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Meine Stadt Hannover: Lernen Hebammen bald an der Uni?
Hannover Meine Stadt Hannover: Lernen Hebammen bald an der Uni?
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15:54 11.01.2019
Erster Fußabdruck: Hebammen haben eine große Verantwortung für Neugeborene und ihre Mütter – die Ausbildung in Deutschland wird dieser Verantwortung bislang nicht gerecht.
Hannover

In allen EU-Mitgliedsstaaten findet die Hebammenausbildung an Hochschulen statt. Außer in Deutschland – noch. Denn nun steht auch hier eine Reform der Berufsausbildung an. Spätestens bis Mitte Januar 2020 muss die Ausbildung akademisiert worden sein, so verlangt es eine EU-Richtlinie. Der niedersächsische Hebammenverband hat daher die Landesregierung aufgefordert, die Richtlinie zügig umzusetzen.

Der Verband hat dabei schon seit geraumer zeit konkrete Vorstellungen entwickelt. „Wir fordern das Land auf, möglichst schnell an vier Hochschulen Hebammenstudiengänge zu schaffen. An den Standorten Hannover, Göttingen-Hildesheim, Osnabrück und Oldenburg sollten duale Studiengänge mit jeweils 40 Plätzen pro Jahr eingerichtet werden“, sagt die Vorsitzende Veronika Bujny. Bereits mit der Vorgängerregierung habe der Verband ein „relativ klar formuliertes Konzept“ zur Akademisierung erarbeitet: „Das ist aber offenbar wieder in der Schublade verschwunden. Wenn nicht bald etwas passiert, wandern noch mehr potenzielle Studienanfänger in die anderen Bundesländer ab und der Hebammenmangel in Niedersachsen wird sich weiter verschärfen.“ Eine Entscheidung, ab wann neue Hebammenstudiengänge etabliert werden können, sei noch nicht getroffen, heißt es auf Nachfrage beim Sozialministerium des Landes. Es ist lediglich von einer „zeitnahen Umsetzung“ die Rede.

Hebammenmangel im Land könnte sich weiter verschärfen

Bislang gibt es nur in Osnabrück ein Aufbaustudium für Hebammen. Dort werden pro Jahr rund 45 Studenten zugelassen. „Das deckt bei Weitem nicht den Bedarf“, weiß die Vorsitzende. Bujny kritisiert, dass dem Land zwar seit 2013 klar sei, dass die Hebammenausbildung, die bislang in Schulen stattfinde, in die Hochschulen verlagert werden solle. „Doch es fehlen bislang konkrete Schritte. Niedersachsen muss aufs Gas treten, sonst ist es zu spät“, warnt die Expertin. Andere Bundeslänger, wie Hessen. Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen hätten bereits entsprechende Studiengänge, Bremen und Hamburg seien auf „einem guten Weg“.

Einzelfall: Praktisch in ganz Europa läuft die Hebammenausbildung an Hochschulen – lediglich in Deutschland werden Hebammen nach wie vor überwiegend an Schulen ausgebildet. Quelle: dpa

Auch weil sich das Land vor einigen Jahren gegen einen Modell-Studiengang für Hebammen entschieden habe, hinke Niedersachsen stark hinterher, erklärt Bujny. Die Vorsitzende hofft im Frühjahr endlich auf einen Durchbruch der Verhandlungen am Runden Tisch.

Dieser wurde im vergangenen Oktober ins Leben gerufen und hat bisher dreimal getagt. Neben dem Wissenschaftsministerium sitzt auch das Sozialministerium mit am Runden Tisch. Bujny: „Es führt schließlich kein Weg an der Akademisierung der Hebammenausbildung vorbei. Doch jeden Monat, den das Land nicht reagiert, hat Folgen. Es wird ein Gedränge um Fachkräfte geben. Professoren und Dozenten für Hebammenwesen fallen ja nicht so einfach vom Himmel. Wer da zu lange wartet, hat am Ende das Nachsehen und kann Professuren schlicht nicht besetzen.“

Was Hebammen die Arbeit erschwert

Nach Auskunft des Hebammenverbandes werden von den rund 2300 Hebammen in Niedersachsen, deutschlandweit gibt es rund 24 000, in den nächsten acht Jahren ein Viertel in den Ruhestand gehen. Das sei vor allem auch deshalb fatal, weil diese Hebammen derzeit meist in Vollzeit arbeiten, jüngere Kolleginnen hingegen lieber in Teilzeit, so Veronika Bujny. Der Mangel führe zu unattraktiven und zum Teil unzumutbaren Arbeitsbedingungen in den Kliniken, aber auch in der Vor- und Nachsorge.

Viele Kolleginnen in den Kreißsälen hätten Sorge, dass ihnen unter dem großen Arbeits- und Zeitdruck Fehler unterliefen und gäben sogar ihren Beruf auf. In fast allen hannoverschen Geburtshilfekrankenhäusern mussten in den vergangenen Monaten immer wieder Kreißsäle wegen Personalmangels vom Rettungsdienst abgemeldet werden. Bujny: „Nicht mal ein Stellenschlüssel von einer Vollzeit-Hebamme auf 100 Geburten im Jahr, der schon schlecht genug ist, kann in Niedersachsen noch aufrechterhalten werden.“ Vor Jahren hätten schon die unzumutbar hohen Haftpflichtprämien viele Hebammen zur Aufgabe ihres Berufes gezwungen. Die Vorsitzende fordert, jetzt müssten Kliniken und Landesregierung alles daran setzen, die noch funktionierenden Geburtshilfe-Abteilungen zu unterstützen und womöglich Hebammen, die schon aufgegeben hätten, über Prämien und bessere Bezahlungen wieder zurückzuholen.

Von Britta Lüers

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