Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meine Stadt Dauer-Student verunglückt auf der MHH-Toilette
Hannover Meine Stadt Dauer-Student verunglückt auf der MHH-Toilette
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 25.06.2018
Examen: Mediziner müssen viele Fragen beantworten.
Examen: Mediziner müssen viele Fragen beantworten. Quelle: Foto: dpa
Anzeige
hannover

Die Schulmedizin kennt etwa 25 000 Krankheiten. Für den Medizin-Studenten Karl Winter (42, Name geändert) bleiben also noch ein paar Leiden, um sich vor dem Examen zu drücken – so wie er es seit zehn Jahren immer wieder tut.

Im März 2014 stand für ihn wieder mal die schriftliche Prüfung in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) an. Am ersten Tag hatte der Student lediglich 54 Fragen richtig beantwortet; 192 hätten es sein müssen, um die Prüfung zu bestehen. Am zweiten Prüfungstag meldete sich der Student nach einer Stunde zum Toilettengang ab. Hätte er den Test auch an diesem Tag nicht geschafft, wäre es das dritte Mal gewesen und der Traum vom Arztberuf endgültig vorbei. Der Prüfungsleiter schickte eine Kollegin hinterher, um Manipulationen zu verhindern.

Was nun folgte, ist nur vom Ergebnis her klar: Als ein Mann die Toilettentür öffnete, stieß sich Karl Winter den Kopf. Er meldete sich mit Kopfschmerzen und Schleudertrauma krank. Er ging sofort in der MHH zum Arzt. Die Mitarbeiterin hingegen will gesehen haben, wie der Prüfling hinter der Tür wartete – mit der Stirn auf Türklinkenhöhe.

Am Montag war nun Verhandlung im Verwaltungsgericht. Karl Winter klagt gegen den Niedersächsischen Zweckverband zur Approbationserteilung (NiZzA). Er fühlt sich, um das Recht an der Prüfung teilzunehmen, betrogen. Tatsache ist, dass der Student seit zehn Jahren immer wieder mit Krankmeldungen (zum Beispiel Magen-Darm-Grippe) vor dem Examen drückte. Im Jahr 2013 reichte es dem Zweckverband. Mit dem Studenten wurde vereinbart, dass er auch aus „wichtigem Grund“ nicht mehr fehlen dürfe.

„Ein wichtiger Grund ist zum Beispiel ein Unfall oder eine Krankheit“, stellte Verwaltungsrichter Detlev Heitmann fest. Für einen Manipulationsversuch seitens des Klägers gebe es keine Beweise. So ist unbekannt, wer Karl Winter die Tür an den Kopf knallte. Auch mit der Vereinbarung hatte der Richter seine Probleme. Sie nehme dem Kläger jegliche Rechtsschutzmöglichkeit. Das Dilemma sei auch auf eine gewisse „Weichherzigkeit“ des Zweckverbandes zurückzuführen, so der Richter. Die Parteien bemühen sich jetzt um einen Vergleich.

Von Thomas Nagel