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Meine Stadt Die neue Cebit in Hannover – ganz schön lässig
Hannover Meine Stadt Die neue Cebit in Hannover – ganz schön lässig
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00:18 15.06.2018
In dieser Cebit ist Musik drin: Am Abend gab es das erste große Konzert auf dem Außengelände. Erst rockten Giant Rooks, dann Mando Diao. Quelle: Fotos: Dröse / Gilgen
hannover

Neun Uhr morgens ist nicht die Zeit für die neue, hippe Zielgruppe der Cebit. Das wird am ersten Tag für Besucher am Dienstag doch sehr deutlich. Erst ab 14 Uhr wird es allmählich voller auf dem Messegelände. Von der sonst üblichen Messehektik ist jedoch nicht viel zu spüren – zumindest außerhalb der Hallen. „Drinnen ist Business as usual“, berichtet Jeannine Mayr aus Österreich. „Aber wenn man raus kommt, dann ist es doch sehr entspannt“, findet sie. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Elmar Rodler gönnt sich die 28-Jährige eine Portion asiatische Nudeln, im Hintergrund läuft Haddaways „What is Love“. Mit Musik aus den 90ern in eine neue digitalisierte Zukunft? Diese Frage lässt sich am ersten Cebit-Tag natürlich noch nicht beantworten.

Dem Eindruck nach ist es recht leer auf dem Gelände, doch das stört zumindest die Besucher wenig. Sie fühlen sich wohl, genießen den neuen Charakter auf dem Außengelände. „Früher war es alles schon sehr steif und irgendwie lieblos“, sagt Elmar Rodler. „So wie es jetzt ist, fällt das Netzwerken leichter, ist entspannter“, findet Jeannine, der auffällt, dass selbst die Namensschilder der Besucher zum neuen Konzept angepasst wurden. „Der Vorname ist doch deutlich größer als der Nachname geschrieben.“ Per Du zum großen Deal? Wer weiß.

Die Cebit versucht nach drei Jahrzehnten einen Neuanfang mit einem „Festival“-Format – am Dienstagabend spielten unter anderem Mando Diao.

Fest steht aber: das neue Konzept kommt an – auch bei Swantje Grundmann und Stefan Lenke aus Hamburg. „Nach sechs Stunden auf den Beinen ist das hier perfekt“, schwärmt Swantje, die in einem der zahlreichen Fatboys, einem prall gefülltem Sitzsack, entspannt – das Feierabendbier darf dabei natürlich nicht fehlen.

Lounge am Kröpcke

Endlich wieder Expo-Feeling in Hannover. Dieser Spruch, zu lesen am Kröpcke, dürfte zu dick aufgetragen sein. Aber auch die neue Lounge auf Hannovers zentralem Platz erfreut sich großer Beliebtheit, nicht nur bei den Messe-Besuchern. Mitten auf dem Kröpcke stehen diverse gepolsterte Palettenmöbel, dazu gibt es Streetfood-Angebote und Getränke. Peter Kurstedt aus Gehrden ist begeistert: „Wieso nutzt man den Platz nicht viel öfter für solche Zwecke“, fragt er. Wenn es nach ihm geht, könnte die „d!lounge“ immer dort stehen. Auch Wilfried Kretschmann aus Bredenbeck scheint es zu gefallen. Der 86-Jährige sitzt entspannt auf dem Palettensofa und blättert in einem Buch. „Ich habe davon in der Zeitung gelesen und wollte mir das direkt selber mal ansehen“, sagt der Rentner. „Dass mal wieder ein bisschen Schwung in die Cebit kommt, ist gut so“, findet er.

Ein Gefühl von Festival

Je später es wird auf dem Messegelände, umso skurriler die Stimmung - vor allem auf dem „d!campus“. Rund um das große Holzdach und das neue Wahrzeichen der Cebit, dem 60 Meter hohen Riesenrad, ist die alte Cebit endgültig Geschichte. Hier steht der Spaß im Mittelpunkt, Gedanken an Stress, Arbeit und Hektik verbieten sich, wenn man zwischen Bällebad, Liegestühlen und Festivalbühne flaniert. Bevor die schwedische Rockband Mando Diao am Abend loslegte, sorgten bereits ab 17 Uhr andere Gestalten für reichlich Lärm. Vier Roboter namens Compressorhead tischen harten Rock auf. Die Reaktionen der Besucher sind unterschiedlich. Während bereits einige tanzen, wirken andere eher befremdet. Ist das noch die Cebit hier?

Doch nach und nach überwiegt die Partylaune. Die Giant Rooks, eine junge Art-Pop-Band aus Hamm, lockert die Stimmung auf. Und dann kommt der erste Headliner des Cebit-Festivals. Mando Diao drehen ordentlich am Rad. Bei ihrem bekanntesten Song „Dance with Somebody“ singen selbst die Nerds mit.

Neun Uhr abends – das ist eher die Zeit der neuen, hippen Zielgruppe der Cebit.

Von Timo Gilgen