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Meine Stadt Brexit: Erhält Tuifly bald keine Landeerlaubnis mehr in der EU?
Hannover Meine Stadt Brexit: Erhält Tuifly bald keine Landeerlaubnis mehr in der EU?
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00:20 02.02.2019
HANDARBEIT: Mechaniker warten ein Flugzeug von TUIfly. Ob es auch künftig nach Großbritannien abheben kann, ist unklar.  
HANDARBEIT: Mechaniker warten ein Flugzeug von TUIfly. Ob es auch künftig nach Großbritannien abheben kann, ist unklar.   Quelle: Foto: Franson
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Hannover

Der nahende Brexit macht nicht nur die Briten nervös. Auch auf den deutschen Flugverkehr kann der Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union erhebliche Auswirkungen haben. Mehrere Airlines – unter ihnen auch die Tuifly – müssen sich für einen harten Brexit rüsten.

Kommt es zu einem ungeregelten Ausscheiden, würde Großbritannien am 29. März 2019 auch aus dem gemeinsamen Luftverkehrs-Binnenmarkt mit der EU fallen. Britische Fluggesellschaften würden dann möglicherweise ihr Recht (es besteht seit den 1990ern) verlieren, etwa von London nach Frankfurt oder Mallorca zu fliegen. Auch ihre Flüge innerhalb der EU, etwa von Berlin nach Paris, wären dann zunächst gestrichen. Ebenfalls neu geregelt werden müssen Flüge von EU-Fluglinien nach Großbritannien.

Airport Hannover plant noch mit British Airways

Am Flughafen Hannover harrt man geduldig der Dinge, die dies- und jenseits des Ärmelkanals abgestimmt werden. Aus der niedersächsischen Landeshauptstadt starten etwa die Flieger der British Airways täglich nach Manchester, Birmingham und London – und vorn dort aus weiter in die ganze Welt. Die aktuelle Erarbeitung des Hannover-Sommerflugplans (gültig ab dem 22. März 2019) ist derzeit deswegen noch sehr spekulativ.

Noch plant der Airport dabei mit British Airways. Sollte ein harter Brexit kommen, sei man aber nicht von England abgeschnitten, sagt Flughafen-Sprecher Sönke Jacobsen. „Wenn Strecken gut laufen – und London ist eine Rennstrecke – dann werden sie so oder so bedient, ob mit British Airways oder anderen Luftverkehrsgesellschaften.“

Noch schwieriger sind die Planungen bei den Airlines – vor allem dort, wo britische Eigner die Mehrheit stellen. So versucht der Billigflieger Easyjet offenbar, einen Teil seiner britischen Aktionäre loszuwerden, um sich die Start- und Landerechte in der EU auch im Fall eines ungeregelten Austritts Großbritanniens aus der Union zu sichern. Auch die Mutterkonzerne der deutschen Ferienflieger Condor und Tuifly müssen notgedrungen an Lösungen basteln. So gehört Condor zur Airline Group des britischen Reiseveranstalters Thomas Cook (Neckermann), der wiederum mehrheitlich britischen Aktionären gehört. Tuifly ist eine Tochter des Reisekonzerns Tui aus Hannover, der zu einem Viertel dem Russen Alexej Mordaschow und zu einem großen Teil britischen Aktionären gehört.

Tuifly will keine Aktionäre herausdrängen

Aus Tuifly-Kreisen ist zu hören, dass die Strategie des Verdrängens von außereuropäischen Aktionären nicht verfolgt werde, offiziell schließt man aber keine Optionen aus. „Wir haben ein eigenes Brexit-Team erstellt, das sich auf alle Szenarien vorbereitet – auch auf einen Hard-Brexit“, sagt Aage Dünhaupt, Sprecher von Tuifly aus Hannover. Mit einem „riesigen Strauß an Möglichkeiten“ wolle man sicherstellen, dass Passagiere zwischen England und Europa sowie innerhalb der Europäischen Union befördern können. Konkreteres wolle man aber nicht nennen, weil immer noch nicht klar sei, von welchem Szenario auszugehen sei. „Wir vertrauen aber auf die Ankündigung der Europäischen Kommission, dass der Flugverkehr zwischen Großbritannien und Europa so wie jetzt weitergeführt werden kann. Im Moment ist davon auszugehen, dass auch die Engländer diese Zusage mittragen.“ Ergo: Die Flugplanungen für dieses und die nächsten Jahre gehen derzeit unverändert weiter.

Ebenso optimistisch gibt sich die Fluggesellschaft Condor: „Die Europäische Kommission und die britische Regierung haben deutlich gemacht, dass sie alles daran setzen, Flugzeuge auch bei einem No-Deal-Szenario in der Luft zu halten“, sagt Condor-Sprecherin Magdalena Hauser. Man sei deshalb zuversichtlich, die Kunden unabhängig vom Rücknahmeübereinkommen auch in diesem Sommer in den Urlaub zu fliegen. „Darüber hinaus stehen wir in engem Dialog mit den zuständigen Behörden in Europa, um sicherzustellen, dass sich unsere Pläne auch bei einem No-Deal-Szenario umsetzen lassen.“

Von Simon Polreich