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Meine Stadt „Die Marienburg ist nicht marode“
Hannover Meine Stadt „Die Marienburg ist nicht marode“
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06:00 28.12.2018
KRITISIERT DAS GESCHÄFT MIT DEM LAND: Heinrich Prinz von Hannover will, dass die Marienburg Teil des Familienbesitzes der Welfen bleibt.
KRITISIERT DAS GESCHÄFT MIT DEM LAND: Heinrich Prinz von Hannover will, dass die Marienburg Teil des Familienbesitzes der Welfen bleibt. Quelle: Fotos: Dröse
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Pattensen

Für die Komödie des Jahres ging diese Geschichte ins Rennen. In den Hauptrollen: Erbprinz Ernst August (35) und sein Vater (64), der mit seinem ausschweifenden Lebensstil die Familie in ein finanzielles Chaos gestürzt haben soll. Der Senior hatte seinem Sohn bereits 2004 zum Schlossherren der Marienburg gemacht. Um den Stammsitz der Welfen, die als ältestes Adelsgeschlecht Europas gelten, ist seit vier Wochen ein böser Familienstreit entbrannt. Ausgang der Geschichte: weiter ungewiss.

Die erste Nachricht glich einem Paukenschlag: Der Erbprinz will die Marienburg für den symbolischen Betrag von einem Euro an das Land Niedersachsen verkaufen, hieß es. Spott und Häme, aber auch viel Kritik ließen nicht auf sich warten. Und über allem schwebte die Frage: Ist das Fürstenhaus, das einst den König von Großbritannien stellte, in Finanznöten?

Wollen im Geschäft bleiben: Ernst August von Hannover (links) und Kulturminister Björn Thümler. Quelle: Rainer Dröse

Das Vermögen der Welfen soll in den vergangenen Jahren zunehmend geschrumpft sein, wird immer wieder berichtet. Ein Grund soll sein, dass Ernst August senior mit seinem ausschweifenden Luxusleben viele Millionen verjubelt haben soll. Seinem Sohn wird die Rolle des Sanierers zugeschrieben. Er scheint in der Vergangenheit viel versucht zu haben, um den Trend aufzuhalten: 2004 ließ er Kunstschätze für 44 Millionen Euro versteigern, auch um Altschulden abzubauen. Er verkaufte das Gut Calenberg für mehrere Millionen Euro. Doch obwohl altes Vermögen abgestoßen wurde, schaffte es der Erbprinz offenbar nicht, neues Kapital aufzubauen. Er gründete mehrere Unternehmen, versuchte, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen – ohne Erfolg.

Und so nahm der Erbprinz bereits vor einigen Jahren Gespräche mit dem Land Niedersachsen über die Zukunft und den Erhalt der Marienburg auf. Denn, so gab der 35-Jährige öffentlich zu: Die Sanierungskosten der maroden Immobilie in Höhe von etwa 27 Millionen Euro würden seine finanziellen Möglichkeiten übersteigen. Das bekräftigte er auch in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Kulturminister Björn Thümler (CDU). Weil das Land das Schloss aus rechtlichen Gründen aber nicht kaufen darf, wird als offizieller neuer Besitzer die Liemak Immobilien GmbH auftreten, eine hundertprozentige Tochter der Klosterkammer.

Der Vater interveniert – wegen „groben Undanks“

Mitte Dezember folgte dann der nächste Paukenschlag: Ernst August senior ließ über seinen Anwalt erklären, dass der von seinem Sohn geplante Verkauf des Schlosses unwirksam sei. Wegen „groben Undanks“ forderte der Prinz das Familienschloss zurück, erklärte seine Schenkung für unrechtmäßig.

Die Verwirrung über die vorerst geplatzte Übernahme der Marienburg war groß, mehrere Politiker, darunter der Grünen-Abgeordnete Stefan Wenzel, forderten, das Geschäft endgültig zu stoppen. Kulturminsiter Thümler appellierte an die Welfen, ihren Konflikt beizulegen: „Das Haus Hannover muss das jetzt aufklären, so lange ruht die Angelegenheit.“ Das Land trete nicht als „Schiedsrichter“ in einem Familienstreit auf. Ernst August junior (35) blieb beharrlich, betonte, er wolle am Verkauf festhalten und sei erbrechtlich befugt.

Die Marienburg. Quelle: dpa

Doch mit seinen Verkaufsplänen zerrüttet der Erbprinz nicht nur weiter das Verhältnis zu seinem Vater. Auch sein Onkel, Heinrich von Hannover (57), hält nichts vom Verkauf der Marienburg. Der 57-Jährige, der einen kleinen Verlag in Göttingen führt, sagte: „Ich bin dafür, dass die Marienburg im Besitz der Welfen bleibt. Die Marienburg ist nicht in einem maroden Zustand. Diese Behauptung ist töricht.“ Obwohl der Deal zunächst auf Eis gelegt ist, geht Heinrich von Hannover fest davon aus, „dass das am Ende doch noch passieren wird“. Das Land Niedersachsen habe einen sehr guten Deal gemacht, sagte er: „Für mich als Welfe ist das kein schöner Tag.“

Alexander Prinz zu Schaumburg Lippe (60), der es wie viele andere Adelshäuser geschafft hat, seinen Namen zur Marke zu machen und sich geschäftlich solide aufzustellen, stellt sich dagegen auf die Seite des Welfen-Prinzen: „Ich kann es verstehen, was der Erbprinz tut. Es sind gigantische Erhaltungskosten, die er hat – das kann er nicht tragen.“ Und: Ernst August junior werde es sich nicht leicht gemacht haben, glaubt Schaumburg-Lippe: „Man trennt sich nicht eben mal so vom Herzstück der Familie.“

Ausgeschlossen ist aber auch nicht, dass die Marienburg eines Tages wieder den Welfen gehört. Nach der Sanierung wird das Schloss von der landeseigenen Firma erneut veräußert. Das Vorkaufsrecht hat das Land Niedersachsen. Aber auch die Welfen könnten ihren Stammsitz zurückkaufen. Dann jedoch für deutlich mehr als einen Euro.

Von Britta Lüers