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Meine Stadt „Die Cebit lief dem Markt hinterher“
Hannover Meine Stadt „Die Cebit lief dem Markt hinterher“
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15:59 28.11.2018
Immer weniger Besucher verirrten sich in den letzten Jahren auf das Cebit-Gelände.
Immer weniger Besucher verirrten sich in den letzten Jahren auf das Cebit-Gelände. Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Die Cebit wurde Opfer ihres eigenen Erfolgs, meint Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Bitkom, im Interview mit der NP.

Die Deutsche Messe stellt die Cebit ein - wie ist die Entscheidung gefallen?

Einen Blick hinter die Kulissen kann ich Ihnen nicht geben. Klar ist aber: Die Branche braucht Plattformen und Schaufenster. Das Festival-Konzept war ein mutiger, letzter Versuch, der durchaus auf positive Resonanz gestoßen ist, sich aber nicht gerechnet hat.

Die Beteiligten hatten im Sommer immer wieder um Geduld gebeten für das neue Konzept. Warum hat das nicht gefruchtet?

Der Veranstalter, die Deutsche Messe, hat offenbar keine Perspektive für einen finanziellen Turnaround gesehen. Diese Entscheidung respektieren wir. Aber die Branche steht jetzt nicht ohne Plattform da. Den kompletten Industriebereich können wir zum Beispiel auf der Hannover Messe bespielen. Für alle Themen rund um die digitale Stadt, also Verwaltung, Vernetzung, Verkehr, Energie, Gesundheit, öffentliche Sicherheit und Handel haben wir die Smart Country Convention in Berlin aufgebaut. Das ist ein 50-Milliarden-Markt, und den bespielen wir mit einem frischen Format und eben nicht mit einer typischen Messe.

Ganz anders, das wollte auch die Cebit jetzt sein, doch das Festivalkonzept ist gescheitert. Welche Fehler waren entscheidend?

Ich will nicht mit dem Finger auf andere zeigen – im Nachhinein ist man immer schlauer, zumal die Cebit auch vieles richtig gemacht hat. Aber das Konzept, die Branche in ihrer ganzen Breite darzustellen, konnte vermutlich nicht erfolgreich sein. Die Cebit verlor ihre Schärfe, ihr Profil – und traf auf andere Messen wie die IAA oder die Industriemesse, die sich ebenfalls mit der Digitalisierung befassen. Diesen Wettbewerb hätte die Cebit wenn überhaupt dann nur mit enormem Aufwand gewinnen können, und den waren die Anteilseigner nicht mehr bereit mitzutragen.

Dabei ist das Thema dankbar: IT ist die Zukunft.

Die Cebit wurde Opfer ihres eigenen Erfolgs. Sie war zur Jahrtausendwende extrem stark, mit 20.000 Quadratmetern Warteliste. Doch als die New-Economy-Blase platzte, hätte die Cebit sich schon komplett neu aufstellen müssen. In dieser Zeit ist etwa der Mobile World Congress, die Mobilfunkmesse in Barcelona, groß geworden. Erinnern Sie sich an die Verbrauchershow Cebit Home? Die hat nur dreimal stattgefunden. Man lief dem Markt hinterher.

Kehrt die Cebit nun zur Hannover Messe zurück, aus der sie einst hervorging?

Sie ist schon da. Microsoft, die Telekom, Atos oder Cisco sind bereits bei der Hannover Messe. Dieser Wandel ist Teil des Gesamtszenarios. Viele Ankeraussteller haben neue Plattformen gefunden.

Die Cebit sollte immer auch ein Magnet für Nachwuchskräfte sein. Fehlt das der Branche jetzt?

Dazu brauchen wir keine Messen. Dafür haben wir viele Projekte vor Ort in den Schulen. Messen machen Märkte, und diese Märkte machen wir künftig anderswo.

Von Fabian Mast