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Meine Stadt Diese Kita-Erzieher sagen, warum sie es gar nicht so einfach haben
Hannover Meine Stadt Diese Kita-Erzieher sagen, warum sie es gar nicht so einfach haben
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10:00 12.06.2019
Besuch in der Kita "Haus Kunterbunt": Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, Kultusminister Grant Hendrik Tonne und Ministerpräsident Stephan Weil. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Es ist 14 Uhr, als Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) in der Kita Kunterbunt eintrifft. Die Kinder der Kita im Stadtteil Groß-Buchholz versammeln sich aufgeregt neben dem Geländer – ebenso wie die Erzieher. Kein Wunder: Immerhin bringt Giffey gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) und Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) gute Nachrichten mit. Künftig gibt es mehr Geld für frühkindliche Bildung. Insgesamt greift der Bund Niedersachsen mit 526 Millionen Euro unter die Arme.

„Hier wird die Grundstein für eine erfolgreiche Bildungskarriere gelegt“, betonte Giffey am Dienstagmittag. Es sei deswegen der richtige Weg, dass der Bund die Länder mit dem „Gute-Kita-Gesetz“ unterstütze. Bis 2022 profitieren die Länder von der Finanzspritze, danach läuft die Zahlung aus.

Bei den Grünen und der FDP in Niedersachsen löst das Kritik aus. Julia Willie Hamburg, bildungspolitische Sprecherin der Grünen, bemängelte, dass die Landesregierung in der frühkindlichen Bildung nur ein zeitlich befristetes Projekt sehe und sich von einer Übergangslösung zur nächsten hangele. Auch Björn Försterling (FDP) macht deutlich: „Für die Zeit danach gibt es keinen Plan.“ Nötig sei ein langfristiges finanzielles Konzept und eine gesetzliche Verankerung der dritten Kraft.

Kritik, die Giffey trifft. Sie werde sich dafür einsetzen, dass die finanzielle Unterstützung auch nach 2022 weiterlaufe, sagt sie mit lauter Stimme. Es handele sich bei der Chancengleichheit um einen tiefen sozialdemokratischen Ansatz. Bei der Umsetzung werde sie weiterhin „penetrant sein“, so Giffey.

Geht es nach Weil, ist das Bundesgeld ein wichtiger Schritt. Es sei nach der Abschaffung der Kitabeiträge im vergangenen Jahr nun möglich, in die Qualität zu investieren und mittels einer dritten Kraft einen besseren Betreuungsschlüssel zu erreichen.

In der Kita Kunterbunt wächst indes die Hoffnung. Darauf, dass die Arbeit künftig leichter wird.

„Die Kinder sagen kaum noch Danke oder Bitte.“

Martina Brantl (55) ist seit 33 Jahren Erzieherin. Sie leitet die evangelisch-lutherische Kindertagesstätte Frieden in der Südstadt.

Erzieherin Martina Brantl Quelle: Wilde

„Noch vor zehn Jahren war das Familienbild ein anderes. Früher wurde viel in der Familie gemacht, sodass ein Wir-Gefühl entstand und der andere wertgeschätzt wurde. Heute müssen beide Elternteile arbeiten gehen, da bleibt wenig gemeinsame Zeit.

Im Sozialverhalten fällt auf, dass die Kinder kaum noch ,Entschuldigung', ,Danke' oder ,Bitte' sagen. Früher waren die Kinder auch in ihrem sozialen und motorischen Fähigkeiten sicherer. Das liegt zum einen an der vermehrten Mediennutzung, aber auch an den Helikopter-Eltern, die ihr Kind viel beschützen wollen und dadurch das kognitive Denken im Vordergrund steht. Die Kinder gehen nicht mehr so viel raus und haben wenig Zeit für sich, stattdessen haben sie viele Termine, gehen zum Sport und in den Musikunterricht. Auffällig ist, dass Kinder aus der Krippe viele Kompetenzen mitbringen, da sie schon mit anderen Kindern gespielt haben. Sie können viele Sachen eher, gehen mit Streit anders um, können sich die Jacke zumachen.

Für uns bedeuten die Veränderungen einen größeren Aufwand, die Kinder brauchen mehr Unterstützung und mehr Motivation als früher. Sie können sich weniger alleine beschäftigen und sind unruhiger. Aber es gibt auch positive Aspekte: Das Gesundheits- und Ernährungsbewusstsein ist zum Beispiel gestiegen, die Zahnhygiene ist viel besser als vor einigen Jahren.“

„Viele sind schon nach kurzen Wegen ermüdet“

Stefanie Schulze (39) ist seit 18 Jahren Erzieherin und leitet das Familienzentrum St. Godehard der Caritas Hannover in Linden-Süd.

Stefanie Schulze Quelle: Frank Wilde

„Uns fällt in der Einrichtung auf, dass der Konsum von digitalen Medien immer mehr Raum einnimmt. Die Kinder kommen viel früher in Kontakt mit Handy, Tablet und Laptop. Das bringt viele positive, aber auch negative Auswirkungen mit sich. Zudem hat sich das Spielverhalten der Kinder verändert. In den Familien werden nicht mehr so häufig Gesellschaftsspiele gespielt. Dabei lernen die Kinder grade hierbei das Einhalten von Regeln, das Gewinnen oder Verlieren und strategisches Denkvermögen.

Auch sind die Helden der Kinder andere als noch vor einigen Jahren, allerdings bleibt eines dennoch gleich, denn immer siegt das Gute, und darauf kommt es an. Im motorischen Bereich merken wir bei Ausflügen immer wieder, dass die Kinder viel mit dem Auto, der Karre oder dem Radanhänger in die Kita gebracht werden. Sie kennen sich im Straßenverkehr nicht aus und sind schon nach kurzen Wegen ermüdet.

Für uns bedeutet das nur in einem gewissen Rahmen eine Veränderung. Wir holen die Kinder schon immer da ab, wo sie stehen. Das machen wir auch heute noch so, nur der Hintergrund, der Stand, wo wir sie abholen, ist ein anderer. In der Zusammenarbeit mit den Eltern gibt es eine große Veränderung. Wir begegnen unseren Eltern auf Augenhöhe, nehmen sie ernst und geben Raum für ihre Sorgen, Wünsche und Bedarfe.“

„Mit Handy in die Kita: Ein No-Go.“

Sabine Ringleb-Bell (54) ist seit 34 Jahren Erzieherin und leitet die paritätische Kindertagesstätte Nikolaas-Tinbergen-Weg in Roderbruch.

Sabine Ringleb-Bell Quelle: Frank Wilde

„Besonders häufig wahrnehmbar sind Verschlechterungen im motorischen Bereich, wie Klettern, Kraft und Gleichgewichtssinn. Aus diesen motorischen Defiziten ergeben sich in der Folge unter anderem Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung. Denn es gibt einen Zusammenhang von motorischer Geschicklichkeit und verbaler Ausdrucksfähigkeit. Wir stellen auch häufiger fest, dass Kinder, die mit drei Jahren zu uns in die Kita kommen, teilweise noch keine feste Nahrung zu sich nehmen können. Sie kommen entweder mit Fläschchen oder mit Schnuller in die Kita. Das war früher anders.

Ich beobachte diesen schleichenden Prozess, seitdem die Medien verstärkt in dem Alltag der Familien angekommen sind. Teilweise holen Eltern ihre Kinder mit dem Handy am Ohr ab, während sich die Kleinen anziehen. Das ist ein absolutes No-Go, das wir auch ansprechen.

Diese Entwicklungen müssen wir in der Kita auffangen. Wir bieten zum Beispiel verstärkt Bewegungsangebote im Innen- und Außenbereich an, da sich Kinder zu Hause nicht mehr so viel bewegen. Der Bildungsauftrag in der Kita wird immer bedeutsamer und bekommt immer wieder neue Facetten.“

„Wir müssen Kindern etwas zutrauen“

Sandra Gebhardt (45) ist seit 24 Jahren Erzieherin und leitet die Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt in der Südstadt.

Sandra Gebhardt Quelle: Frank Wilde

„Jede Generation Kinder ist anders, da gibt es durchaus Unterschiede, je nachdem, was die Gesellschaft als förderliche Kompetenzen betrachtet. Heute wird zum Beispiel eher auf die Rechte der Kinder geachtet, es geht um die Stärkung des sozial-emotionalen Miteinanders. Man kann sagen, dass die Gesellschaft als Gradmesser für die Entwicklung der kindlichen Kompetenzen steht.

Die Kinder sind zum Beispiel in der Grobmotorik ängstlicher als früher. Die Eltern haben viel mehr Sorgen, wollen die Kinder keiner Gefahr aussetzen und beaufsichtigen sie überall. Aus Elternsicht verstehe ich das, als Pädagogin sehe ich das anders. Wir müssen den Kindern etwas zutrauen, an ihren Stärken ansetzen und Impulse setzen.

Im Gegensatz zu früher soll jedes Kind individuell gesehen, gefordert und gefördert werden. Dies wird festgehalten in Bild und Schrift. Wir haben Beobachtungsverfahren, die an den Stärken der Kinder ansetzen, wir schreiben Lerngeschichten und dokumentieren ihren Bildungsprozess. Die Kinder werden heute vielmehr an Themen, die sie betreffen, beteiligt. Sie werden gefragt und dürfen mitbestimmen, so zum Beispiel bei der Beschaffung neuer Spielmaterialien oder welche Materialien sie in ihren Räumen benötigen, um sich weiter zu entwickeln.“

Von Mandy Sarti, Cecelia Spohn

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