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Meine Stadt Hannover: Skandal-Polizist als Beamter gefeuert
Hannover Meine Stadt Hannover: Skandal-Polizist als Beamter gefeuert
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14:41 23.10.2019
VERURTEILT UND ENTLASSEN: Torsten S. (hier beim Strafprozess im Amtsgericht 2017) hatte sich eine Vielzahl von Vergehen und Dienstverfehlungen zu Schulden kommen lassen. Quelle: Schaarschmidt
HANNOVER

Torsten S. (44) als „schwarzes Schaf“ der Bundespolizei Hannover zu beschreiben, wäre viel zu tief gestapelt. Am Mittwoch wurde der Polizeiobermeister im Verwaltungsgericht aus dem Beamtenverhältnis entfernt. Die Bundespolizeidirektion hatte die Disziplinar-Klage angestrengt. „Der Beamte hat sich mehr als disqualifiziert für den Polizeidienst“, urteilte Richterin Jutta Ihl-Hett. Torsten S. blieb der Verhandlung am Mittwoch fern.

Der Dienstherr hatte 24 Dienstvergehen im Zeitraum von 2012 bis 2015 gegen Torsten S. aufgelistet. In dem Verfahren schrumpfte die Liste auf zwölf Taten zusammen. Allein der Besitz von Kinderpornos reiche aus, um Torsten S. aus dem Dienst zu entfernen, sagte die Richterin.

Der Bundespolizist war 2017 im Amtsgericht Hannover zu einer Bewährungsstrafe von acht Monaten und drei Wochen verurteilt worden. Er hatte kinderpornografische Dateien perverster Art in seinem Besitz, gegen das Waffengesetz verstoßen und Gefangene in erniedrigender Weise fotografiert und mit rassistischen Sprüchen belegt.

Wegen des Besitz von Kinderpornos verurteilt

Im Februar 2015 lösten die Bilder von mutmaßlich misshandelten Gefangenen in der Bundespolizei-Wache am Bahnhof bundesweite Empörung aus. Torsten S. hatte sie einem befreundeten Kollegen geschickt.Die Gefangenen-Misshandlung hat es in Wahrheit nicht gegeben. Was blieb, war der menschenverachtende Blick eines Polizisten auf Gefangene.

Doch in der Verhandlung kamen noch viel mehr pikante Details des Dienstlebens des Torsten S. an den Tag. So hatte er während der Dienstzeit amouröse Stunden verbracht. Einmal saß ein Kollege im Wagen, während sich sein Kollege hinter ihm vergnügte. Im August 2013 legte er einem Anwärter in der Wache sein Genital auf die Schulter und hielt ihm die Dienstwaffe mit den Worten an den Kopf: „Nimm ihn in den Mund.“

Kollegen Waffe an den Kopf gehalten

Anwalt Ralf Jordan wollte die Entlassung des Beamten verhindern. In Bezug auf den Vorfall mit der Dienstwaffe sprach er von einer „Äquatortaufe“ für neue Kollegen. Bei anwesenden Polizisten im Gerichtssaal löste diese Sichtweise nur Kopfschütteln aus. Der Anwalt legte ein ärztliches Attest vor. Demzufolge leide sein Mandant unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Torsten S. sei im Alter von zwölf Jahren Opfer sexuellen Missbrauchs geworden. Er befinde sich seit 2016 in psychotherapeutischen Behandlung.

Doch darin konnte die 14. Kammer keine Milderungsgründe erkennen. „Die Angaben der Therapeutin sind ziemlich dürftig“, sagte die Richterin. Und trotz einer eventuellen Erkrankung sei der der „massive Vertrauenslust des Dienstherren und der Öffentlichkeit unumkehrbar“.

Frau hat sich getrennt

Es bleibt aber noch eine Frage: Die letzten beiden Beurteilungen des Beamten waren herausragend, 2010 und 2012 erhielt er Leistungsprämien. Wie konnte sich ein solcher Beamter innerhalb kürzester Zeit so verwandeln?

Seit 2015 ist der Beamte suspendiert, die Gehaltskürzung beträgt noch 15 Prozent. Von Frau und Kind lebt er getrennt. Auch hier gilt: der Vertrauensverlust ist unumkehrbar.

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Von Thomas Nagel

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