Corona-Kommentar: Die Beiläufigkeit des Undenkbaren
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Meine Stadt Coronavirus: Die Beiläufigkeit des Undenkbaren
Hannover Meine Stadt Coronavirus: Die Beiläufigkeit des Undenkbaren
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21:03 18.03.2020
Auswirkungen des Coronavirus in der Innenstadt: Der Ordnungsdienst der Stadt Hannover patrouilliert in der Bahnhofstraße. Quelle: Dröse/Montage: NP
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Hannover

Was wir nicht dürfen: Schwimmen oder shoppen gehen, Hanteln stemmen, in der Bar Cocktails trinken, das Kind auf die Rutsche setzen. Was wir dürfen: Lachen. Selbst der Krisenstab des Landes zeigte sich gestern zu kleinen Scherzen aufgelegt und, ach ja, eine Ausgangssperre wird wahrscheinlich nicht kommen, jedenfalls noch nicht.

Die Beiläufigkeit des Undenkbaren macht diese Wochen so irreal. Während wir im Kampf gegen das Coronavirus das größte Experiment in der Geschichte der Bundesrepublik wagen, machen wir mit dem Nachbarn Witze über Toilettenpapier. Da darf dann auch Deutschlands Virenerklärer Nummer eins, Christian Drosten, in seinem täglichen NDR-Podcast über die Vorzüge von Flaschenbier parlieren. Ein erprobtes Prinzip: Humor erlöst und macht locker.

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Nicht verzweifeln, sondern vertrauen

Es ist in diesen Zeiten ja auch wichtig, nicht zu verzweifeln. Sondern zu vertrauen: Auf eine Koalition, die in der Krise endlich wirklich groß ist. Auf die wohltuende Sachlichkeit der Wissenschaftler, gegen die die Faktenfeindlichkeit von Trump und Co. noch zwergenhafter wirkt. Und auf ein neues Miteinander, das sogar die sozialen Netzwerke mit einer Welle der Hilfsbereitschaft rehabilitiert.

Wie groß unsere Opfer am Ende sein werden, ist immer noch völlig unabsehbar. Aber wenn wir diesen Albtraum überstanden haben, sollten wir uns daran erinnern, wie unaufgeregt wir selbst in schwierigen Zeiten sein können.

Von Fabian Mast