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Meine Stadt Braucht Hannover wirklich neue Stadtbahn-Linien?
Hannover Meine Stadt Braucht Hannover wirklich neue Stadtbahn-Linien?
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18:30 02.12.2019
IN FAHRT: Fahrgäste betreten am Steintor eine Üstra-Stadtbahn – ein Ticket brauchten sie dafür am Sonnabend nicht. Quelle: Foto: dpa
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Umsonst mit Bus und Bahn durch die Region: Dieser Testballon wurde am ersten Adventssonnabend in Hannover gestartet und wird seitdem überwiegend als Erfolg gefeiert. Ein Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in Hannover, von einigen Politikern gefordert, scheint dennoch fraglich – und ebenso eine deutliche Preissenkung.

Am weitesten ging die SPD im Rat – sie brachte den Bau einer Stadtbahn-Ringlinie ins Spiel, um das Zentrum Hannovers zu entlasten. Regionssprecher Klaus Abelmann hält diese zwar für sinnvolle Ergänzungen zum Stadtbahnnetz, „sie können die starken Linien aber nicht wesentlich entlasten“. Üstra-Sprecher Udo Iwannek: „Wir sind in Gesprächen mit der Region über den weiteren Ausbau des Streckennetzes. Ob auch eine weitere Ringlinie, wie es sie bereits mit den Buslinien 100/200 gibt, geplant ist, ist noch nicht klar.“

„Nur wenige wollen von Bothfeld nach Ricklingen“

Klaus Scheelhaase, der frühere Leiter des städtischen U-Bahnbauamtes, sieht eine neue Ringlinie kritisch. „Ich glaube nicht, dass das Fahrgastaufkommen groß genug wäre. Nur wenige wollen von Bothfeld nach Ricklingen fahren“, sagt er. Einfach und günstiger könnte das Zentrum aus Sicht von Scheelhaase entlastet werden, wenn mehr direkte Umsteigeverbindungen zwischen S-Bahn und Stadtbahn geschaffen würden. „Dann müssten viele nicht mehr am Hauptbahnhof umsteigen und dort die Bahn nehmen“, sagt er.

Lesen Sie auch: Kostenloser Nahverkehr: Ein mutiger Versuch

Wenig Chancen hat auch die Forderung nach einem dauerhaften Gratis-Nahverkehr. Zum einen aus Kostengründen: Die Region schätzt, dass die Aktion am Sonnabend rund 600.000 Euro kostet – allein die Einnahmeausfälle belaufen sich auf 365.000 Euro. Kritik daran hatte im Vorfeld der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund geäußert. Mit der Aktion werde den Menschen vorgegaukelt, dass kostenfreier Nahverkehr einfach umsetzbar wäre. In Wahrheit aber würde damit einem stark unterfinanzierten System das Geld für den Betrieb und für Modernisierungen entzogen. Sprecher Thomas Bullerdiek sprach von einem „völlig falschen Signal“. Der Nahverkehr in den Städten sei im Vergleich zur Anbindung dörflicher Regionen gut – auf dem Land fehle es dagegen viel mehr an Bussen und Bahnen.

Erinnerung an einen gelungenen Test

Auch für Mobilitätsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin sei der Ticketpreis nicht für den Erfolg des Nahverkehrs entscheidend. „Selbst wenn der gesamte derzeitige ÖPNV kostenlos wäre, würde die Zahl der Fahrgäste nur um rund fünf bis zehn Prozent steigen“, sagte Knie dem „Spiegel“. Das liege vor allem am vielerorts veralteten Nahverkehrssystem: „Der ÖPNV war außerhalb weniger Großstädte viel zu lange nur ein System zur Resteverwertung für die, die kein Auto haben.“

Es bleibt die Erinnerung an einen gelungenen Test: „Der vergangene Sonnabend hat beeindruckend gezeigt: Auch wenn deutlich weniger Besucher mit dem Pkw in die Innenstadt kommen, ist diese belebt und sehr gut von entspannten Menschen besucht“, so OB Belit Onay (Grüne) am Montag in einer Stellungnahme. Ein attraktives Angebot des ÖPNV sei eine starke Basis für die Mobilitäts- und Verkehrswende. Auch Klaus Abelmann, Sprecher der Region, spricht von einem „großen Erfolg“. Um zu schauen, welche konkreten Schlüsse aus dem Gratistag gezogen werden können, wird die Aktion nun analysiert. Abelmann: „Eine detaillierte Auswertung legen wir im Januar vor.“

Immerhin sieht es danach aus, dass der kostenlose Nahverkehrstag kein Einzelfall bleiben wird. „Eine Wiederholung ist grundsätzlich vorstellbar“, sagt der Sprecher. Evrim Camuz, Fraktionschefin der Grünen in der Region, hatte zuvor angeregt, sie wolle Gratis-ÖPNV im kommenden Jahr an mehreren verschiedenen Tagen ausprobieren.

Von Britta Lüers und Christian Bohnenkamp

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