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Meine Stadt „Digital Youth“-Kongress: Das ist die Generation Z
Hannover Meine Stadt „Digital Youth“-Kongress: Das ist die Generation Z
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20:37 14.06.2019
DAS SMARTPHONE GEHÖRT DAZU: Jugendliche leben in einer digitalen Welt. Teilweise mehr als in der realen Welt, sagen Wissenschaftler. Quelle: dpa
Hannover

Das Internet hat die Welt verändert, das Smartphone unseren Alltag. Doch was bedeutet es besonders für junge Menschen, immer und überall online sein zu können? Wie verändert sich ihre Art zu kommunizieren oder Kontakte zu pflegen? Darüber hat die NP auf dem „Digital Youth“-Kongress in Hannover mit internationalen Wissenschaftlern gesprochen.

Lesen Sie hier:
„Digital Youth“-Initiator und Erziehungswissenschaftler Boris Zizek aus Hannover im NP-Interview über Chancen und Risiken der digitalen Herausforderung

Kontakte: „Fühle mich immer allein“

Eine 14-Jährige baut eine Freundschaft mit einem 17-Jährigen auf. Digital. Sie vertraut ihm Geheimnisse an, schickt ihm Bilder von sich. Sie wundert sich, dass er nie selbst Fotos schickt. Irgendwann trifft sie ihn. Und es steht ein 70-Jähriger vor ihr. Das Mädchen hat das Gefühl, eine Freundschaft verloren zu haben. Dabei hat die nie existiert. Sie weint zwei Tage lang.

Dieses Beispiel ist die Geschichte der Tochter einer Bekannten des Schweizer Pädagogens Fritz Oser. Gemeinsam mit seinem Kollegen Horst Biedermann, ebenfalls Professor für Pädagogik in der Schweiz, hat er das Phänomen der virtuellen Einsamkeit untersucht. Die Ergebnisse haben die Wissenschaftlicher jetzt auf der Digital Youth Konferenz in Hannover vorgestellt.

Fritz Oser hat auf der „Digital Youth“-Konference in Hannover einen Vortrag über virtuelle Einsamkeit gehalten. Quelle: Privat

So sind sie bei einer empirischen Befragung von Jugendlichen zu dem Ergebnis gekommen, dass jeder vierte jugendliche Internetnutzer Computer-Einsamkeit erfährt und von Internetbeziehungen enttäuscht ist. 24 Prozent der Jugendlichen stimmten der Aussage zu: „Ich bin mit vielen Menschen im Internet vernetzt, aber ich fühle mich immer allein.“ 28 Prozent gaben an, eine enge Beziehung zu vermissen. Im Gegensatz dazu gab die Mehrheit der Befragten an, Freundschaften in der realen Welt leichter aufbauen zu können.

„Eines der zentralen Probleme von Internet-Beziehungen ist, verbunden zu sein und nicht zu wissen, mit wem“, so Oser. So könnten virtuelle Freunde auch nicht auf Notsituationen reagieren oder körperlich anwesend sein – etwa zum Trösten. Zudem nehme einerseits die Internet-Kommunikation immer mehr zu, gleichzeitig gebe es aber eine Abnahme von Qualität in der Kommunikation.

Auch für die Entwicklung von sozialen Fähigkeiten von Jugendlichen ist das ein Problem: „Gerade die Fähigkeit der sozialen Perspektivübernahme kann sich nur in engen Beziehungen vollziehen.“ Aber: „Freundschaft kann sowohl im Internet als auch in der Realität erfahren werden. Und in beiden gibt es auch Einsamkeit.“ Nur dass Internet-Freundschaften oft zu Desillusionen führten – und damit zu verlorener Hoffnung.

Konsum: Im digitalen Einkaufcenter

Junge Menschen chatten nicht nur auf ihrem Smartphone, sondern shoppen auch. Das verändert den Markt, sagt die südkoreanische Verbraucherwissenschaftlerin Jong-Youn Rha auf der „Digital Youth“-Konferenz. Sie hat den Einfluss von Sozialen Medien auf das Konsumverhalten von jungen Menschen untersucht.

Die südkoreanische Verbraucherwissenschaftlerin Jong-Youn Rha Quelle: Privat

Händler könnten Jugendliche jetzt direkt erreichen, müssten nicht mehr den Umweg über ihre Eltern gehen. Und junge Konsumenten könnten gleichzeitig aktiver am Markt teilnehmen. Das berge Risiken. Rha erzählte von einem Fall, in dem ein Tabak-Hersteller einen Blogger für das Bewerben einer E-Zigarette gewonnen hat. Für die Follower war nicht erkennbar, dass es sich bei dem Post um Werbung handelte. „Für die Follower erschien es glamourös, mit einer Zigarette zu posieren – so wie ihr Vorbild es tat.“

Studien belegten, dass sich junge Menschen durch solche Effekte zunehmend genötigt fühlen, angesagte Marken zu konsumieren. Und andere zu beeinflussen, dasselbe zu tun. Ein Teufelskreis, sagt Rha: „Durch die Vernetzung via Social Media ist es auch einfacher geworden, sich nicht nur von großen Influencern beeinflussen zu lassen, sondern auch seine eigenen Follower zu beeinflussen.“

Sie ist überzeugt, dass nicht nur digitale Medien die jungen Menschen verändern – sondern diese auch den Markt. Unternehmen würden sich immer mehr auf diese Generation Z einstellen, also jene, die in den 2000ern geboren wurden.

Kommunikation: Geteilte Aufmerksamkeit

Soziale Medien erfüllen vor allem einen Zweck: Kommunikation. Und die ist ein Grundbedürfnis der Menschen – das digitale Medien ideal befriedigen können, sagte Gesellschaftswissenschaftlerin Vera King (59) bei ihrem „Digital-Youth“-Vortrag.

Gesellschaftswissenschaftlerin Vera King Quelle: Uwe Dettmar

„Weit weg von Zuhause möchten wir uns trotzdem nah dran fühlen. Und Zuhause möchten wir Zugang zu Menschen weit weg haben“, so King. „In manchen Situationen ist unser Smartphone die einzige Möglichkeit, mit unserer Heimat verbunden zu bleiben.“

Vorteile habe die digitale Kommunikation also. Aber: „Tendenziell werden die durch die Digitalisierung entstehenden Veränderungen heruntergespielt“, so King. Zum Beispiel, dass die echte Kommunikation durch die digitale Kommunikation verdrängt werde. Und dass gesteigerte Onlinenutzung die Aufmerksamkeit reduziere, die wir realen Menschen widmeten.

„Nachrichten in der Gegenwart von anderen Menschen zu beantworten, wird immer normaler“, so King über die geteilte Aufmerksamkeit. Und: „Das Smartphone ist bei Jugendlichen immer dabei. Vom Aufstehen bis zum Schlafengehen“, stellt King fest. „Online-Verbindungen dominieren die Offline-Welt.“

Das ginge so weit, dass selbst Eltern ihren Kindern zu wenig Aufmerksamkeit schenkten. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder Ess- oder Schlafstörungen entwickeln.

Hinzu komme eine regelrechte Sucht, alles mit seinen Kontakten zu teilen.. „Likes und Follower bestimmen das Selbstwertgefühl der Jugendlichen“, erklärt King. „Da nicht mitzuziehen bedeutet im schlimmsten Fall, ausgeschlossen zu werden.“

King stellt eine These auf: Die Offline-Welt werde zum Materialversorger für die Online-Welt degradiert. In Kings Studie veranschaulichte das eine befragte Jugendliche: „Ich habe einen innerlichen Druck, überall wo ich bin, nach Material zu suchen, das ich gut posten und mit meinen Followern teilen könnte.“ Das ist die neue Art von Kommunikation unter Jugendlichen.

Von Josina Kelz

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