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Meine Stadt Markthalle: Silvester-Frust statt Silvester-Lust
Hannover Meine Stadt Markthalle: Silvester-Frust statt Silvester-Lust
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17:45 31.12.2018
So voll wird es heute nicht: Die Stadt erlaubt nur noch 900 Besucher in der Markthalle – aus Sicherheitsgründen.
So voll wird es heute nicht: Die Stadt erlaubt nur noch 900 Besucher in der Markthalle – aus Sicherheitsgründen. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Eine lange Schlange von Menschen bildete sich am Silvestertag vor dem Haupteingang der Markthalle. Sie alle wollten ihre traditionelle Silvesterparty in der Markthalle feiern. „Ich rutsche hier seit über 20 Jahren ins neue Jahr“, sagte Günter Mahnke (71). „Wenn wir heute nicht reinkommen, ist die Tradition gestorben.“

Die Tradition sah in diesem Jahr etwas anders aus: Die Stadt verordnete einen Einlass-Stop, nur noch 900 Menschen durften in die Markthalle. Und die waren schon um 9 Uhr drin. Rein durfte man nur noch, wenn jemand rausging. Einige Hartnäckige warteten – bis zu zwei Stunden. „Wenn ich durch die Fensterscheiben in die Halle schaue, sehe ich so viele freie Hocker – und wir müssen hier draußen warten. Das ist doch totaler Unsinn!“, sagte Petra Schreiner (65).

Wenig Verständnis für die Entscheidung der Stadt

Die Stadt sieht das anders: Die Sicherheit und der reibungslose Verlauf der Veranstaltung müsse gewährleistet werden. Aufgrund von „Erfahrungen in den vergangenen Jahren“ habe es Handlungsbedarf gegeben. Es hätte immer wieder Hinweise auf Überfüllung gegeben, so Stadtsprecherin Konstanze Kalmus. „Es geht der Stadt nicht darum, die beliebten Silvesterfeiern in der Markthalle zu verhindern – im Gegenteil. Es liegt beim Betreiber der Halle, ein Konzept für die Durchführung der Feiern in der Halle bei gleichzeitigem Verkaufsbetrieb vorzulegen. Dies ist zu unserem Bedauern bisher nicht der Fall gewesen.“ Schreiner konnte darüber nur den Kopf schütteln: „An jedem normalen Samstag ist hier mehr los als heute!“

Leere Gänge und Luft nach oben

Stammgast Erwin Müller (47, Name geändert) erinnert sich an volle Silvesterfeten in der Markthalle: „Es war manchmal tatsächlich nur noch Geschiebe da drinnen. Einen Einlasstop zu machen, ist sinnvoll. Aber wie man den bei 900 Menschen setzen konnte, ist mir ein Rätsel.“ Selbst die Security teilte diese Meinung: „Zwar hätte man hier keine Sicherheit mehr gewährleisten können, wenn man alle reingelassen hätte – aber wäre noch Kapazität für mehr Personen da“, sagte der Einsatzleiter.

Das traditionelle Vorglühen zu Silvester fiel in der Markthalle etwas bescheidener aus . Es gab erstmals Zutrittsbeschränkungen.

Laut Markthallen-Verwalter Gerhard Schacht (67) musste das sogar die Stadt einsehen: „Es waren welche von der Stadt da und haben sich ein Bild von der Situation hier gemacht. Auch sie haben gesehen, dass hier noch mehr Menschen problemlos reingepasst hätten.“

Tatsächlich: Zwar tummelten sich die Menschen an den beliebtesten Punkten rund um den Paulaner Biergarten – doch am Rand und auf der Galerie herrschte Leere. „Einige Händler haben sogar geschlossen, weil sich das Geschäft nicht lohnt“, so Schacht. Der normale Markthallen-Verkauf lief eigentlich bis um 16 Uhr. „Geschäftsschädigend ist so eine Entscheidung“ so Besucher Uwe Meier (57, Name geändert). Der Inhaber einer Salatbar sagte: „Unsere Kunden durften nicht mal rein, um ihre vorbestellten Speisen bei mir abzuholen. Wir bereiten uns das ganze Jahr auf den Silvester-Geschäftstag vor – und jetzt ist er eine Katastrophe für uns!“

„Silvester ist hier dieses Jahr eine Katastrophe“

Das Wort Katastrophe fiel an diesem Tag oft. „Katastrophal“ empfand Schacht auch die Entscheidung für das Image von Hannover: „Es sind hier Busse angereist, unter anderem aus Paderborn. Die wollten mal das berühmte Silvester in Hannovers Markthalle miterleben – und mussten wieder abreisen.“ Dabei sei es laut Schacht so wichtig, dass die Menschen wüssten, dass es in Hannover eben nicht nur das Maschseefest und Schützenfest gibt.

„Der Ruf dieser Traditions-Party kann dieses Jahr nur begrenzt weitergegeben werden“, sagte Schacht während er von seinen Platz auf der Galerie runter auf die 900 Besucher schaute. Seit 4:45 Uhr war er im Einsatz. Die Verordnung sah vor, dass er als Verantwortlicher von Beginn bis Ende der Veranstaltung in der Markthalle dabei ist. „Ich hatte schon bessere Silvester-Tage“, sagte er – genau wie die Menschen, die vor verschlossenen Türen standen.

Von Josina Kelz