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Meine Stadt Diese kleinen Geschäfte sind in Hannover erfolgreich
Hannover Meine Stadt Diese kleinen Geschäfte sind in Hannover erfolgreich
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00:21 22.03.2018
Birgit Nerenberg hat bereits aus vielen kleinen auch große Leser gemacht. Darauf beruht der Erfolg der „Sternschnuppe“. Quelle: Behrens
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Hannover

Kleine Leser greifen zur „Sternschnuppe“

Man muss nicht im Stadtteil Buchholz wohnen, um die „Sternschnuppe“ zu kennen. Aber wenn man dort lebt und wenn man Kinder hat, ja, dann kennt man eben auch diesen Buchladen. Und das ist der Verdienst der langjährigen Inhaberin Birgit Nerenberg (61), die seit April 2016 noch als Angestellte für den neuen Chef Konrad Baumer (60) arbeitet. „Mit ihrer Kompetenz im Kinder- und Jugendbuchbereich hat sie dem Laden eine gewaltige Reputation verschafft, wir haben ein großes Stammpublikum“, sagt Baumer. Kinder und Jugendliche drücken es anders aus: „Guck mal, da ist die Mutter von Sternschnuppe“, erzählt Nerenberg lachend über solche Sätze, die sie über sich gehört hat. Die „Mutter“ besucht mit ihrem Lesekoffer noch heute regelmäßig Kitas und Grundschulen und begeistert Klein, Größer und Groß mit den Geschichten. Was Baumer auch ganz praktisch sieht. „Das kostet natürlich erst einmal, aber so bekommen wir auch das Publikum von morgen.“

Birgit Nerenberg hat auch Tipps für NP-Leser: „Kirschendiebe oder Als der Krieg vorbei war“ (Anke Bär), „Pipikack“ (Stephanie Blake), „Die Prinzessin in der Tüte“ (Robert Munsch).

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Dem süßen Geheimnis auf der Spur

Wenn ein  Geschäft über Jahrzehnte läuft, dann spielen mehrere Faktoren zusammen. Das weiß Sabine Güse genau. „Hinter jedem Betrieb steht eine Person, die interessiert und kreativ sein, die die Produktion genau kennen muss“. Kurz: die den Laden am Laufen hält.

Bei Trüffel Güse ist das Sabine Güse, die „ganz große Freude am Beruf“ hat. Die feine Schokoladenmanufaktur gibt es bereits seit 1921, und in der Südstadt wird noch immer jede einzelne Trüffel handgeschöpft. „Ohne Hohlräume, nur mit den besten Zutaten“, sagt Güse. „Wir sind die letzten Mohikaner, die noch ein handgefertigtes hannoversches Qualitätsprodukt vor Ort herstellen.“ Und sie bestätigt: Der Hannoveraner ist ein treuer Kunde – und Treue reicht trotzdem nicht. „Ich erfinde jeden Tag etwas Neues“, verrät sie. Vegane Ware? Kein Thema, „das machen wir seit Jahrzehnten“. Allergiegeeignetes zum Naschen? „Wir haben köstliche Schokolade, da ist nur Zucker und Kakao drin, die kann jeder Allergiker essen.“ Was auch Sabine Güse umtreibt, ist die Verödung der Innenstadt durch Ketten, weil sich kleine Einzelhändler und Mittelständler die hohen Mieten in der City nicht mehr leisten können.  „Innenstadtlagen sind nicht mehr bezahlbar, das ist wirklich traurig.“ 

Am Lindener Marktplatz boomen die Kleinen

Während in manchen Stadtteilen die kleinen Geschäfte dem Druck des Internets nachgeben müssen und schließen, ist am Lindener Marktplatz das Gegenteil zu beobachten: Hier vergrößern sich die Geschäfte. Astrid Ries betreibt das „Hut Up“ – ein Spezialgeschäft für Hüte. Sie weiß, warum die kleineren Läden Erfolg haben: „Wir haben wirtschaftlich viel für den Standort getan, haben eine hohe Kundenbindung und vielfältige Geschäfte in Linden-Mitte.“ Auch der wöchentliche Markt trage zum Erfolg bei. „Der Stadtteil hat sich insgesamt gut entwickelt und ist eine homogene Geschichte geworden“, findet Ries.

Corinna Siever zieht mit ihrem Geschäft „Eins“ für Bio- und Fairtrade-Mode bald vom Lichtenbergplatz direkt an den Lindener Marktplatz und verdoppelt ihr Geschäft auf 50 Quadratmeter: „Da kann ich auch wieder mehr Herrenmode in das Programm nehmen. Auf den 25 Quadratmetern war das schwierig.“ Sie weiß den neuen Standort zu schätzen. „Da kommen insbesondere am Samstag auch die Leute aus anderen Stadtteilen zum Bummeln“, so Siever. Mit ihrer Geschäftsidee füllt sie eine Lücke: „Es gibt viele Läden für Fairtrade-Nahrung, aber kein Geschäft für Fairtrade-Kleidung. Dabei gibt es dort eine hohe Nachfrage.“ Die Lindener unterstützen die kleinen Einzelhändler, glaubt sie. „Sie freuen sich, wenn sie nicht extra in die volle Innenstadt müssen.“

Die Goldschmiede Aurix war als eins der ersten Einzelhandelsgeschäfte vor Ort. Susanne Nöhren betreibt den Laden seit 24 Jahren. Sie weiß genau, warum sie bis heute geblieben ist. „Wir sind sehr kundenfreundlich und gut vernetzt. Es besteht ein Zusammenspiel zwischen dem Einzelhandel und den Kunden“, sagt Nöhren. Außerdem sei das Lindener Volk sehr bodenständig. Das passe gut zusammen.

Mit Service immer die Nase vorn

Dass Einzelhandel kein Kinderspiel ist, ist Tanja Wohltmann durchaus bewusst. „Man braucht einen langen Atem, in der 130-jährigen Firmengeschichte gab es immer gute und schlechte Zeiten“, sagt die Chefin von sieben Angestellten des gleichnamigen Juweliers in der Lister Meile. Dass ihr Geschäft seit den besagten 130 Jahren besteht, ist natürlich ein Vorteil. „Je länger man dabei ist, desto mehr Stammkunden hat man.“ Zumindest die Kundschaft der älteren Generation sei sehr treu. Allerdings bietet dieses Geschäft auch einen Service, den kaum noch jemand leiste und den man auch nicht über das Internet bekomme. „Wir haben noch einen Uhrmacher und die Goldschmiede, wir können quasi von A bis Z alles im Hause machen.“ Sprich: Wer hier seine Uhr kauft, bekommt jederzeit auch die Reparatur umsonst. Wer sich hier beraten lässt, den Schmuck dann im Internet bestellt, muss diese Unart im Fall des Falles auch teuer bezahlen. 

Tradition und neue Ideen müssen her

Die Tradition spiele natürlich eine große Rolle, meint Friederike Koch (32), seit 2013 Chefin von Tee Seegers in der Karmarschstraße. „Es gibt uns seit 1743, und so sind wir mittlerweile das älteste Einzelhandelsgeschäft in Hannover.“ Man habe sich einen großen Kundenstamm aufgebaut und „viele Kunden, die uns seit langer Zeit kennen und nicht mehr in Hannover leben, lassen sich ihre Teesorten nachschicken“. Hannoveraner seien wirklich treue Kunden, freut sich die 32-Jährige. Ihr Großvater übernahm das Geschäft 1951 vom Familienbetrieb Seeger, sie stelle die dritte Generation.  Aber, auch das ist ihr klar, Tradition allein  reicht nicht, und so kommt eine weitere -tion-Endung dazu: die Innovation. Feine Süßigkeiten, neue, auch sommertaugliche Tee-Mischungen und besondere Geschenkartikel. „Seit zwei Jahren haben wir Hannover-Mischungen in nostalgisch anmutenden Dosen im Sortiment wie ,Beautiful Hannover’ oder ,Lindens Hannover’, das kommt gut an.“ 

Jeder verfügt statistisch über 23 000 Euro an Kaufkraft

Für die Broschüre „Trends und Fakten“ der Region Hannover sind für das Jahr 2017 interessante Daten ermittelt worden. Hier ein Ausschnitt:
Die Kaufkraft in der Region beträgt insgesamt 25,36 Milliarden Euro. Diese Summe entspricht einer durchschnittlichen Kaufkraft von rund 23 000 Euro pro Einwohner und liegt damit 3,4 Prozent über der durchschnittlichen Kaufkraft in Deutschland. Auch bei der Einzelhandelskaufkraft schneidet die Region Hannover im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich ab: etwa 6000 Euro pro Einwohner und 4,5 Prozent über dem bundesdeutschen Durchschnitt.
Mit 69 300 Euro je Erwerbstätigen und 40 500 Euro je Einwohner liegt das Bruttoinlandsprodukt in der Region deutlich über dem Landes- und Bundeswert. Auch die Bruttowertschöpfung als Gesamtwert aller produzierten Waren und Dienstleistungen ist sowohl pro Erwerbstätigem als auch pro Einwohner im Vergleich zu Niedersachsen und Deutschland höher.
Fast 51 000 Unternehmen sind in der Region Hannover angesiedelt, darunter mehr als 44 000 Kleinstbetriebe (bis zu neun Beschäftigte) und 237 Großbetriebe mit mehr als 250 Beschäftigten.
Außerdem: 27 der 100 umsatzstärksten Unternehmen Niedersachsens sowie 22 der 50 wertschöpfungsstärksten Firmen Niedersachsens haben ihren Sitz in der Region Hannover.