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Meine Stadt Dieser Käfer stoppt die Fällung
Hannover Meine Stadt Dieser Käfer stoppt die Fällung
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11:14 24.06.2014
Von Andreas Voigt
Quelle: Rainer Droese
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Hannover

Eigentlich hätten die 145 morschen Bäume der historischen Lindenallee im Berggarten schon längst gefällt werden sollen. Doch dann stoppten Hinterlassenschaften des in Deutschland extrem gefährdeten Juchtenkäfers das Vorhaben. Seither ruht die Fällung. Und auch die Lindenallee blieb weiter gesperrt: Biologen suchten über Wochen fieberhaft nach Spuren des Käfers.

Gestern endlich die Entdeckung: Biologe Peter Sprick befestigte gerade seine Insektenfallen, da lief ihm ein Prachtexemplar des eher unauffällig braunschwarz glänzenden Juchtenkäfers buchstäblich vor der Nase die Baumrinde entlang. Glück auch für die NP: Der seltene Käfer krabbelte just in dem Augenblick über die Rinde, als Fotograf Rainer Dröse Bilder machte von der Arbeit des Biologen in der Lindenallee, die seit Wochen dicht ist. Weil Holzfäule in den rund 300 Jahre alten Bäumen eine Gefahr für Spaziergänger darstellt – und eben wegen der Suche nach dem Käfer. Biologe Sprick stellte gestern insgesamt zwei Baum- und vier Bodenfallen auf, um weiteres Tierleben in der Allee zu finden. Dabei hoffte er bereits auf aus Biologensicht Sensationelles.

Denn man habe nicht nur endlich den Juchtenkäfer gefunden, sondern darüber hinaus Spuren von zwei weiteren „großen Käfer-Raritäten“ entdeckt. Zum einen handelte es sich um Larven des sogenannten „Feuerschmieds“, mit über zwei Zentimetern einer der größten und auffälligsten einheimischen Schnellkäfer, zum anderen um Exemplare und Larven des noch selteneren „Crepidophorus mutilatus“. „Das ist ebenfalls ein Schnellkäfer, für den es noch keinen deutschen Namen gibt, so selten ist er“, berichtete Peter Sprick. Bekannt ist, dass die schwarzen, nachtaktiven Käfer bis zu 18 Millimeter lang werden.

Der Biologe wird nun weitere Bäume nach den seltenen Käferarten absuchen und alle drei Wochen die Insektenfallen kontrollieren. Parallel lässt die Stadt nach geeigneten Umsiedlungsorten für die Käfer suchen. „Wir planen, dass wir die Allee im Winterhalbjahr erneuern können. Nach der Pflanzzeit im Frühjahr 2015 wird die Allee wieder geöffnet sein“, sagte eine Stadtsprecherin. Für Monate bleibt die Lindenallee deshalb gesperrt – durch 1,50 Meter hohe Absperrzäune aus Metall.