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Meine Stadt Hannoveranerin im EU-Parlament: „Lobbyisten kommen auf jeden zu“
Hannover Meine Stadt Hannoveranerin im EU-Parlament: „Lobbyisten kommen auf jeden zu“
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16:05 11.07.2019
Katrin Langensiepen im EU-Parlament. Quelle: privat/twitter
Brüssel

„Von Barrierefreiheit keine Spur!“ Katrin Langensiepen schimpft über die ersten Arbeitstage in Brüssel und Straßburg. Mit Platz 9 der Grünen-Bundesliste zog die Hannoveranerin als erste Frau mit sichtbarer Behinderung ins EU-Parlament ein. Dort erlebt sie hohe Schranken, mehr noch als die beiden männlichen Kollegen der Konservativen, die im Rollstuhl sitzen.

Mit ihren kurzen Armen kommt die Fremdsprachenassistentin gar nicht an das Kästchen zur elektronischen Abstimmung auf dem Tisch vor ihr ran. Auch um auf dem blauen Stuhl in Straßburg sitzen zu können, muss sie um Hilfe bitten. „Der ist so schwer, dass ich ihn nicht bewegen kann.“ Hat offenbar schon andere geärgert, die Langensiepen im Kampf für Barrierefreiheit jetzt unterstützen.

Frau, klein und sichtbar behindert zu sein, kann auch Vorteile haben. Hat die gebürtige Großburgwedelerin schon lange behauptet. Man nimmt sie wahr. Mit dem Erfolg, dass die erstmals ins EU-Parlament gewählte 39-Jährige sofort den Vize-Vorsitz im Sozialausschuss übernehmen sollte.

Ernüchternde erste EU-Tage

Aber Karrieren in Brüssel zu machen, ist manchmal schwierig. Wie gerade auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen erfährt, die von den EU-Regierungschefs als Kommissionspräsidentin vorgeschlagen wird. Bei Langensiepen und den 74 anderen Vertreten der Grünen/Europäische Freie Allianz kam von der Leyen nicht an.

„Zu vage, zu viel Blabla“, lauteten die Kommentare im Netz. Langensiepen postete bei Twitter ihre Enttäuschung über den Auftritt der deutschen Ministerin. Deren Aussagen zu Klimafolgenabschätzung, Armut, Mindesteinkommen, Wohnungsbau oder Seenotrettung dokumentierten, dass von der Leyen offenbar kein Interesse an Grünen-Stimmen habe.

Nur eine Stunde vor dem Treffen mit der Kommissionskandidatin hatte Langensiepen selbst eine Enttäuschung erlebt. Auf den Vize-Vorsitz in einem EU-Gremium wird sie warten müssen oder ihn erst mal gar nicht erleben. Der Sozialausschuss vertagte sich. Beata Szydło, die ehemalige Ministerpräsidentin Polens, war zuvor bei der Wahl zur Vorsitzenden durchgefallen. Sie galt der Mehrheit der Mitglieder in dem Gremium als zu nationalkonservativ.

„Ist schon spannend, solche Diskussionen hautnah mitzuerleben“, findet Langensiepen. Im EU-Parlament sitzt sie übrigens in der Reihe vor einer prominenten Grünen, der ebenfalls erstmals gewählten Fernsehköchin Sarah Wiener. „Sehr nett“ sei sie, lautet ihr Urteil.

Viele Themen kennenlernen

In den kommenden Tagen und Wochen wird Langensiepen viel damit zu tun haben, Mitstreiter, Bündnispartner und Themen kennenzulernen. Sie ist als Gesprächspartnerin gefragt, wenn es um Digitalisierung oder Barrierefreiheit geht. Auch die ersten Lobbyisten haben sich schon bei ihr vorgestellt. „Die kommen fleißig auf jeden zu.“

Das macht die Arbeitstage lang. Nur gut, dass sie sich Langensiepen schon vor der Wochen vor der Europawahl um eine Wohnung gekümmert hat. „Zwei Zimmer, möbliert gemietet, nur drei Bahnstationen vom Parlament entfernt.“ Noch allerdings eher ein Zuhause auf Zeit.

Nach den ersten Wochen in Brüssel und Straburg („da wohne ich im Hotel“) freut sich Langensiepen jeden Freitag „wie Bolle“ auf die Heimfahrt nach Hannover, auf das Treffen mit ihrem Freund. Ein Syrer, Vater eines achtjährigen Sohnes und dreier Mädchen. Die Töchter leben noch in der Türkei. Familienzusammenführung ist der große Wunsch. „Scheint vielleicht zu klappen“, hofft die Abgeordnete. „Im EU-Parlament zu sitzen, macht manche Kontakte einfacher.“

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Von Vera König

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