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Meine Stadt 30 Vermummte stürmen Wettbüro – drei Opfer berichten vom Überfall
Hannover Meine Stadt 30 Vermummte stürmen Wettbüro – drei Opfer berichten vom Überfall
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19:20 03.11.2019
Opfer des Überfalls: Jaffem F. (24), Moussa D. (22) und Mubarak S. (31), von links, wurden von den Angreifern verletzt. Quelle: Christian Behrens
Hannover

Rund 30 zum Teil vermummte Personen haben am Samstagabend gegen 18.30 Uhr das Wettbüro „Bet3000“ an der Steintorstraße (Mitte) gestürmt. Die Angreifer betraten „schlagartig“, so die Polizei, den Laden und griffen gezielt mehrere Menschen mit Schlagstöcken an. Zehn Menschen, die sich als Gäste in dem Wettbüro aufhielten, wurden leicht verletzt. Offenbar hatten sich die Männer gezielt am Marstall versammelt, spurteten gemeinsam in das Wettbüro, attackierten dort die Personen und flüchteten sofort wieder in verschiedene Richtungen. Solche Angriffe kennt das Militär als die Kriegstaktik „hit and run“ (zuschlagen und wegrennen).

Security-Mann ist machtlos

Auch ein anwesender Security-Mann konnte den Mob nicht aufhalten, erklärte der 39-jährige Wettbüro-Geschäftsführer der NP. Er sagte allerdings: „Unser Wettbüro war nicht Ziel der Aktion. Die hat draußen auf der Straße begonnen. Da sind etliche Personen auf die afrikanischen Flüchtlinge in der Straße losgegangen. Die haben im Laden Zuflucht gesucht und wurden hier weiter verprügelt.“

Der sudanesische Flüchtling Mubarak S. (31) wurde tatsächlich auf der Straße angegriffen, berichtete er der NP. „Mit einem Mal war die Straße voll von Leuten. Die haben einfach angefangen uns zu schlagen.“ Sechs bis sieben zum Teil vermummte Männer sollen auf ihn losgegangen sein und ihn mit Fausthieben ins Gesicht und Tritten gegen die Beine malträtiert haben. Moussa D. (22) wurde mit einem Schlagstock verprügelt, wodurch er eine Platzwunde am Kopf erlitt, die später im Krankenhaus genäht wurde. Seinem Freund Jaffem F. (24) wurde sogar der Mittelfinger gebrochen. „Die hatten auch Messer dabei“, erzählt er. „Bet 3000“-Mitarbeiter Arash H. (24) war am Tattag nicht im Laden, weiß aber: „Die Ecke ist berüchtigt für Drogen, Gewalt und Schlägereien. Es war nur eine Frage der Zeit. Ich habe geahnt, dass so etwas irgendwann passiert.“

Spekulationen über Hintergründe

Beobachter vermuten, dass es sich bei der konzertierten Aktion um eine Art „feindliche Übernahme“ handeln könnte. Möglich wäre auch eine Auseinandersetzung zwischen Clans oder kriminellen Vereinigungen. Oder sind doch Drogengeschäfte im Spiel? Laut „Bet 3000“-Geschäftsführers ist der Security-Mann dazu angehalten, die Gäste des Wettbüros auf Drogen zu checken und damit solche Deals im Laden zu unterbinden. Dafür hat er allen Grund: Insider der Szene wissen, dass Drogen oft aus Wettbüros heraus verkauft würden. Jene kriminelle Clans, die die Drogengeschäfte beherrschten, würden geflüchtete Menschen ohne Bleibeperspektiven benutzen, um ihre Drogen auf den Straßen in Hannover – oder eben in Läden wie Wettbüros – zu verkaufen.

Vier mutmaßliche Schläger festgenommen

Da es am Sonnabend in der Innenstadt ohnehin ein größeres Polizeiaufgebot gab, konnten nach der Attacke vier Männer (28, 30, 31, 40) mit Schlagstöcken in Tatortnähe festgenommen werden. Der Deutsche, die zwei Türken und der Libanese mussten nach Aufnahme der Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt werden: die Haftgründe fehlten. Bei der Festnahme wurde ein Polizeibeamter leicht verletzt.

Die Polizei Mitte ermittelt nun wegen schweren Landfriedensbruchs. Da der Überfall auch von vielen Schaulustigen beobachtet worden war, werden Zeugen des Vorfalls gesucht. Wer etwas beobachtet hat, melde sich bitte bei Polizeiinspektion Mitte unter 05117109-2820.

Von Petra Rückerl und Jens Strube

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