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Meine Stadt Panne bei Razzia: Einsatzkommando trat falsche Tür ein
Hannover Meine Stadt Panne bei Razzia: Einsatzkommando trat falsche Tür ein
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09:26 11.05.2019
Geschockt: Lennart D. (18) und seine Freundin Sonja S. (19) zeigen die demolierte Tür. Sie wurden von der Polizei irrtümlich überwältigt. Quelle: Petrow
Hannover

Ein großer Schlag gegen die Organisierte Kriminalität gelang der Polizei am Mittwoch in Hannover. Nach einer Razzia in 57 Wohnungen in Stadt und Region konnten unter anderem kiloweise Drogen und Waffen sichergestellt werden.

Leider verbarg sich nicht hinter jeder Tür, die die Beamten im Morgengrauen aufbrachen, ein Verdächtiger. So etwa im Fall von Familie D. aus der Oststadt. Bei ihnen hatte sich das Sondereinsatzkommando schlichtweg in der Tür geirrt.

Familie vermutete Einbrecher vor der Tür

Andrea D. schreckt aus dem Schlaf. Ein lautes Rumsen hat sie geweckt. Verwundert blickt sie auf den Wecker. 6 Uhr morgens. Erneut rumst es an der Tür. Auch ihr Sohn Lennart (18) ist bereits wach und in den Wohnungsflur gerannt. „Ich habe dunkle Gestalten hinter dem Türfenster gesehen und dachte, Einbrecher wollen rein“, schildert Lennart. Als seine Mutter Licht im Flur macht, gibt es von draußen ein Riesengeschrei: „Öffnen sie die Tür!“, schreit jemand von draußen. Dann rummst es erneut und die Scheiben der Tür gehen zu Bruch.

Einsatzkommando überrumpelt die Familie

Andrea D. versucht noch die Tür aufzuschließen, da fliegt sie bereits auf. „Fünf oder sechs bewaffnete Polizisten mit Helmen und Masken stürzten rein. Ich wurde ins Bad gedrängt.“ Ihr Sohn (18), der in Schlafsachen auf dem Wohnungsflur stand, wird angeschrien: „Auf den Boden!“ Auch seine Freundin, die hier übernachtet hat, muss sich auf dem Teppich legen. „Ich wollte noch die Polizei rufen“, erzählt Sonja S. (19) der NP. „Im ersten Moment war überhaupt nicht klar, wer hier gerade eingebrochen ist.“ Das Einsatzkommando stürmt weiter, durchsucht im Laufschritt alle Räume der Wohnung. Familie D. ist völlig überrumpelt.

„Ich habe gerufen: Was ist denn los?“, erinnert sich die 49-Jährige. „Einer der Beamten sagte etwas davon, dass die die Wohnung beschlagnahmt sei, der Sohn gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen habe. „Reagieren konnte ich darauf nicht, ich war zu erstarrt.“

Polizisten bemerken Irrtum und verschwinden wieder

Doch so schnell wie es gekommen war, verschwand das Einsatzkommando auch wieder. „Der sieht aber gar nicht so aus, wie auf dem Bild“, soll laut Andrea D. einer der Beamten gesagt haben. Dann hieß es „Abbruch“ und die Polizisten verschwanden wieder. „Plötzlich standen wir wieder alleine in der Wohnung, in Schlafanzügen und völlig platt. Sagen konnte erstmal keiner etwas“, erinnert sie sich.

Polizei entschuldigt sich für die Verwechslung

Erst zwanzig Minuten später habe eine Beamtin in zivil geklopft, die Sache aufgeklärt. „Sie entschuldigte sich tausendmal, erklärte es habe sich um eine Verwechslung gehandelt. Man wollte einen jungen Mann überraschen, der früher mal in dieser Wohnung gewohnt habe.“ Auf NP-Anfrage bestätigte das LKA den Fall: „Bei der versehentlich geöffneten Wohnung handelt es sich um die frühere Wohnung des eigentlich Betroffenen“, so Sprecherin Katrin Gladitz. Dieser sei inzwischen hausintern umgezogen –„ohne melderechtliche Ummeldung.“

Direkt im Anschluss an die „misslungene Razzia“ wiederholten die Beamten den Einsatz im anderen Stockwerk des Hauses – allerdings ohne die Wohnungstür gewaltsam zu öffnen. Offenbar reichte ein schlichtes Klopfen oder Klingeln. Sprecherin Gladitz erklärt: „Das natürlich auffallend laute Eindringen – und so auch die akustische erkennbare polizeilichen Maßnahme – führte zur Entscheidung der Beamten vor Ort, bei der unmittelbar danach lokalisierten Wohnung des Beschuldigten von einem gewaltsamen Eindringen abzusehen.“

Polizei übernimmt die Kosten für die Reparatur der Tür

Die Kosten für die Reparatur der kaputten Tür versprach man zu übernehmen. Ein Tischler hat sie auf Initiative des Vermieters inzwischen notdürftig repariert. Die neue Tür soll demnächst kommen.

Familie ist weiterhin geschockt und schläft schlecht

Zurückgeblieben ist jedoch der Schock, den die Familie zunächst verarbeiten muss. „Ich schlafe noch nicht wieder richtig gut, erwische mich, dass ich bei lauten Geräuschen zusammenzucke“, erzählt D. In der Familie spricht man seit Mittwoch andauern darüber – und natürlich mit Freunden. „Doch so richtig vorstellen kann sich dieses Gefühl wohl keiner“, sagt sie und schüttelt den Kopf. „Wenn man es nicht selbst erlebt hat.“

Die Entschuldigung der Polizei hat D. angenommen, dennoch fragt sie sich, ob der Fehler nicht vermeidbar gewesen sei. „Wir wohnen seit fünf Jahren in der Wohnung. Man hätte ja auch mal recherchieren können, ob die gemeldete Adresse noch stimmt – bevor man die Tür aufbricht.“

Übrigens: Wie das LKA mitteilte, wurden bei dem Großeinsatz in Hannover und der Region noch zwei weitere Wohnungstüren versehentlich „durch schlagartiges Eindringen geöffnet“. Laut Sprecherin Gladitz waren auch in diesen beiden Fällen melderechtliche Unstimmigkeiten die Ursache.

Von Simon Polreich

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