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Meine Stadt 1000 Menschen gedenken erschossenem Halim Dener
Hannover Meine Stadt 1000 Menschen gedenken erschossenem Halim Dener
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12:21 08.07.2019
LAUTSTARK: Um die 1000 Demonstranten zogen am Samstag zum Gedenken an den vor 25 Jahren erschossenen Halim Dener durch Hannovers Innenstadt. Quelle: Michael Wallmüller
HANNOVER

Die Großdemonstration zum Gedenken an den vor 25 Jahren in Hannover erschossenen Kurden Halim Dener am Sonnabend ging friedlich über die Bühne. Nach Angaben des Veranstalters hatten sich mehr als 1000 Menschen dem Demonstrationszug durch die hannoversche Innenstadt angeschlossen, begleitet von einem sichtbaren Polizeiaufgebot. Laut Polizei seien in der Spitze rund 900 Teilnehmer dabeigewesen.

Die Demo sei „absolut friedlich“ verlaufen, teilte ein Sprecher der Polizei mit, es habe so gut wie keine Vorfälle gegeben. Wegen des kurzzeitigen Zeigens einer verbotenen PKK-Flagge wurde eine Strafanzeige aufgenommen, außerdem wurde eine Ordnungswidrigkeit festgestellt – wegen des Verteilens von Flugblättern ohne Impressum.

Politische Verfolgung

Der 16-Jährige Halim Dener war in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni beim Plakatieren auf dem Steintorplatz von einem deutschen Polizisten erschossen worden, der Beamte war im nachfolgenden Prozess freigesprochen worden. „Die politische Verfolgung, der Halim Dener schon in der türkischen Militärdiktatur ausgesetzt war, setzte sich hier in Hannover mit tödlicher Konsequenz fort“, sagte dazu Dirk Wittenberg, Sprecher der „Kamapgne Halim Dener“, die sich seit fünf Jahren dafür einsetzt, dass ein Platz oder eine Straße in Hannover nach dem jungen Kurden benannt wird.

Die Demonstration startete am Nachmittag gegen 14.30 Uhr am Georgsplatz mit einer Kundgebung, zog über den Aegi vorbei am Rathaus und dem Landtag, führte dann über die Karmarschstraße und Schmiedestraße durch die Innenstadt zum Steintor, dem Ort, an dem Halim Dener sein Leben verlor. Dort wurde die Veranstaltung gegen 16.30 Uhr aufgelöst – auf die letzte Station, eine Kundgebung vor dem türkischen Konsulat am Klagesmarkt, verzichteten die Organisatoren.

Menge skandierte

Die Teilnehmer an der Demo hatten zahlreiche Plakate, Transparente und Fahnen dabei, darunter auch normalerweise verbotene wie die Fahnen der kurdischen Organisation YPG, die aber während der Veranstaltung genehmigt waren. Lautstark skandierten die mehr als 1000 Menschen Sprüche wie „Widerstand an jedem Ort, Halim Dener, das war Mord“, „Hoch die Internationale Solidarität“, aber auch „Deutsche Polizisten, Mörder und Faschisten“.

Viele Passanten reagierten neugierig auf die Demonstration, machten Fotos und Videos. „Worum geht es denn dabei eigentlich, den Iran?“, fragt eine gepflegte Endfünfzigerin, die mit ihrer Freundin in einem Cafe sitzt. „Ach Halim Dener“, ja, davon habe sie gehört. Gestört fühlen würde sie sich nicht durch die Demo: „Das ist wichtig und gehört zur Demokratie, dass man seine Meinung auf die Straße bringt.“

„Er war nur ein Junge“

Die Teilnehmer bei der Demo waren bunt gemischt: Junge und ältere Kurden waren ebenso dabei wie viele junge und ältere Linke. Auch Bela Mittelstädt von der Grünen Jugend hat sich dem Marsch angeschlossen. „Der Tod von Halim Dener ist ein Beispiel für Polizeigewalt und die Kriminalisierung von politischem Engagement“, so der Student. „In diesem Land soll sich jeder politisch äußern können, ohne Gewalt erfahren zu müssen.“ Mehmet Karakas (51) vom kurdischen Verein aus Peine ist mit seinem kleinen Sohn gekommen. „Halim Dener war nur ein Junge. Wir dürfen nicht vergessen, was passiert ist“, sagt er.

Dabei ist auch eine junge Frau (17) mit kurdischstämmigen Wurzeln, die als Ordnerin die Demo begleitet. „Wir kämpfen für Freiheit und Frieden, für die Meinungsfreiheit“, sagt die Hannoveranerin. Es wäre wichtig, wenn es in Hannover endlich einen Ort des sichtbaren Erinnerns geben würde.

Tatsächlich kreierten den die Demonstranten – zumindest vorübergehend – selbst: An der Mauer, an der Dener 1994 am Steintor Plakate geklebt hatte und erschossen wurde, brachten sie mit Schnellkleber eine kleine goldene Plakette an. Für die „Kampagne Halim Dener“, die sich in den vergangenen fünf Jahren für ein würdevolles Gedenken eingesetzt hatte, war die Demonstration erst mal der Abschluss ihrer Aktionen. Man habe so lange mit der Stadt um einen Ort der Erinnerung gerungen, jetzt sei erst mal Schluss, sagte Sprecher Dirk Wittenberg.

Von INKEN HÄGERMANN

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