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Meine Stadt Hier lebt das Schwein im Haus
Hannover Meine Stadt Hier lebt das Schwein im Haus
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15:24 26.10.2018
Ein Herz und eine Seele: Ursula Veit lebt mit Schwein March in ihrem Haus.e
Ein Herz und eine Seele: Ursula Veit lebt mit Schwein March in ihrem Haus.e Quelle: Dröse
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Bredenbeck

Sie bringt fast 65 Kilo auf die Waage, lebt streng vegetarisch, wird am liebsten am Bauch gekrault, schläft immer mit einem Tuch auf den Augen und hält sich selbst eigentlich für einen grunzenden Hund. Mini-Schwein March. Wobei mini ganz schön untertrieben ist. March ist eine richtig große Sau mit ihren fast 60 Zentimetern Höhe. Seit 18 Jahren lebt das Tier in der Familie von Ursula Veit (63) und Rainer Hartmann (76) in Bredenbeck. Geplant war das eigentlich nicht.

Seit 18 Jahren lebt March in der Familie von Ursula Veit (63) und Rainer Hartmann (76) in Bredenbeck – als Haustier. March ist eine richtig große Sau mit ihren fast 60 Zentimetern Höhe.

„Uns wäre selber nie die Idee gekommen, ein Schwein als Haustier zu halten“, erzählt Veit. Doch ihre Tochter habe damals so lange gequengelt, bis sie schließlich nachgaben. „Uns gingen einfach die Argumente aus. Also zog das damals zehn Wochen alte Schweinchen bei uns, schlief anfangs sogar bei unserer Tochter im Bett“, lacht sie. Heute ist für das Paar ein Leben ohne March nicht mehr vorstellbar. „Unsere Tochter ist natürlich schon lange aus dem Haus, das Schwein ist hier geblieben.“ Zum tierischen Nachwuchs der Familie gehört auch Hündin Topsy (12), ein ungarischer Hirtenhund. „Schwein und Hund verstehen sich bestens“, sagt Rainer Hartmann. Seine Frau lacht bei den Worten. „Ich bin der festen Überzeugung, dass March denkt, dass sie nur ein anders aussehender Hund ist. Sie spricht perfekt hundisch, bellte früher sogar am Gartenzaun.“

Heute hat die Sau viel ihrer einstigen Kraft verloren. „In deinem Alter brauchst du Hilfe, Marchie, ich weiß“, sagt Ursula Veit zärtlich und krault March am Bauch. Sie kniet neben dem Tier, hilft ihm beim Aufstehen. „Sie hat Arthrose im Hinterbein und nur noch eine halbe Zunge. Die hat sie sich selber mal nach einer Operation abgebissen“, sagt die Besitzerin.

March durfte sogar mit auf den Golfplatz

Hartmann erinnert sich an die Anfangszeiten: „Damals haben wir March sogar mit auf den Golfplatz genommen. Da waren nur Hunde verboten, Schweine nicht.“ Schnell hatte die Sau ihren Spitznamen im noblen Klub gefunden: Trüffelschwein. „Die Vorteile und doofen Sprüchen ebbten immer ganz schnell ab, wenn die Leute uns besuchten und sahen, wie toll man mit einem Schwein zusammenleben kann“, so Hartmann.

Anders als etwa Hunde würden Schweine nicht stinken. „March ist viel reinlicher als jedes andere Haustier. Sie war auch sofort stubenrein, hat anfangs aufs Katzenklo gemacht“, sagt der 76-Jährige. Längst geht sie dafür in den Garten, lange Spaziergänge, so wie sie es früher gemacht haben, machen ihre Knochen nicht mehr mit.

Das Rosenbeet fiel dem Schwein zum Opfer

Und auch dort im Garten sieht es nicht aus, wie auf einem wilden Acker. Veit: „Wir haben sie erzogen. Als sie noch ganz klein war, hat sie einmal mein Rosenbeet umgegraben. Da habe ich mit ihr geschimpft, danach sind wir als Familie ins Haus gegangen. March musste alleine vor der Tür bleiben. Sie hat dicke Tränen geweint. Das hat sie nie wieder getan.“

Info

Deutschland ist das Land der Haustiere: Im Vorjahr stieg die Zahl der Heimtiere deutlich an. Demnach leben hierzulande 34,3 Millionen Hunde, Katzen, Kleinsäuger und Ziervögel – das sind 2,7 Millionen mehr Heimtiere als noch 2016. Hinzu kommen zahlreiche Zierfische und Terrarientiere. „Die Katze ist mit 13,7 Millionen Tieren dabei weiterhin das beliebteste Haustier der Deutschen“, sagt Marie-Christin Gronau vom Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands. Hunde belegen den zweiten Platz. „Heute lebt in fast jedem zweiten Haushalt ein Heimtier, während noch vor zehn Jahren nur in ungefähr jedem dritten Haushalt ein Tier gehalten wurde“, berichtet Georg Müller, Vorsitzender des Industrieverbands Heimtierbedarf. Aussagen darüber, wie viele Hausschweine in deutschen Wohnungen leben, kann der Verband nicht machen.

 

Und was isst so ein Mini-Schwein am Tag? „Eine Menge“, lacht Ursula Veit, „etwa ein Pfund Karotten, Tomaten, Äpfel und jegliche Salate. Aber die nur noch mit etwas Joghurtdressing. Dazu drei Liter Wasser“ Sie lebt gesünder als viele Menschen. Veit: „Sie achtet selber auf ihr Wohlbefinden, nur für gebratenen Frikadellen weicht sie immer wieder von einem vegetarischen Menü ab.“

Von Britta Lüers