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Meine Stadt Das Bunker-Geschäft boomt in Hannover
Hannover Meine Stadt Das Bunker-Geschäft boomt in Hannover
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00:15 06.03.2014
Von Christian Bohnenkamp
EHRGEIZIGE PLÄNE: Viel Arbeit wartet noch auf das Unternehmen Axia Wohnimmobilien. Die Firma will den Weltkriegsbunker an der Ricklinger Straße (Linden) zu einem Wohnhaus umbauen. Dazu müssen 50 Öffnungen in den Betonbau mit seinen 2,80 Meter dicken Wänden geschnitten werden. Im dritten Obergeschoss ist das bereits zu Testzwecken gemacht worden. Im Erdgeschoss des Baus soll es Büros geben. In den Geschossen darüber sind Wohnungen mit mehr als 100 Quadratmetern geplant, zwei Maisonettewohnungen im Dachgeschoss sollen sogar 250 Quadratmeter groß sein. Quelle: Rainer Droese
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Hannover

An Abriss war gar nicht zu denken. Der Weltkriegsbunker an der Ricklinger Straße (Linden) grenzt direkt an ein Wohnhaus, eine Sprengung wäre somit unmöglich. Also entschloss sich die Firma Axia Wohnimmobilien zum Umbau des Betonkolosses. Ein aufwendiges und auch teures Unterfangen, das wohl die gute Lage des Objektes rechtfertigt. „Der Maschsee ist nah, das Stadion, und auch in die Innenstadt ist es nicht weit. Der Bunker liegt zentral, aber ruhig“, sagt Axia-Geschäftsführer Spyridon Vassilopoulos, für den das Vorhaben „ein extrem spannendes Projekt“ ist.

Und eine Herausforderung. Denn um Licht und Leben in den düsteren Betonbau zu bringen, muss dieser deutlich luftiger werden. Bis zu 50 Öffnungen sollen in den Bunker hereingeschnitten werden - für Türen, Fenster und Balkone. Bei ersten Tests hat das bereits gut funktioniert. Mit dem sogenannten Diamantsägeverfahren wurden dicke Blöcke aus den Mauern herausgetrennt. Als nächstes soll eine Musterwohnung eingerichtet werden, um Interessenten deutlich machen zu können, dass es sich tatsächlich gut in den riesigen Betonbauten leben lässt.

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Alltäglich sind solche Projekte nämlich noch nicht. Aber sie werden immer häufiger. Seitdem 2012 die Zivilschutzbindung weggefallen ist, boomt das Geschäft mit den Bunkern - auch in Hannover. Es wird fleißig abgerissen und umgebaut. Die Grundstücke sind begehrt, denn Wohnbau mitten in der Stadt ist heute mangels Fläche nur selten möglich. Und die Bunker wurden in den 1940er Jahren eben genau dort gebaut, wo viele Menschen lebten und somit Schutz vor den Bombenangriffen der Alliierten benötigten.

Die Bundesanstalt für Immobilenaufgaben (BImA) hat von ihren 13 Hochbunkern in Hannover bereits fünf verkauft, die restlichen sollen ebenfalls nach und nach verkauft werden. „Die entsprechende Nachfrage ist gegeben“, sagt Karsten Reddies von der BImA in Hannover. Das zeigt auch die Tatsache, dass auch der Bunker an der Straße „Alt Vinnhorst“ in Kürze verkauft werden soll.

Im Besitz der Stadt waren ursprünglich 21 Bunker, von denen mittlerweile zwei verkauft worden sind. Allerdings soll die Vermarktung in der nächsten Zeit deutlich auf Touren kommen. „Es wird jetzt systematisch geschaut, welche Bunker für einen Verkauf infrage kommen“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix.

Denn nicht bei allen ist ein Verkauf möglich. Zum Teil sind die Bunker nämlich an Private vermietet, etwa als Proberäume. Auch werden einige von Vereinen genutzt.

Herrenhausen

30 Wohnungen in den Obergeschossen, Gastronomie und Handel im Erdgeschoss: Herrenhausens neue Mitte wächst. Und für sie wird auch der riesige Weltkriegsbunker weichen müssen, der das Bild des Stadtteils prägt.

Gekauft hat das Grundstück die Wohnungsgenossenschaft Herrenhausen (WGH), die auch schon viel Geld in das angrenzende Grundstück investiert hat. 15 Millionen Euro hat das Neubauprojekt Forum Herrenhäuser Markt gekostet. Dieses soll nun zur Herrenhäuser Straße hin erweitert werden. Der Bunkerabriss wird aber wegen den nahen umliegenden Gebäuden zu einer Herausforderung.

Gekauft hat die WGH den Bunker von der Stadt – zum symbolischen Preis von nur einem Euro. Dafür verpflichtete sie sich zum Abriss.

Klagesmarkt

Vom Bunker unter dem Klagesmarkt ist nichts mehr übrig. Der Abriss ist abgeschlossen und ohne größere Proteste von Anliegern über die Bühne gegangen. Mit Lockerungssprengungen hatte eine Fachfirma zunächst den massiven Beton geknackt, zerlegte dann das Weltkriegsungetüm mit hydraulischen Beißscheren. Was bleibt, ist eine große Grube. Sie ist derzeit zum Teil mit Sand aufgefüllt, damit sie nicht mit Wasser volllaufen kann.

Noch in diesem Frühjahr beginnt dann das städtische Wohnungsunternehmen GBH mit dem Bau einer Tiefgarage. Wenn alles glatt geht, könnte 2014 auch noch der Hochbau starten. Acht verschiedene Häuser soll es dort geben, mit rund 100 Wohnungen. Außerdem wird die GBH dort ihre Zentrale haben.

Zooviertel

Gut geschützt hinter dichten Planen wird derzeit an der Lönsstraße im Zooviertel gebaut. Das Unternehmen Hochtief errichtet dort auf einem 3275 Quadratmeter großem Grundstück fünf schicke Luxushäuser mit 30 Eigentumswohnungen, die bis zu 215 Quadratmeter groß sein werden. Unter den Häusern gibt es außerdem eine Tiefgaragen, in der Platz für 53 Fahrzeuge ist.

Zuvor hatte es allerdings viel Ärger gegeben. Denn um Platz für den luxuriösen Wohnbau zu schaffen, musste ein riesiger Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg abgerissen werden. Insbesondere die Entfernung der massiven Bodenplatte ließ die Dezibelmessgeräte ausschlagen und zerrte an den Nerven vieler Anwohner, die auch über Risse an ihren Häusern klagten.

Ricklingen

Wer den Bunker an der Torstenssonstraße in Ricklingen betritt, macht eine Zeitreise. Vollständig erhalten ist sein Innenleben – mit Kommandozentrale des Bunkerwartes, Sanitätsräumen, Toiletten und Notstromaggregat.

Der Schutzbau war in den 1960er Jahren für viel Geld erneuert worden und sollte 2400 Menschen bis zu 14 Tage lang Zuflucht bei einem Atombombenangriff bieten. Der Bunker hat deshalb sogar eine eigene Wasserversorgung und lagerte große Mengen Lebensmittel ein.

Der Wennigser Verein Vorbei e.V. hat seit dem 1. Januar 2013 die Schlüsselgewalt inne. Er will in dem Gebäude ein Museum einrichten und die originale Ausstattung des Bunkers erhalten. Sogar die dicken, hydraulisch verschließbaren Schleusentüren funktionieren noch.

List

Hell und wohnlich hat es sich die Familie Wetekam in dem 1940 errichteten Bunker am Trageweg in der List eingerichtet. Sie ließ große Öffnungen für Fenster in das Gebäude schneiden und nutzt nun die oberste Etage für sich. Außerdem bekam die Familie von der Stadt die Genehmigung, oben ein Staffelgeschoss aufzusetzen. Die dazugehörige Terrasse in zwölf Metern Höhe ist auch Entschädigung für den fehlenden Garten. Denn eine an den Bunker angrenzende Grünfläche gibt es nicht. Der Bunker am Trageweg ist ursprünglich für 751 Personen gebaut worden, die darin Schutz vor den schweren Bombenangriffen finden sollten. Nach dem Krieg wurde der Bunker 20 Jahre als Möbelhaus genutzt, stand dann aber mehrere Jahrzehnte leer.

Heideviertel

Drei hochwertige Wohnungen mit 190 Quadratmetern Größe sollen im Bunker am Wolfsburger Damm (Heideviertel) entstehen. Der Umbau hat bereits Anfang des Jahres begonnen. Das Gebäude soll große Fensteröffnungen bekommen, außerdem soll es gründlich entkernt werden.

Später sollen die Besitzer der Penthousewohnung einen tollen Blick über das Heideviertel haben. Ein weiterer Höhepunkt wird ein 40 Quadratmeter großer nach Süden ausgerichteter Balkon sein.

Außerdem soll der Bunker, zu dem auch ein Gartengrundstück gehört, einen hohen ökologischen Standard bekommen, zum Beispiel durch den Einsatz energieeffizienter Wärmepumpen.

Vermarktet wird das Objekt durch Engel&Völkers Hannover.

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