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Meine Stadt Cebit-Aus: „Das Image von Hannover ist angekratzt“
Hannover Meine Stadt Cebit-Aus: „Das Image von Hannover ist angekratzt“
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00:19 01.12.2018
Mando Diao auf der Cebit 2018 – das Popkonzert hat zumindest Besucher angezogen.
Mando Diao auf der Cebit 2018 – das Popkonzert hat zumindest Besucher angezogen. Quelle: Rainer-Droese
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Hannover

Die Deutsche Messe hat am Mittwoch bekannt gegeben, dass die Cebit ab sofort eingestellt wird. Das sind die ersten Reaktionen aus der Politik:

OB Stefan Schostok sagte: "Die Cebit war für die Stadt Hannover eine Veranstaltung mit langer Tradition und großer Bedeutung. Wir begrüßen aber nun die kluge Entscheidung zur Weiterentwicklung des Konzepts der Deutsche Messe mit neuen fokussierten Fachmessen und Branchenevents. Die Stadt Hannover investiert viel in die digitale Weiterentwicklung unter anderem mit dem Ausbau des digitalen Hannovers. Das Know-how bleibt somit in der Stadt und Digitalisierung wird zu einem Querschnittsthema in allen Bereichen. Der nachhaltige Erfolg der Hannover Messe und vieler weiterer Leitmessen bestätigt dies."

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU), er ist gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzender der Messe: "Die Entscheidung, die Cebit einzustellen, ist bei allem Wehmut aber auch konsequent: Rückläufige Aussteller- und Besucherzahlen sind zu einem immer größeren Problem geworden. Die Cebit wurde auch mit einem veränderten Konzept nicht mehr als die globale IT-Leitmesse wahrgenommen, die sie einmal war. Ihre Idee lebt inzwischen erfolgreich in den verschiedenen Fachmessen und der Hannover Messe International weiter, die am Messestandort Hannover ausgerichtet werden."

"Es geht eine große Marke verloren, und damit auch ein Stück internationales Image der Stadt Hannover", sagte Hans Nolte, Geschäftsführer der Hannover Marketing und Tourismus GmbH (HMTG). Die Lücke, die die CeBIT hinterlasse, könne man auffangen, wenn auch nicht sofort. Doch Hannover Messe, die Ideen-Expo und die kleineren Messen, die sich neu entwickeln sollen, könnten das Loch auffangen. Vor allem bei der Ideen-Expo sieht Hans Nolte großes Entwicklungspotential:  "Inhaltlich setzt die Ideen-Expo für die Mint-Industrie nahtlos an der Hannover Messe an." Auch um den Hotel-Standort macht sich Hannovers Cheftouristiker keine großen Sorgen: "Wir haben in der Vergangenheit bereits eine Reihe von Kongressen, Tagungen und kleinen Messen nach Hannover geholt. Und auch die Hotels selber werden durch Eigeninitiative die Lücke bei den Übernachtungen schließen." Trotzdem forderte er gemeinsame Anstrengungen von Stadt, Land und Bund, den Messestandort Hannover ohne die CeBIT weiterzuentwickeln.        

Cebit-Aus ist "Schlag in die Magengrube"

„Die Absage ist ein Schlag in die Magengrube für die Wirtschaftsregion Hannover“, sagt Jens Seidel, der CDU-Fraktionschef im Rat. Das Aus würden viele zu spüren bekommen, angefangen bei der Messe AG selber, über die Transport-Branche, die Restauration und Hotellerie, der Flughafen. Das Aus der CeBIT sei nicht das Ergebnis jüngster Entwicklungen, so der Fraktionschef weiter: „Man hat den Schwung der erfolgreichen Jahre nicht mitgenommen, sondern sich zufrieden zurückgelehnt.“

Als herben Schlag für Hannover bezeichnet FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke die Messe-Absage. „Ich habe aber auch Verständnis für diese Entscheidung, denn die Messe AG muss wirtschaftlich denken.“ Die CeBIT war zuletzt „mehr Halligalli als alles andere, dieses Konzept hat nicht funktioniert“, so Engelke weiter.

Das waren die Höhepunkte der Cebit-Geschichte:

Von Mobiltelefonen und Megabytes: In einer Bildergalerie blicken wir hier auf Höhepunkte und skurrile Momente der Cebit-Geschichte zurück.

„Die Cebit muss aufgehen in andere Veranstaltungen“

Die wirtschaftspolitischen Sprecher der Ratsfraktionen: „Viele Themen der CeBIT haben auch eine Rolle auf anderen Messen gespielt. Aus Unternehmenssicht kann ich die Entscheidung nachvollziehen bei dem Einbruch bei den Besucher- und Ausstellerzahlen“, sagte SPD-Wirtschaftsexperte Florian Spiegelhauer.“ Das Aus der CeBIT sei zwar ein Verlust, eine Schwächung des Wirtschaftsstandortes Hannover sehe er aber nicht. „Man muss nun neue Formate etablieren. bei der Digitalisierung ist Hannover aber schon gut aufgestellt“, so Spiegelhauer. Als Beispiel nannte er die Initiative Digitales Hannover, bei der viele Partner aus der Wirtschaft dabei seien. „Ich setze auf die Professionalisierung bei diesen Themen, die Wirtschaftsförderung Hannover Impuls, das Technologie Zentrum in Marienwerder können hier eine Führungsrolle übernehmen und Konzepte entwickeln, die die CeBIT vielleicht nicht ersetzen, aber durchaus neue Impulse setzen können, indem sie gemeinsam mit der Messe AG neue Formate mit entwickeln.“

Jens-Michael Emmelmann (CDU): „Das Image von Hannover ist durch das CeBIT-Aus angekratzt. Es wäre unbegreiflich, wenn die CeBIT ersatzlos gestrichen würde. Sie muss aufgehen in einer anderen Veranstaltung wie etwa der Hannover Messe.“ Das fordert auch Elisabeth Clausen-Muradian, die Wirtschaftsexpertin der Grünen im Rat: „Die Hannover Messe muss um einen IT-Bereich ergänzt werden.“ Hier müsse die Messe einen guten Weg finden und ihn richtig kommunizieren. „Leider hat es die Messe AG nicht geschafft, die CeBIT erfolgreich neu auszurichten im vergangenen Jahr. Diese Messe war eine Institution in der Stadt.“ so Clausen-Muradian.

„Ein wichtiges Kapitel der Messen in Hannover geht zu Ende, und das ist sehr schade. Der digitale Wandel findet inzwischen überall statt, auch auf allen anderen Messen. Die CeBIT ist insofern ein Opfer des eigenen Erfolges", sagte Ministerpräsident Stephan Weil am Mittwoch.

Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer beim Branchenverband Bitkom: "Die Cebit wurde Opfer ihres eigenen Erfolgs. Sie war zur Jahrtausendwende extrem stark, mit 20.000 Quadratmetern Warteliste. Doch als die New-Economy-Blase platzte, hätte die Cebit sich schon komplett neu aufstellen müssen."

Von Andreas Voigt