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Meine Stadt Wohnungsbrand in Ahlem – Mieter legte Feuer absichtlich
Hannover Meine Stadt Wohnungsbrand in Ahlem – Mieter legte Feuer absichtlich
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15:41 15.12.2018
Feuerwehrleute stehen vor einem brennenden Mehrfamilienhaus in Ahlem. Quelle: Elsner
Hannover

In einem Wohnkomplex mit insgesamt 360 Appartements in Hannover-Ahlem ist am Sonnabendmorgen in einer Wohnung ein Feuer ausgebrochen. Acht Menschen wurden dabei verletzt, zwei davon schwer. Unter den Leichtverletzten ist auch ein Feuerwehrmann der Ortsfeuerwehr Ahlem – der Mann erlitt einen Kreislaufkollaps. Das betroffene Mehrfamilienhaus des Wohnkomplexes in der Wunstorfer Landstraße musste komplett evakuiert werden. 120 Personen sind dort laut Polizei gemeldet. Die genaue Zahl der von der Evakuierung betroffenen Personen ist noch unklar. Rund 35 Bewohner wurden von Rettungskräften im Netto-Supermarkt in der Nähe betreut. Der Filialleiter versorgte die Anwohner mit Heißgetränken.

Verursacher des Feuers ist offenbar der Mieter der Wohnung. Der 30-Jährige räumte gegenüber der Polizei noch vor Ort ein, das Feuer absichtlich gelegt zu haben. Die Polizei ermittelt gegen den Mann nun wegen schwerer Brandstiftung. Insgesamt sind nach Polizeiangaben derzeit 37 der 110 Wohnungen in dem Wohnkomplex unbewohnbar. Die Polizei geht von einem Schaden in Höhe von 750.000 Euro aus.

Nach Angaben der Feuerwehr wurden die Einsatzkräfte auch von einem Großaufgebot von der Polizei unterstützt. „Es gab Reibereien mit Anwohnern, bei denen es auch etwas lauter wurde", sagte ein Feuerwehr-Sprecher. Die Polizei habe bei mehreren Anwohnern Überzeugungsarbeit leisten müssen. Erste Informationen, wonach die Feuerwehrleute von Anwohnern angegriffen worden waren, bestätigten sich jedoch nicht. 

Wohnungsbrand in Gebäude an der Wunstorfer Landstraße in Hannover-Ahlem.

Das Feuer ist mittlerweile unter Kontrolle und gelöscht. Da die Wohnung im dritten Geschoss im rückseitigen Teil des Gebäudes lag, hatte die Feuerwehr zunächst Probleme, an den Brandherd zu gelangen. 36 Wohnungen wurden durch das Feuer beschädigt, die betroffenen Bewohner werden in Notunterkünften untergebracht. Derzeit haben sich 15 Personen dafür gemeldet. Wie lange die Wohnungen unbewohnbar sind, ist laut Feuerwehr derzeit noch völlig unklar. „Die Brandwohnung selbst wird aber sicherlich auch bis Weihnachten nicht wieder saniert sein“, schätzt Feuerwehrsprecher Clemens Hoppe. Die übrigen Bewohner können im Laufe des Tages in ihre Wohnungen zurückkehren.

Sie harrten bis dahin auf dem Netto-Parkplatz, bei Bekannten oder in einem bereitgestellten Versorgungsbus aus. „Ich war gerade aufgestanden, als die Feuerwehr klopfte und sagte, wir müssen die Wohnung verlassen“, sagt Maria Galinowska, die im 2. OG des Brandhauses wohnt. „Ich hab schnell meine beiden Kaninchen in Transportboxen gesteckt, Jacke und Schuhe angezogen und bin raus“, sagt die Frau, die jetzt mit einer Tasse Kaffee im Versorgungsbus sitzt. „Gegessen habe ich noch nichts, nicht Zähne geputzt – das musste alles ganz schnell gehen.“ Sie wird später in ihre Wohnung zurückkehren können. Doch der Schock sitzt noch tief. „Ich habe die Flammen und den Rauch von außen gesehen, rot und schwarz, das sah schlimm aus und hat mir Angst gemacht“, beschreibt sie. Für die Retter hat sie nur Lob: „Die Feuerwehr hat ihre Arbeit gut gemacht. Die musste sogar Leute per Leiter vom Balkon retten.“

Nur die Jacke überm nackten Oberkörper sitzt Azat Khallat-Hussein im Bus. Auch der 19-Jährige konnte nur das Allernötigste mit aus seiner Wohnung nehmen. „Keine Uhr, kein Handy – ich hatte noch geschlafen, als die Polizei kam.“ Das Erwachen war alles andere als angenehm: „Die Nachbarn schrien alle, es ging alles sehr schnell. Jetzt warte ich hier, bis ich wieder in die Wohnung kann.“

Auch im Netto-Markt gegenüber vom Einsatzort halten sich weiterhin Bewohner des Hauses auf. Die Filialleiterin nimmt leere Kaffeetassen von dankbaren Betroffenen zurück. „Kurz nachdem wir heute morgen geöffnet haben, sahen wir Blaulicht“, beschreibt sie. „Kurz danach kamen erste Verletzte mit Sanitätern in den Markt. Sie wurden hier auf den Gängen versorgt. Wir haben Kaffee und Getränke verteilt, bis der Versorgungsbus kam“, erzählt die bescheidene junge Frau. „Das macht man  so – ist doch menschlich.“ 

Der Wohnungsbrand in Ahlem ist nicht der erste Einsatz für die Feuerwehr Hannover am Sonnabendmorgen. In der Nacht standen in einer Gartenkolonie in Mühlenberg eine Gartenlaube und ein Geräteschuppen in Flammen. Am Freitagmorgen hatte es zudem in der Oststadt einen Wohnungsbrand in einem Mehrfamilienhaus gegeben.

Von RND/ms/frs/sip