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Meine Stadt Darmkrebs: Neuer Mut nach Spende
Hannover Meine Stadt Darmkrebs: Neuer Mut nach Spende
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20:14 26.12.2017
Von Vera König
LACHEN: Knapp ein Jahr ist seit  der OP vergangen. Anja Lands­hoeft genießt jetzt die Zeit mit ihrem Sohn. Quelle: Volz
Hannover

Ihr Sohn war gerade vier Monate alt – da erkrankte Anja Landshoeft an Darmkrebs. Dass sie heute, ein Jahr danach, neuen Mut geschöpft hat, verdankt die Hannoveranerin einer Patienten-Initiative.

Die ersten Tage und Wo­chen nach der Diagnose und der Operation waren dramatisch. Physisch und psychisch fand die 30-Jährige ihre Lage gleichermaßen be­lastend.
Eine Tagesmutter musste sich um den Kleinen kümmern, da die jung verheiratete Frau oft nicht dazu in der Lage war. Schnell bereitete ihr und ihrem Mann auch die finanzielle Lage schlaflose Nächte.  

Zumindest die finanziellen Sorge konnte ihr die „Patientenhilfe Darmkrebs“ nehmen. Diese Initia­tive, entstanden aus der Felix-Burda-Stiftung, dem Netzwerk gegen Darmkrebs und der Stiftung Lebensblicke, sammelt Spenden für Betroffene. Mit einer finanziellen Unterstützung hilft sie Menschen in Notlagen.

Im Fall der Landshoefts war die Not gar nicht so groß, aber die Rücklage schnell aufgebraucht. Die Kinderbetreuung durch die Tagesmutter kostete monatlich rund 300 Euro. Ein neues Auto musste her, da das alte nicht mehr zu reparieren war. Beiträge für die Haftpflicht- und die Kfz-Versicherung standen an. Da die junge Mutter in Elternzeit war, erhielt sie keine Unterstützung von der Krankenkasse.

Anzeichen für Darmkrebs hatte die 30-Jährige nie wahrgenommen. Es ist eine „stille“ Krankheit; in den meisten Fällen gibt es keine Warnzeichen. Nach der Ge­burt ihres Sohnes hatte Anja Lands­hoeft immer wieder starke Bauchschmerzen und konnte bald nicht mehr sitzen oder essen. Der erste Verdacht einer Darmentzündung stellte sich nach einer Darmspiegelung im April 2016 als bösartiger Tumor heraus. Der kann bei Patienten jedes Alters auftreten. Aber im Rahmen der gesetzlichen Krebsvorsorge sind nur alle Menschen ab 55 aufgerufen, an der Darmkrebsfrüherkennung teilzunehmen.

Nach der OP galt Anja Landshoeft als geheilt: Das befallene Gewebe konnte vollständig entfernt werden, Lymphknoten waren nicht betroffen. Doch sie war müde und er­schöpft – wie viele Krebspatienten litt sie unter einer Art Burnout. „Ich hatte manchmal nicht einmal die Energie, mit meinem Kind zu spielen“, erzählt sie. Um die Wundheilung nicht zu stören, durfte die Mutter ihren Sohn nach der OP nicht auf den Arm nehmen. Lange war sie  nicht in der Lage, ihrem Kind die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Nach einer Rehabilitation und einer Kunsttherapie speziell für Krebspatienten schöpfte Anja Landshoeft wieder Kraft: „Seit diesem Herbst kann ich endlich wieder sagen, dass es mir gut geht.“ Geholfen hat ihr neben der Reha und der Therapie auch die Sofortmaßnahme der „Patientenhilfe Darmkrebs“. Sie stellte 1000 Euro zur Verfügung.

„Es war eine große Er­leichterung zu sehen, dass es Menschen gibt, die wissen, dass es einem nicht nur wegen der Krankheit selbst, sondern auch aufgrund ihrer Auswirkungen schlecht ge­hen kann“, sagt Anja Landshoeft.

Jährlich erkranken in Deutschland rund 62 000 Menschen an Darmkrebs. Ziel der „Patientenhilfe Darmkrebs“ ist es, in Not geratene Patienten noch mehr zu unterstützen. Allein im Jahr 2017 erhielten rund 50 Patienten Unterstützung. Für das kommende Jahr will die Initiative 65 000 Euro an Spenden sammeln.

Bei den Landshoefts ist heute keine Unterstützung mehr nötig. Im neuen Jahr will die Mutter wieder ins Berufsleben einsteigen.

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