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Meine Stadt Erbe des Bäckers schafft eine Oase
Hannover Meine Stadt Erbe des Bäckers schafft eine Oase
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17:00 29.06.2018
OASE: Blick in den neuen Innenhof des modernisierten Wohnungskomplexes der Johann Jobst Wagenerschen Stiftung.
OASE: Blick in den neuen Innenhof des modernisierten Wohnungskomplexes der Johann Jobst Wagenerschen Stiftung. Quelle: Foto: Schaarschmidt
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Hannover

Das Erbe des hannoverschen Bäckermeisters Johann Jobst Wagener wirkt auch noch mehr als 230 Jahre, nachdem es verfasst wurde – und bietet in der Calenberger Neustadt an der Glocksee, neben dem Kraftwerk mit den drei markanten Schloten, jetzt nicht nur Unterkunft für Bedürftige: Der durch Bauarbeiten am Gebäude zerstörte Innenhof ist völlig neu gestaltet worden – so, dass sich dort etwa Vögel und Insekten wohlfühlen, er „Heimatstandort“ für vier Bienenvölker ist – und sich die menschlichen Bewohner ringsum dort tummeln, austauschen, entspannen, in der vielfältigen Botanik gärtnern. Oder ihrem Körper an einem der sieben Sportgeräte Gutes tun.

„Den Stadtteil zu den Leuten, die Leute an den Stadtteil bringen“ – das ist eine der Funktionen, die Stiftungsvorsteher Reinhold Fahlbusch sich davon erhofft, dass nach der Modernisierung des Wohngebäudes nun mit der Fertigstellung des Innenhofes die 2015 gestartete Ära des Umgestaltens ihren Abschluss gefunden hat.

IN BEWEGUNG: Sabine Tegtmeyer-Dette und Reinhold Fahlbusch probieren ein Sportgerät im neuen Innenhof aus. Quelle: Foto: Schaarschmidt

Derzeit leben in den 78 Wohnungen 82 Menschen – die meisten seien hier, weil sie auf dem Wohnungsmarkt keine Chance haben, weil sie wirtschaftlich, sozial oder gesundheitlich arm sind“, sagt Fahlbusch. Und viele mieden den Kontakt sowohl zu den Nachbarn im Hause als auch der Umgebung. Da habe sich nun schon einiges bewegt.

KÜMMERT SICH: Veronika Ebeling hat nicht nur ein Auge auf die Goldfische im Teich des neuen Innenhofes. Quelle: Foto: Schaarschmidt

Sabine Tegtmeyer-Dette, Wirtschafts- und Umweltdezernentin der Stadt, freut sich nicht nur über den Sportgeräte-Parcours (40 000 Euro), der zum städtischen Programm „Sport im Park“ zählt und wie der ganze Innenhof jedem zugänglich ist. „Der ist besser ausgestattet als unsere!“, sagte sie während der Besichtigung. Und unterstrich, dass „solche Oasen ganz wichtig sind für die Viecher – mitten in einem sonst versiegelten Raum ist das einfach toll!“ Dass das so wurde, dafür sorgte die Beratung durch die Leibniz Uni und den Naturschutzverein Bund. Und rund 140 000 Euro von dem Gesamtbudget für die Modernisierung des 1896 erbauten Gebäuderiegels in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro (die Stadt gab 151 000 Euro dazu, hat dafür ein Belegrechte für die Hälfte der Wohnungen). Da die Stiftung das Geld nicht zur Verfügung hatte, musste sie Kredit aufnehmen – der soll binnen 30 Jahren abgezahlt werden. Hauptfinanzierungsquelle: Werbung an den drei Giebelseiten des denkmalgeschützten Gebäudes aus der Gründerzeit. Zudem wurde dafür das letzte freie Grundstück aus dem Erbe des Bäckers Wagener verkauft.

NACHBARN: Die Johann Jobst Wagenersche Stiftung, eine der alten hannoverschen „Armenstiftungen“, hat eine langjährige innere und bauliche Reorganisationsphase abgeschlossen. Der Schlusspunkt war die Neugestaltung der durch die Bautätigkeit völlig ruinierten Freifläche – hier der „wilde Garten“ neben dem Sportgeräte-Parcours. Im Hintergrund das Kraftwerk in Linden. Quelle: Tim Schaarschmidt

Von Ralph Hübner