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Meine Stadt Enercity verdient durch Spaltung
Hannover Meine Stadt Enercity verdient durch Spaltung
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00:26 27.05.2018
ZUKUNFT IM BLICK: Enercity-Vorstandschefin Susanna Zapreva und der Roboter Pepper, der im Kundencenter am Kröpcke zum Kundendialog bereitsteht. Quelle: Foto: Wallmüller
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hannover

Enercity spaltet sich auf: Der hannoversche Energieversorger will etwa die Hälfte seiner 2328 Beschäftigten in ein anderes Unternehmen ausgliedern – und dadurch eine Menge Geld erlösen. Das verkündete Vorstandschefin Susanna Zapreva am Donnerstag.

Demnach sollen rund 1200 Menschen künftig in der Enercity Netz arbeiten. Sie sind dort zuständig für den Betrieb der Strom- und Gasnetze. Damit erscheint diese Tochterfirma stärker getrennt von der Mutter und deren Energie-Handelsgeschäft – das gefällt der Bundesnetzagentur besser, und so darf Enercity Netz auch die Personalkosten für sich geltend machen. Finanzvorstand Marc Hausmann verspricht sich dadurch Mehrzuweisungen von dieser Regulierungsbehörde „im niedrigen zweistelligen Millionenbereich“.

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Personalvorstand Kai-Uwe Weitz versichert, dass die Aufspaltung nicht zu Lasten der Mitarbeiter geht: „Unsere Maxime lautet: Kein Euro der in Zukunft Gewinn wird, kommt aus Personalabbau!“ Die Bedingungen der Spaltung und des Personalübergangs würden per Tarifvertrag festgeschrieben – die künftigen Netz-Mitarbeiter sollen „keine arbeitsrechtlichen Nachteile“ haben, unter dem Enercity-Dach „garantieren wir die Einheitlichkeit der Beschäftigungsbedingungen“. Spätestens Ende August soll die neue Firma im Handelsregister eingetragen sein, alles rückwirkend zum 1. Januar 2018 in Kraft treten.

Die wirtschaftlichen Kennzahlen fürs erste Quartal sind „durchweg positiv“ – für Zapreva deutet das daraufhin, „dass unsere Strategie und Neuausrichtung erste Früchte trägt“. Enercity habe den Kundenschwund im Stammgebiet Hannover gestoppt, insgesamt unterm Strich mehr dazugewonnen als verloren.

Im ersten Quartal habe das Unternehmen rund 19 Prozent mehr Strom verkauft als im Vorjahreszeitraum, bei Gas 30 Prozent mehr und bei Fernwärme etwas über 28 Prozent mehr – die letzteren beiden Werte hingen mit dem zum Schluss doch noch kalten Winter zusammen. Am Jahresende soll der Gewinn bei 110 Millionen Euro liegen, rund 46 Prozent über dem Vorjahr. Und es sollen etwa 47 Millionen Euro mehr Investiert worden sein als 2017 ( plus gut 35 Prozent).

Die Vision der Chefin

Enercity hat begonnen, bundesweit Strom und Gas anzubieten – rein digital, über einen Internetzugang oder spezieller „App“ auf dem Handy. Den Auftakt macht seit Januar Berlin, weitere Großstädte folgen, auch Bewohner von Hannover sollen noch in diesem Jahr auf diesem Weg ihren Energiebedarf regeln können.

Die Zielgruppe sind laut Enercity-Chefin Susanna Zapreva Menschen „unter 35“, also „ein vorrangig junges, urbanes Publikum“ – dessen Interesse soll mit speziellen Werbemaßnahmen in den Städten geweckt werden, entsprechend begleitet über die passenden Kanäle des Internet wie Twitter, Facebook, Youtube & Co.

Wer dies digitale Angebot nutzt, soll etwa seine Zahlungen selbst regeln können, etwa indem ein Foto des Zählerstands hochgeladen wird und dann „in Echtzeit“ eine Rechnung kommt – das Ende des Abschlagverfahrens. Es soll ein „papierloser, einfacher und angenehmer Weg der Zusammenarbeit“ werden. Zapreva sieht Enercity nun auf dem Weg zum „digitalen Plattformunternehmen. Was Amazon und Google seit Jahrzehnten betreiben, da machen wir die ersten Schritte“.

Von Ralph Hübner