Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt St. Martin in Linden: „In dieser Kirche wurde etwas riskiert“
Hannover Meine Stadt St. Martin in Linden: „In dieser Kirche wurde etwas riskiert“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 11.01.2019
Nicht gerade einladend: Die St.Martinskirche in Linden von außen. Dennoch gilt sie als besonderer Bau und steht deshalb unter Denkmalschutz. Quelle: Behrens
Hannover

Kantig thront sie da – in exponierter Lage, auf dem Lindener Berg. Wer vor der St. Martinskirche steht, wird in den meisten Fällen erst einmal wenig Verlockungen verspüren, diese auch von innen sehen zu wollen. Und selbst wer den Schritt wagt, wird nicht unmittelbar von Schönheit überwältigt. „Schon immer“, sagt Küster Johannes Kufner, sei die Kirche „kontrovers diskutiert“ worden. Ein Denkmal ist sie wohl auch gerade deshalb geworden. Und die 170.000 Euro, die aktuell in ihre Sanierung fließen, sind auch ein Signal: Dieses Haus Gottes ist es wert, erhalten zu werden.

Einige im Stadtteil diskutierten schon offen den Abriss des Gebäudes. Ernsthaft zur Debatte stand der allerdings nicht. Erst Recht nicht, seitdem das Gotteshaus 2014 als eine von zehn evangelischen Nachkriegskirchen ausgewählt wurde, die auf der Denkmalliste des Landes landeten.

Fabrikhalle mit Bänken: So jedenfalls sehen selbst einige der Gemeindemitglieder ihre Kirche. Die Betonkonstruktion des Tragwerks galt jedoch als wegweisend im Kirchbau der Nachkriegszeit. Quelle: Behrens

Der bekannte Architekt Dieter Oesterlen hat sie gebaut. Vor allem in Hannover ein großer Name. Er hat den Plenarsaal des Landtages entworfen, dessen Abriss Unterstützer mit Erfolg verhinderten. St. Martin war sein erster Kirchbau. Einer, bei dem Oesterlen mit Mustern der Vorkriegszeit brach. Durch den Haupteingang kommend läuft der Besucher nicht direkt auf den Altar zu, sondern muss eine Kurve machen, um in den Mittelgang zu kommen.

Überhaupt fehlt es an Schmuck und Schnickschnack. Selbst für protestantische Verhältnisse ist es ein nüchterner Bau. Das verwendete Material, Backstein und Beton, liegt offen. „Es ist im Grunde ein bisschen wie ein Rohbau, der mit Bänken ausgestattet wurde“, sagt Küster Küfner, der um das schwierige Image seiner Kirche weiß. „Einige finden, es sei hier wie in einer Fabrikhalle“.

Küfner selbst konnte sich jedoch sofort für das Gotteshaus begeistern, als er vor 20 Jahren den Dienst in der Gemeinde antrat. „Ich habe sofort gemerkt: In dieser Kirche ist alles möglich. So viel Platz. Da kann jeder was machen. Und die Akustik ist auch hervorragend“, berichtet der Küster.

Ungewöhnlich: Das Jesuskreuz in der Kirche. Leidend sieht dieser Christus nicht aus. „Hier wurde etwas riskiert“, findet Küster Johannes Küfner. Quelle: Behrens

Wer genauer hinschaut, sieht weitere Besonderheiten. Die Tore Jerusalems etwa, aus Backstein gemauert, hinter dem Altar. Das Betonrelief an der Empore, mit der biblischen Bildergeschichte, die von der Erschaffung der Welt bis zum Stern von Betlehem den Bogen vom Alten bis zum Neuen Testament spannt. Oder das etwas andere Jesuskreuz in der Kirche, das den Christus nicht als Leidenden zeigt. „Er hat keine Wunden. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass er tot ist“, sagt Küfner und findet: „In dieser Kirche wurde etwas riskiert“.

Am 4. Advent 1957, nach nur einem Jahr Bauzeit, wurde sie eröffnet. Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkrieges hatte nur der Glockenturm der Vorgängerin überstanden, der auch heute noch den Oesterlen-Bau flankiert. Als wegweisend galt die Betonkonstruktion, die das Gebäude trägt. Ein Dreigelenkrahmen – zuvor unüblich im Kirchbau.

Wurde erneuert: Das Buntglas an der Wetterseite der Kirche. Eine Fachfirma aus Quedlinburg war dafür zuständig. Quelle: Behrens

Die Jahrzehnte allerdings haben Spuren an dem Gebäude hinterlassen. Vor allem an dessen Fenstern. Denen gilt auch die Sanierung, deren Kosten sich das Landesamt für Denkmalpflege, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die Irmgard-Rosenbrock-Stiftung, Stadtkirchenverband und Landeskirche teilen.

Die Arbeiten an der vom Wetter besonders in Mitleidenschaft gezogenenen Nordseite sind schon abgeschlossen. Dort war durch die Fenster teilweise schon Wasser eingedrungen. Schimmel hatte sich gebildet. 200 der kleinen Fensteröffnungen mussten repariert werden. Auch das Buntglas wurde durch eine Quedlinburger Fachfirma komplett erneuert. Auf der anderen Seite soll das bis Herbst geschehen. „Hier wird etwas für die Langlebigkeit getan“, sagt Küster Kufner. Schließlich soll die Kirche, in der etwas riskiert wurde, unbedingt erhalten bleiben.

Von Christian Bohnenkamp

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Gorleben-Treck vor 40 Jahren war eine der eindrucksvollsten Demonstrationen der Anti-Akw-Bewegung – und Schwerpunkt der ersten Sonderschau im Historischen Museum in diesem Jahr.

08.01.2019

Mittagessen, Hausaufgabenhilfe und Sprachförderung: Das Leckerhaus in Stöcken betreut täglich zwischen 30 und 35 Kinder. Am Dienstag überreiche das Enercity Gemeinschaftskraftwerk Hannover der Einrichtung eine Spende in Höhe von 2000 Euro.

08.01.2019

Seit 1987 lebt Martin Zellmer in seiner Wohnung. Nun spricht ihm ein neuer Vermieter das Wohnrecht ab, weil es keinen schriftlichen Vertrag gebe. Mit Wild-West-Methoden will er den Mieter vergraulen.

08.01.2019