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Meine Stadt Digitalisierung: Wenn Lehrer wieder Schüler werden
Hannover Meine Stadt Digitalisierung: Wenn Lehrer wieder Schüler werden
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10:24 15.08.2019
Hannover: Eine Lehrerin schreibt an eine Schultafel im Mathematikunterricht einer 8. Klasse und blickt dabei auf ein Tablet.
HANNOVER

5:30 Uhr. Es dämmert schon. Ein typischer Morgen im Spätsommer. Viele Hannoveraner drehen sich ein letztes Mal im Bett um. Anderswo läutet das Klingeln des Weckers bereits den Tag ein. So auch bei ihnen: Während Lisa Weisbrich in ihrer Wohnung in der List vom vibrierenden iPhone geweckt wird, ertönt in Wettbergen bei Sibylle Polkowski das Programm von NDR 1 aus dem alten Radiowecker. Weisbrich ist erst sechs Monate im Beruf, Polkowski muss nur noch zwei Jahre arbeiten. Zwei Generationen. Beide tragen Brille, beide sind Lehrerinnen, beide stehen an unterschiedlichen Punkten in ihrer Karriere – und doch sehen sich beide mit der gleichen Aufgabe konfrontiert: die Forderung nach einem digitalisiertem Unterricht.

Wenn die Grundschullehrerin Weisbrich vor ihrer Klasse steht, wirkt es als wäre die Zeit stehen geblieben. Keine Spur von moderner Technik. Stattdessen eine grüne, vom letzten Wischen mit Kreideschlieren überzogene Tafel, rechts davon steht der Overheadprojektor. „Dass ich damit selbst noch mal arbeiten muss“, gibt die 27-jährige lachend zu, „damit habe ich während der Ausbildung auch nicht gerechnet.“ Zwar besitzt die Schule auch zwei Smartboards, „aber das Betriebssystem und die Programme sind so veraltet, dass ich damit gar nicht effektiv arbeiten kann.“ Allgemein fehle es an Infrastruktur für einen digitaleren Unterricht.

Förderungen in Milliardenhöhe

Hilfe verspricht seit dem Frühjahr die Politik. Nachdem sich Bund und Länder nach monatelangen Diskussionen zum „DigitalPakt Schule“ auf die Änderung des Grundgesetzes verständigt haben, hat nach dem Bundestag im Februar anschließend auch der Bundesrat der Verfassungsänderung zugestimmt. Seitdem ist klar: Förderungen in Milliardenhöhe. Niedersachsen sollen dadurch etwa 520 Millionen Euro für den Aufbau einer Digital-Infrastruktur an den Schulen zur Verfügung stehen – 470 Millionen vom Bund und weitere 50 Millionen aus der Landeskasse. „Unsere Leitidee ist, dass alle Schulen vom Digitalpakt profitieren sollen. Daher wird jede Schule einen Sockelbetrag von 30.000 Euro erhalten“, verspricht Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne.

Dass die Notwendigkeit zur Digitalisierung besteht, sieht nicht nur Weisbrich, sondern auch Polkowski so: „Die moderne Elektronik ist doch schon komplett im Alltag verankert.“ Aber Freudensprünge über die politische Einigung? Eher nicht. Beiden Lehrerinnen steht die Unsicherheit über die Planungen ins Gesicht geschrieben.

Wen kann ich bei Fragen um Hilfe bitten?

So sollen die zur Verfügung stehenden Gelder unter anderem zur Verbesserung der digitalen Vernetzung und für die Einrichtung von schulischem WLAN eingesetzt werden. Darüber hinaus soll davon auch notwendige Hardware finanziert werden, wie interaktive Tafeln, Displays, digitale Arbeitsgeräte sowie schulgebundene Laptops, Notebooks und Tablets. „Das sind tolle, wichtige Ansätze“, findet Weisbrich, aber: „Wer kümmert sich schlussendlich darum, dass das auch alles funktioniert? Wen kann ich bei Fragen um Hilfe bitten?“

Die 62-jährige Haupt- und Realschullehrerin Polkowski hat dabei mit viel grundlegenderen Problemen zu kämpfen: „Auf einer Skala von Eins bis Zehn ist mein Verständnis von der heutigen Technik eine klare Zwei“, erzählt sie lachend. Zwar betont Kultusminister Tonne, dass sich das Land auch um die Fort- und Weiterbildung von Pädagogen einsetzen will, Polkowski wirft das dennoch Falten auf die Stirn: „Ich alter Hase und auch viele Lehrkräfte, die in den 40ern sind und noch 20 Jahre arbeiten müssen, haben gar nicht das technische Know-how. Ich bin ja schon mit USB überfordert.“ Dennoch hat sie ein Smartboard in ihrem Klassenraum an der KGS Ronnenberg. Das nutze sie aber nur selten. „Maximal, wenn ich eine Video-Sequenz zeigen möchte“, schämt sie sich. Denn schon um das Gerät zum Laufen zu bringen, braucht Polkowski die Hilfe ihrer Schüler: „Da habe ich manchmal das Gefühl, da wird die Rolle Lehrer-Schüler getauscht.“

Zu viele Aspekte ungeklärt

Weisbrich steht für die neue Pädagogen-Generation. Sie hat schon an Schulungen zu digitalen Medien teilgenommen – auch im Studium. Dennoch hat auch sie Probleme: zu viel Theorie. „Was wir unseren Schülern irgendwann praktisch beibringen sollen, lernen wir nicht mal selber praktisch.“ Für die junge Lehrerin müsste dafür schon im Lehramts-Studium angesetzt werden. Dort würde die Technik zwar schon genutzt, aber: „Es wird nicht das Potenzial der Lehrmethoden ausgeschöpft, wie diese im praktischen Unterrichtseinsatz genutzt werden können.“

Wenn sie gedankenversunken ihre Brille richtet, ist ihr anzumerken, dass sie ahnt, welche Hürden auf sie zukommen. Zu viele Aspekte scheinen ungeklärt. Polkowski nimmt dagegen ihre Brille ab. Zweifel schlagen in Nüchternheit um: „Ich gehe in zwei Jahren in den Ruhestand. Mal gucken, was passiert.“

Von Jens Strube

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