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Meine Stadt Die Akte Hanebuth: So lief das Mallorca-Geschäft
Hannover Meine Stadt Die Akte Hanebuth: So lief das Mallorca-Geschäft
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00:18 08.02.2015

Von Gerrit Pfennig

Hannover/MADRID. Anderthalb Jahre sitzt Hannovers ehemaliger Rockerboss Frank Hanebuth schon in Spanien in Haft – und jetzt machen die Ermittler mit ihrem 95-seitigen Abschlussbericht Ernst. Die NP berichtet heute exklusiv aus der Akte.

Im Zentrum steht für die spanischen Behörden eindeutig Hanebuth. Er soll die Geschäfte auf der Ferieninsel Mallorca gelenkt haben, ohne offiziell als Boss des dortigen Hells-Angels-Charters aufzutreten. Stattdessen habe er vor allem über die Mittelsmänner Khalil und Abdelghani Y. sowie Paul E. unter anderem das Geschäft mit Prostituierten aufrechterhalten und ausgebaut. An der Spitze des Charters stand dagegen offenbar ein Strohmann, der nur Handlangerdienste erledigt haben soll: Norbert K.

Doch nicht nur in das Prostitutionsgeschäft und in Geldwäsche sollen die Hells Angels auf Mallorca verstrickt sein, sondern auch in die Erpressung des Finanzbetrügers Christian H., auf den Helfer der Hells Angels angesetzt worden sein sollen. Aus dem spanischen Abschlussbericht ergibt sich ein Netzwerk, in das auch Hells-Angels-Charter aus Luxemburg und der Türkei verwickelt gewesen sein sollen. Laut den Ermittlern sollen diese Rocker den Deutschen unter anderem dabei geholfen haben, das Mallorca-Charter aufzubauen und neue Prostituierte auf die Insel zu lotsen.

Menschenhandel, Erpressung, Geldwäsche, Betrug: Die Liste der Vorwürfe, die der spanische Untersuchungsrichter Eloy Velasco gegen Mitglieder und Unterstützer der Hells Angels auf Mallorca erhebt, ist lang. Der NP liegt der 95-seitige Abschlussbericht vor, mit dem die spanischen Behörden jetzt auf einen Gerichtsprozess hoffen.

Im Zentrum steht für die Ermittler weiterhin Frank Hanebuth. Der ehemalige Chef des Hells-Angels-Charters in Hannover habe im Hintergrund die Fäden gezogen, um mit kriminellen Geschäften wie Erpressung, Geldwäsche und Zwangsprostitution Geld zu verdienen. In der Führungsriege, wie sie der Abschlussbericht darstellt, taucht Hanebuth allerdings gar nicht auf. Er soll in Norbert K., der als Präsident des Mallorca-Charters agiert haben soll, einen Statthalter gehabt haben. Als Vize-Präsidenten führen die Ermittler Khalil Y. auf, der für Hanebuth aber ein direkter Ansprechpartner gewesen sein soll und vor allem die Geschäfte mit den Prostituierten geleitet
habe. Ohne die Zustimmung des ehemaligen hannoverschen Rockerkönigs habe dieser keine Aktionen durchgeführt – davon sind die spanischen Behörden nach der Auswertung von mitgeschnittenen Telefonaten überzeugt. Und die Initiative zum Aufbau des Hells-Angels-Ablegers auf Mallorca sei von Hanebuth ausgegangen – darin sehen sich die Ermittler bestätigt, weil sie bei der Durchsuchung der Finca von Hanebuth und Paul E. schon 2013 eine Rocker-Weste mit den Aufschriften „Mallorca“ und „President“ fanden.

Allerdings finden sich klare Beweise gegen Hanebuth in dem Bericht der Spanier nicht. Sie verweisen zumeist auf Treffen zwischen ihm und Hells-Angels-Mitgliedern wie Khalil Y. Konkrete Gesprächsmitschnitte, aus denen hervorgeht, dass Hanebuth beispielsweise Anweisungen gab, bestimmte Frauen einzusperren und zur Prostitution zu zwingen, finden sich nicht.
Nun kommt es auf die spanische Staatsanwaltschaft an – der Ermittlungsrichter fordert diese in seinem Bericht auf, innerhalb von 15 Tagen Anklage gegen die 55 Beschuldigten zu erheben. Von diesen sitzen aber nur noch Hanebuth und Khalil Y. in Untersuchungshaft. Selbst wenn es zum Gerichtsprozess kommt, scheint es wenig wahrscheinlich, dass am Ende eine Vielzahl von Haftstrafen verhängt wird.