Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Die Bestattungskultur ändert sich – auch in Hannover
Hannover Meine Stadt Die Bestattungskultur ändert sich – auch in Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 10.11.2018
Ein Grabmal auf dem Herrenhäuser Friedhof.
Ein Grabmal auf dem Herrenhäuser Friedhof. Quelle: Tim Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

Familien, die über Generationen hinweg an einem Ort wohnen, sind zur Rarität geworden. Das hat auch Auswirkungen auf die Friedhofs- und Bestattungskultur. „Die Zahl der Urnenbestattungen ist drastisch angestiegen. Der Trend geht zu pflegeleichten oder pflegefreien Gräbern“, sagt Oberkirchenrätin Erika Marten. Sie ist bei der Landeskirche Hannover zuständig für die insgesamt 938 Friedhöfe, die zwischen Ostfriesland und Südniedersachsen in kirchlicher Trägerschaft liegen. Davon liegen knapp 140 Friedhöfe in und um Hannover. Wer hier beerdigt wird, muss nicht zwingend in der Kirche sein, aber, sagt Marten: „Anonyme Bestattungen gibt es nicht.“

Noch im Jahr 1990 machten Urnengräber im Sprengel Hannover nur einen Anteil von 13,29 Prozent aus – und waren damit die Ausnahme. Marten: „Damals wählten 86,7 Prozent die klassische Sargbestattung.“ Inzwischen hat sich das Bild verändert, das belegen Zahlen aus dem Jahr 2015. Demnach ist mehr als jede zweite Bestattung nun eine Urnenbestattung. „Sargbestattungen nehmen immer weiter ab. Allerdings gibt es in Niedersachsen regionale Unterschiede. In Ostfriesland gibt es nach wie vor sehr viele Sargbestattungen.“ Gründe für den Urnen-Trend gebe es mehrere, sagt Marten: „Als 2003 das Sterbegeld der Krankenkassen abgeschafft wurde, stieg die Zahl der Urnenbestattungen. Ein weiterer Grund ist auch, dass Urnen-Rasengrabstätten die ersten pflegefreien Grabstätten überhaupt waren.“ Martin Lahmsen, Sachgebietsleiter für Friedhofsangelegenheiten im Landeskirchenamt, sagt dazu: „Die klassischen Familiengrabstätten sind ein Auslaufmodell. Das ist dem Lebensentwurf der Menschen geschuldet, wenn Kinder hunderte Kilometer entfernt wohnen. Ein pflegeleichtes Grab ist dann für viele die beste Wahl.“

Doch der Trend zur Urne und damit die Abkehr von großen Grabstätten stellt die Friedhofsverwaltungen vor große Herausforderungen. „Wer sein Angebot als Friedhofsträger der veränderten Nachfrage nicht anpasst, wird einen deutlichen Nachfragerückgang erleben. Flächen werden frei, die Einnahmen schwinden“, warnt Lahmsen. Nur durch Gebührenerhöhungen könne diese Abwärtsspirale kaum aufgehalten werden. Denn: „Es gibt genügend Konkurrenzangebote, etwa Friedwälder. Unser Ziel muss es sein, den Erhalt unserer Friedhöfe zu sichern. Das geht nur, in dem wir Grabstätten attraktiver gestalten und aufhören mit der Überreglementierung. Denn Trauernde erwarten heute zunehmend mehr Individualität.“

So teuer sind Bestattungen

Wie teuer eine Bestattung ist, hängt von vielen Faktoren ab: von der Bestattungsart, der Grabstelle, von den Leistungen des Beerdigungsinstituts und nicht zuletzt von der Kommune, in der der Verstorbene beigesetzt werden soll. Die Friedhofsgebühren machen dabei etwa ein Drittel der Gesamtkosten einer Bestattung aus.
Und so sehen die Gebühren in Hannover aus: Auf kirchlichen Friedhöfen im Bereich der Landeskirche Hannover kostet ein sogenanntes Erdwahlgrab für 25 Jahre 1250 Euro. Eine Urnengrabstätte kostet lediglich 850 Euro, für 1800 Euro gibt es diese inklusive der Grabpflege. „Man kann für ein Urnengrab aber auch 3260 Euro ausgeben, wenn es in besonderer Lage und einer besonderen Anlage liegen soll“, erklärt Pastor Benjamin Simon-Hinkelmann, Sprecher der Landeskirche.
Auf kommunalen Friedhöfen ist es noch teurer – das gilt bundesweit. Für ein Erdwahlgrab mit 20-jähriger Nutzungsdauer zahlt man hier 2039 Euro, in besonderer Lage sogar 2549 Euro. Bei Urnengräbern reichen die Gebühren von 1243 Euro für ein einen Quadratmeter großes Grab bis zu 3017 Euro für ein doppelt so großes Grab in besonderer Lage. Ein pflegearmes Urnenreihengrab, ein sogenanntes Rasengrab, kostet 918 Eu­ro, ein anonymes Urnengrab 656 Euro.

Von Britta Lüers