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Meine Stadt „Der Große Konflikt“: Wer verteilt dieses Taschenbuch?
Hannover Meine Stadt „Der Große Konflikt“: Wer verteilt dieses Taschenbuch?
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17:40 01.02.2019
Dieses Buch landet zurzeit in einigen Briefkästen in Hannover. Quelle: privat
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Hannover

Während der jüngsten Wochen ist in Hannover ein eher ungewöhnliches Taschenbuch an Haushalte verteilt worden. Blau und orange leuchtet das Cover, ein Blitz, acht Männerköpfe sind darüber abgebildet. „Der große Konflikt“ von Ellen Gould White, „Zum Anlass der Feier des 500. Geburtstags der großen protestantischen Reformation“. Was hat es damit auf sich?

Auf den ersten Blick eine verspätete Aktion des Luther-Jubiläums, er hatte 1517 seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche angeschlagen, hat allerdings gar nichts mit der evangelischen Landeskirche zu tun. Auch nicht mit der protestantischen Freikirche der Siebenten Tags-Adventisten, in der sich Ellen Gould White (1827–1915) tatsächlich mit ihren Schriften zum Gemeindealltag und der christlichen Lebensweise auseinandersetzt.

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Freikirche rätselt, wer dahinter steckt

Die Verteilaktion empfinden die Adventisten vielmehr als „ärgerlich“. Jens Mohr, der Leiter der Ostfilderner Pressestelle der Freikirche, betont: „Wir wissen nicht, wer die Taschenbücher verteilt hat. Es war auf jeden Fall keine Aktion unserer Kirche.“ Was auch Gersom Rösler bekräftigt, der Pastor der Adventgemeinde Hannover-Mitte: „Von einer derartigen Vorgehensweise distanzieren wir uns ausdrücklich, sie findet bei uns keine Unterstützung.“ Dem Impressum des Buchs zufolge handle es sich um die Ausgabe aus einer Privatdruckerei, die eine Splittergruppe der offiziellen Freikirche initiiert habe.

„Solche Kampagnen gibt es in Hannover immer mal wieder“, weiß Pastor Jürgen Schnare vom Haus kirchlicher Dienste der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. „Manchmal werden die Bücher auch in der Fußgängerzone verteilt. Dann sehe ich immer viele Exemplare in den Papierkörben ringsum liegen.“ Die Splittergruppe, die für die Verteilung verantwortlich sei, habe „etwas Sektenhaftes“ an sich, „weil sie sich als einzig wahre Glaubensorganisation ansieht und alle anderen christlichen Organisationen ablehnt“. Ganz anders sei das mit den echten Siebenten Tags-Adventisten: „Sie gehören zur Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen“, erklärt Pastor Schnare. „Darin arbeiten Vertreter der evangelischen und katholischen, aber auch der Freikirchen miteinander, etwa der Methodisten, Baptisten oder Adventisten, und tauschen sich über den christlichen Glauben aus.“

Von verena koll