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Meine Stadt „Die Lage ist katastrophal“: Studierende sind in Wohnungsnot
Hannover Meine Stadt „Die Lage ist katastrophal“: Studierende sind in Wohnungsnot
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09:59 28.09.2019
Letzte Hoffnung: Auf Wohnungsportalen im Internet finden Studierenden inzwischen hauptsächlich ihre Bleiben. Die Schwarzen Bretter in den Universitäten haben ihre Funktion aber noch längst nicht verloren. Einige Studierende suchen hier immer noch verzweifelt nach einem Zimmer. Quelle: Foto: Emine Akbaba
Hannover

Viel Zeit hat Mostafa Abdelrahman nicht mehr. Der 32-jährige Master-Student der Elektrotechnik an der Leibniz Universität steht zwar bereits am Ende seines Studiums, sucht nun allerdings wie viele neu beginnende Erstsemester eine Wohnung. „Bis Montag habe ich noch Zeit, dann muss ich raus aus meinem Zimmer“, sagt Abdelrahman.

Der gebürtige Ägypter lebt derzeit im Studentenwohnheim im Heidjerhof an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mit 142 Plätzen. Das Haus soll aber renoviert werden. Zum Monatswechsel muss er sein Zimmer verlassen. „Ich lebe seit zwei Jahren in Hannover und bin eigentlich dauernd auf Wohnungssuche. Die Lage hier ist katastrophal“, meint Adbelrahman.

Zunächst konnte er sich mit Zwischenmieten über Wasser halten. Dann war er froh, dass er einen Platz im Studentenwohnheim gefunden hat. Doch nun geht wieder alles von vorne los. „Ich schreibe täglich Mails und Nachrichten. Ich bekomme nicht einmal Antworten. Ich vermute, das liegt an meinem Namen“, ärgert er sich.

Zwei Studentinnen durchsuchen das Schwarze Brett nach Wohnungsangeboten. Quelle: Tim Schaarschmidt

Das Studentenwerk betont, dass alle Bewohner des Wohnheims am Hedjerhof einen neuen Platz bekommen konnten. Dazu habe es eine Abfrage gegeben. Diese Frist hat Abdelrahman offenbar unfreiwillig verstreichen lassen. „Ich habe von sowas nichts mitbekommen“, sagt er.

Keine Bürgschaft für ausländische Studierende

Der 32-Jährige ist vor gut drei Jahren nach Deutschland gekommen und wäre inzwischen über jede Wohnung glücklich. Ob WG, Ein- oder Zweizimmerwohnung – das ist ihm egal, Hauptsache ein Dach über den Kopf. „Ich habe auch schon nach Wohnungen in Hildesheim oder der Region geschaut“, sagt Abdelrahman. Etwa 300 Euro Miete könne er bezahlen.

Ein weiteres Problem für ausländische Studierende wie ihn: Wird vom Vermieter eine Bürgschaft verlangt, kann er nichts liefern. Er lebt als einziger seiner Familie in Deutschland. „Deshalb sind WGs rein unter ausländischen Studierenden nicht möglich“, sagt er.

Keine Antworten auf Nachrichten

Azad Salikara lebt derzeit noch in Bielefeld. Im kommenden Monat würde er eigentlich gerne in Hannover wohnen. Denn ab dem 4. Oktober beginnt sein Maschinenbau-Studium an der Leibniz-Universität. „Wenn ich dann keine Wohnung habe, muss ich täglich zwei Stunden pendeln“, befürchtet der 19-Jährige.

Eine Alternative: Der Westfale quartiert sich zunächst einmal bei Freunden ein, die er schon häufiger besucht hat. „Deswegen habe ich mich auch dafür entschieden, in Hannover zu studieren. Ich mag die Stadt einfach“, sagt Salikara. Dass es mit der Wohnungssuche so schwer wird, hatte er allerdings nicht erwartet.

Bereits seit einigen Wochen forscht er auf diversen Portalen im Internet, schreibt Mails. Alleine am vergangenen Mittwoch habe er 17 Nachrichten versendet. Wie so häufig gab es nicht einmal eine Antwort darauf. „Das ist sehr ärgerlich. Natürlich kann ich auch die Vermieter verstehen, sie kriegen aktuell wahrscheinlich hunderte Anfragen.“ Sonderlich wählerisch ist er nicht mehr. Hauptsache die Miete übersteigt nicht seine Höchstgrenze von 350 Euro.

Besichtigungen mit 70 bis 80 Menschen

Inzwischen hat er eine Wohnung in Garbsen in den Blick genommen. Sie liegt zwar nicht in der Stadt, für Salikara wäre es aber optimal. Schließlich ist der Maschinenbau-Campus der Leibniz-Universität in Garbsen gerade eröffnet worden. Bis er hier allerdings mehrheitlich seine Seminare hat, wird es noch ein wenig dauern. Die Grundlagen-Vorlesungen etwa in Mathematik finden weiterhin im Welfenschloss in der Nordstadt statt. „Garbsen wäre zwar nicht zentral, aber immerhin etwas“, meint der Erstsemester.

Alex-Toni Keierleber aus Laatzen ist kein Student, hat aber ähnlich Probleme. Er möchte am Hannover-Kolleg sein Abitur nachholen. Derzeit lebt der 24-Jährige wieder bei seinen Eltern. „Das wird aber nur geduldet“, sagt er.

Darum sucht er jetzt eine eigene Wohnung und konkurriert mit den Erstsemester um die letzten Plätze. Das merkt er immer wieder, wenn er bei Besichtungsterminen wie zuletzt an der Christuskirche in der Nordstadt ist. „Da kommen dann plötzlich 70 bis 80 Menschen“, sagt Keierleber.

Betrugsversuche auf den Portalen

Bei den Portalen im Internet tummelten sich auch diverse Betrüger. Der ausgebildete Packmittel-Technologe berichtet von einem Fall, in dem er die Kaution schon überweisen sollte, bevor er überhaupt die Wohnung gesehen hatte. „Die Person sagte, sie lebe derzeit in London und würde dann die Schlüssel rübersenden.“ Eine beliebte Masche auf Wohnungsportalen.

Sollte er einen Platz in einer WG finden, stände Keierleber der Bafög-Höchstsatz von 716 Euro zu. Davon müsste er die Miete bezahlen. „Mehr als 300 bis 400 Euro sollte die Miete nicht kosten“, sagt er. Eine Wohnung zur Zwischenmiete wäre keine Lösung, denn das Nachholen des Abiturs dauere etwa drei Jahre. Danach plant Keierleber, zudem noch Wirtschaftspsychologie zu studieren.

Mehr Studierende, aber kaum Plätze

Es ist wieder soweit: In wenigen Tagen starten rund 4540 Erstsemester mit ihrem Bachelor-Studium an der Leibniz Universität. Die Hochschule rechnet mit 30.000 Studierende. Oben drauf kommen noch die Studierenden an weiteren Standorten der Stadt wie etwa der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) oder der Tierärztlichen Hochschule (Tiho).

Ein großer Teil von ihnen benötigt eine Wohnung in Hannover. Die 16 Wohnheime des Studentenwerks sind schon jetzt überfüllt. Aktuell stünden 2000 Studierende auf der Warteliste. „Und es gehen täglich weitere Anfragen von Studenten ein, die nicht wissen, wo sie ab dem 1. Oktober wohnen sollen“, sagt Ingrid Kielhorn vom Studentenwerk.

Zu Beginn will das Studentenwerk deshalb Doppelbelegungen auf den Zimmern tolerieren. Es solle niemand auf der Straße schlafen müssen. „Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum“, fordert das Studentenwerk.

Bei den Preisen liegt Hannover noch im Mittelfeld. Für eine 30 Quadratmeter große Wohnungen zahlen Studenten im Schnitt noch 354 Euro. Das sind 88 Euro mehr als noch vor neun Jahren. Die Studierenden wohnen deshalb immer seltener alleine, denn oftmals reicht das Bafög nicht einmal mehr für die Miete. Jeder Dritte lebt in einer WG, jeder Vierte bei seinen Eltern.

Lesen Sie auch: Wohnungsnot: Studentenzimmer werden doppelt belegt

Von Sascha Priesemann

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