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Meine Stadt Drastischer Sparkurs bei Conti zeigt Wirkung
Hannover Meine Stadt Drastischer Sparkurs bei Conti zeigt Wirkung
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14:00 20.07.2009
Es geht wieder aufwärts beim Reifenbauer Continental.
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Hannover. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag bei 38,8 Millionen Euro. Im gesamten Halbjahr sorgte ein drastischer Umsatzeinbruchs allerdings für ein EBIT von minus 126,2 Millionen Euro, nach plus 912,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz sank in den ersten sechs Monaten um fast ein Drittel auf rund 9 Milliarden Euro. Der detaillierte Quartalsbericht wird am 30. Juli veröffentlicht.

Die Conti-Aktie reagierte am Montag mit einem Kurssprung und stieg bis zum Mittag um rund 12 Prozent auf fast 27 Euro. Händler führten dies auch auf einen Medienbericht zurück, nach dem Conti mit kuwaitischen Investoren über einen Einstieg bei dem Unternehmen spricht.

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Wie die „WirtschaftsWoche“ berichtete, nahmen kuwaitische Investoren Kontakt mit Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann auf. Mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU) sollen sich die Investoren bereits in Hannover getroffen haben, um die politische Machbarkeit eines Einstiegs bei Conti zu beleuchten. Wulff spielt auch im Übernahme-Poker zwischen Porsche und VW eine wesentliche Rolle.

Conti legte am Montag überraschend Eckpunkte für das zweite Quartal vor, zehn Tage früher als geplant. Der hoch verschuldete Konzern wollte damit auch Stärke bei den laufenden, schwierigen Fusionsverhandlungen mit Großaktionär Schaeffler demonstrieren. Am 30. Juli kommt der Conti-Aufsichtsrat zu einer möglicherweise entscheidenden Sitzung zusammen.

Ein Schaeffler-Sprecher in Herzogenaurach sagte zu den Quartalszahlen: „Wir begrüßen die positive Entwicklung der Continental AG im zweiten Quartal und hoffen, dass es dem Management gelingt, das Ergebnis in den Folgequartalen weiter zu verbessern.“

Conti hatte im ersten Quartal beim EBIT noch einen Verlust von 165 Millionen Euro verbucht. Der früher erfolgsverwöhnte Konzern hatte wegen der schweren Branchenkrise das größte Kostensenkungspaket seiner Geschichte aufgelegt und Werke dicht gemacht. Die Zahl der Beschäftigten sank seit September 2008 weltweit um 16 000 auf derzeit rund 133 000.

Im Poker mit Schaeffler über die künftigen Strukturen will Conti- Chef Neumann dem Aufsichtsrat am 30. Juli verschiedene Zukunftsszenaren präsentieren. „Wir gehen auch weiterhin davon aus, dass in der kommenden Aufsichtsratssitzung eindeutige Weichenstellungen für die Zukunft der Continental getroffen werden.“ In einem Brief an die Mitarbeiter drängte Neumann auf eine Lösung: „Continental braucht Entscheidungen, eine Strategie für die Zukunft und eine klare Perspektive.“ Die Situation sei ausgesprochen komplex.

Als eine Option gilt, dass Conti das operative Geschäft von Schaeffler übernimmt, wie es im Konzernumfeld heißt. Eine weitere Option ist, dass Conti eigenständig bleibt. In diesem Fall gilt eine Kapitalerhöhung als möglich. Das Familienunternehmen Schaeffler dagegen verhandelt Medienberichten zufolge mit seine Gläubigerbanken über eine neue Finanzierung. In Konzernkreisen werden aber Berichte zurückgewiesen, Schaeffler spiele auf Zeit.

Conti und Schaeffler drückt eine Schuldenlast von jeweils mehr als zehn Milliarden Euro. Schaeffler hält knapp die Hälfte der Conti- Aktien und hat weitere 40 Prozent bei Banken geparkt. Durch die Übernahme der weitaus größeren Conti war das Familienunternehmen in eine finanzielle Schieflage geraten. lni