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Meine Stadt Brandstiftung in Ahlem: Staatsanwältin fordert acht Jahre Haft
Hannover Meine Stadt Brandstiftung in Ahlem: Staatsanwältin fordert acht Jahre Haft
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13:23 31.07.2019
Yasin A. im Gespräch mit seinem Verteidiger Christian Neumann. Quelle: Rainer Dröse
Hannover

Hat Yasin A. (36) wirklich das Haus in der Richard-Lattorf-Straße (Ahlem) angezündet, um seine Nachbarn zu töten? Diese Frage hat Richter Stefan Joseph nun zu klären. Für Verteidiger Christian Neumann ist klar: Sein Mandat ist nicht schuldig und gehört freigesprochen. Die Staatsanwältin plädiert indes für eine Freiheitsstrafe von acht Jahren wegen dreifachen versuchten Mords. Sie ist überzeugt, dass der Angeklagte den Brand nicht nur gelegt hat, sondern auch seine Nachbarn umbringen wollte. „Er hat den Tod mindestens billigend in Kauf genommen.“

Auch Yasin A. meldete sich dieses Mal zu Wort. Nach den Plädoyers sagte er: „Ich schließe mich meinem sehr guten Anwalt an.“ Ihm wird vorgeworfen, dass er aufgrund des ständigen Streits mit den anderen Mietern des Hauses zunächst das Feuer in seiner eigenen Wohnung entfacht und an die Türen seiner Nachbarn zusätzlich Brandbeschleuniger geschüttet zu haben.

In diesem Haus in der Richard-Lattorf-Straße in Ahlem war der Brand ausgebrochen. Quelle: Heidrich

Bei dem Brand an einem Sonntagnachmittag im Februar entstand ein geschätzter Schaden von rund 400.000 Euro, der Dachstuhl brannte aus. Es gab zwar keine Verletzten, die Wohnungen der Familie aus der Ukraine und einer 85-jährigen Seniorin sind aber unbewohnbar.

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Mutmaßlicher Brandstifter war schon vorher gewalttätig

„Es deutet nichts daraufhin, dass mein Mandat schuldig ist und diesen Brand gelegt hat“, sagt Neumann. Das sieht die Staatsanwältin anders: Für sie sprechen eine Reihe von Indizien dafür, dass der Mann die „heimtückische Tat“ nicht nur ausgeführt, sondern auch lange zuvor geplant hat.

So habe er einem Freund und seiner Mutter wenige Tage vor dem Feuer Taschen mit wichtigen Unterlagen sowie Klamotten gegeben. „Das macht man ja nicht zufällig.“ Außerdem seien die Flammen in der Wohnung des Angeklagten ausgebrochen, weil dort Backofen und Herdplatten voll aufgedreht worden seien. Dort waren zuvor die Brandmelder außer Gefecht gesetzt worden. Auch eine verdächtige Plastikflasche sei bei ihm gefunden worden. Sie sieht der ähnlich, mit der offenbar Brandbeschleuniger an die Türen der Opfer geschüttet wurde.

Gutachter: Yasin A. nicht vermindert schuldfähig

Zudem habe sich der „Terror“ in dem Haus, von dem die Zeugen berichteten, zuletzt verschärft. Yasin A. habe immerzu laut geklopft und damit die Nachbarn genervt. Von seiner Vermieterin war ihm in einem Schreiben die Kündigung angedroht worden. „Es spricht nichts für den Angeklagten. Er ist systematisch vorgegangen. Dass es keine Verletzten gab, ist nicht ihm zuzurechnen“, sagt die Staatsanwältin.

Yasin A. wird vorgeworfen, dass er seine Nachbarn umbringen wollte. Quelle: Rainer Dröse

Dem Verteidiger reicht das nicht. Er sieht Ungereimtheiten in den Aussagen der Zeugen. „Wieso hat der Sohn der Familie den Brandbeschleuniger an der Tür nicht bemerkt, als er in die Wohnung ging, kurz nachdem er gesehen hatte, wie mein Mandant das Haus mit jemanden verließ?“ Darüber hinaus, habe sich Yasin A. auch nach dem Feuer nicht wie ein Brandstifter verhalten und sich etwa bei der Polizei wegen einer Unterkunft gemeldet.

Ein Gutachter war zuletzt zu dem Schluss gekommen, dass Yasin A. zwar an einer Persönlichkeitsstörung leide, aber nicht vermindert schuldfähig sei. Denn er habe so überlegt gehandelt, dass nicht davon ausgegangen werde könne, dass er sich nicht im Griff hatte. Seinen nahezu täglichen Cannabis-Konsum hält die Staatsanwältin ebenfalls nicht für strafmildernd.

Der Prozess wird am kommenden Dienstag fortgesetzt. Dann wird auch das Urteil gesprochen.

Von Sascha Priesemann

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