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Meine Stadt Die Leiden einer Mieterin
Hannover Meine Stadt Die Leiden einer Mieterin
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16:09 08.02.2019
KRANK UND ENTTÄUSCHT: Reymonde Lefin in ihrer Wohnung in der Hoppen- stedtstraße. Der Schimmel- pilz hat sie schon krank gemacht. Quelle: Fotos: Dröse
Hannover

Die einst weiße Tapete sieht aus, als hätte man Moos darauf geschmiert. Es ist ein dreckiges Grün, gespickt mit braunen und schwarzen Klecksen – irgendwie sieht es hier in den Ecken aus, als würde die Tapete leben. Und das stimmt sogar: In der Wohnung von Reymonde Lefin (66) in der Südstadt machen sich die Schimmelpilze breit.

Aber die Rentnerin muss Nacht für Nacht hier schlafen. „Ich huste oft stundenlang, habe Bronchitis, mein Arzt hat mich zum Lungenfacharzt überwiesen“, berichtet sie der NP. „Ich bin völlig fertig mit den Nerven.“ Die frühere Krankenschwester ist sicher, dass sie schon vor sechs Wochen in eine leere und renovierte Wohnung im selben Haus in der Hoppenstedtstraße hätte ziehen können, aber ihre Vermieterin, die Wohnungsgesellschaft Vonovia, stelle sich quer. „Die wollen noch die Miete von dieser und meiner Wohnung kassieren“, vermutet sie.

„Völlig fertig mit den Nerven“

Aber von vorn: Im September entdeckt Reymonde Lefin den Schimmelpilzbefall in ihrer 43-Quadratmeter-Wohnung, in der sie erst seit ein paar Monaten lebt. Sie wendet sich einen Monat später an den Deutschen Mieterbund (DMB). „Wir haben die Vonovia angeschrieben, diese meldete sich zeitnah am 22. November zurück und erklärte, dass dies überprüft und notwendige Arbeiten zur Beseitigung des Schimmels angegangen würden“, so DMB-Anwalt Jürgen Starbatty. Dann sei nichts passiert. „Am 28. November schrieben wir Vonovia erneut an und wiesen darauf hin, dass der Schimmelpilzbefall voranschreitet und Frau Lefin gesundheitliche Beeinträchtigungen dadurch erleiden würde“, berichtet Starbatty.

Erst einen Monat später, am 28. Dezember, habe die Vonovia dann geschrieben, dass „aktuell mit Frau Lefin intensiv nach einer neuen Wohnung gesucht“ werde. Und dass man hoffe, sie „ab Februar 2019 in einer neuen Wohnung unterbringen zu können“. Nach anfänglich 20 Prozent Mietminderung gewährt Vonovia nach Aufforderung des DMB-Juristen nun eine 35-prozentige Mietminderung für die 464 Euro Miete rückwirkend ab November bis Januar.

Der Vonovia-Sachverständige, der sich die Wohnung angeschaut habe, „sagte, die Wohnung muss sofort saniert werden“, erzählt Reymonde Lefin. Das bejaht Vonovia auf NP-Anfrage. „Es wurde festgestellt, dass für die Ursachenbeseitigung des Schimmels leider die Wände der Wohnung geöffnet werden müssen. Diese Arbeiten können nicht im bewohntem Zustand erfolgen – Frau Lefin muss dafür die Wohnung verlassen.“ Nach Angaben von Vonovia habe man Lefin „verschiedene baugleiche Alternativwohnungen im Hause angeboten, die sie aus persönlichen Gründen“ ablehnte.

Hat sich Vonovia um nichts gekümmert?

„Das ist gelogen“, sagt die 66-Jährige. „Das ist dummes Gerede, die haben sich nie gekümmert. Sie haben mir eine einzige Wohnung angeboten, nachdem mein Anwalt geschrieben hatte, dass meine Gesundheit beeinträchtigt ist.“ Vonovia erklärte außerdem, dass die angebotene Wohnung eine Belegungsbindung habe und Lefin sich persönlich beim Wohnungsamt dafür vorstellen müsste – dies aber bisher nicht getan habe.

„Das kann ich erst machen, wenn ich einen Mietvertrag habe. Den habe ich aber bisher nicht bekommen“, stellt Lefin klar. Das bestätigt ihr Anwalt Starbatty. „Für eine Wohnungszuweisung benötigt sie einen Vertrag.“ Starbatty, der immer wieder mit Vonovia kommuniziert, wundert sich über deren Einlassungen gegenüber der NP. „Wären Frau Lefin erfolglos mehrere Wohnungen angeboten worden und hätte es Probleme wegen eines persönlichen Erscheinens beim Wohnungsamt gegeben, dann hätte die Vonovia das uns gegenüber mitteilen können und wir hätten darauf reagiert, aber seit dem 28. Dezember kam nichts mehr.“ Auch ein Angebot zu Umzugsmodalitäten, von dem Vonovia berichtet, habe es nie gegeben, sagt Reymonde Lefin. Starbatty bestätigt, dass die Mieterin glaubhaft berichtet habe, dass die Wohnung, in die sie eigentlich erst Anfang Februar hätte einziehen sollen, bereits Mitte Dezember zur Verfügung gestanden habe. „Ein Vonovia-Mitarbeiter habe ihr erklärt, dass die Wohnung leer sei und bezogen werden könne.“

Direkt möchte die völlig erschütterte Mieterin mit Vonovia nicht mehr persönlich reden, sondern überlässt die Kommunikation lieber ihrem Anwalt. Der schrieb die Vonovia am 8. Januar an und verwies mit Blick auf gesundheitliche Beeinträchtigungen darauf, „dass es jetzt wirklich drängt“ – und nun am 6. Februar noch einmal. An diesem Tag hätte Reymonde Lefin schon eine Woche in einer gesunden Umgebung schlafen können.

Von Petra Rückerl

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