmbH über, einer Tochter der Klosterkammer Hannover. Offenbar musste es schnell gehen. Denn ein Übergang in den Besitz des Landesliegenschaftsfonds wäre nach Auskunft Thümlers „komplizierter“ gewesen und hätte auch länger gedauert.

Das Haus von Hannover nimmt Abschied – doch auch in Zukunft wird das Schicksal der Marienburg maßgeblich in der Hand des Adels liegen. Die Familien von Schöning und von Hardenberg steigen als Pächter ein. Sie werden schon ab Anfang Januar für den Museumsbetrieb, Hochzeiten und andere Veranstaltungen zuständig sein.

Erfahrung bringen sie mit. Die von Schönings bewirtschaften erfolgreich mit Events das Rittergut Remeringhausen bei Stadthagen, die von Hardenbergs, in der Nähe von Göttingen ansässig, haben eine bekannte Kornbrennerei. „Ich sehe ein Riesenpotenzial auf der Marienburg“, versichert Nicolaus von Schöning. Sicher sei aber auch, dass „andere Lösungen“ für einen erfolgreichen Betrieb nötig seien.

Der Minister jedoch will die notwendige Sanierung schnell voranbringen. Vor allem der bröckelnde Hang, auf dem die Burg steht, muss gesichert werden. Zu weiteren Sanierungsmaßnahmen machte Thümler noch keine konkreten Angaben. Von den Kosten muss das Land die Hälfte aufbringen, also rund 13,5 Millionen Euro. Darüber muss dann auch die Landespolitik abstimmen.

Erbprinz Ernst August versicherte: „Ich werde der Marienburg immer verbunden bleiben“. Er wird Mitglied eines Beirates sein, der für das Schloss zuständig ist. Gewohnt hat er dort ohnehin nicht, sondern im Fürstenhaus Herrenhausen. In Hannover fühle er sich „sehr wohl“ und wolle hier auch zu „100 Prozent“ bleiben, versprach Ernst August.

Von Christian Bohnenkamp

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