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Meine Stadt Bluttat in Hainholz: Eifersucht als Motiv?
Hannover Meine Stadt Bluttat in Hainholz: Eifersucht als Motiv?
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19:16 30.12.2018
In diesem Haus an der Schulenburger Landstraße wurde ein 29-Jähriger erstochen. Gegen den mutmaßlichen Täter wurde   Haftbefehl erlassen.
In diesem Haus an der Schulenburger Landstraße wurde ein 29-Jähriger erstochen. Gegen den mutmaßlichen Täter wurde   Haftbefehl erlassen. Quelle: Elsner
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Hannover

Neben der massiven Eingangstür aus braunem Holz mit Glaselementen befindet sich ein unscheinbares, kleines Fenster. Wenige Schritte weiter ein Zweites. Alte Handtücher vor den Scheiben ersetzen die Gardinen. In der Parterre-Wohnung in dem Sechs-Parteien-Mietshaus an der Schulenburger Landstraße (Hainholz) hat sich am Sonnabendmorgen ein Drama abgespielt. Blutspuren im Treppenhaus zeugen auch einen Tag danach noch von der Messerstecherei. Bilanz: ein Toter (29), ein Schwerverletzer (29), eine Leichtverletzte (17) – und laut Polizei kein Motiv.

Fest steht, dass die Lage am Sonnabend gegen 9.30 Uhr eskalierte. Der 29-jährige Mieter, der nach Angaben einer Anwohnerin sich die Wohnung mit einem Bekannten teilte, hatte Damenbesuch – die 17-Jährige war bei ihm. Irgendwann erschien auch der 29-jährige Freund der jungen Frau. Er hatte zwei Begleiter mitgebracht. Es kam zum Streit, der blutig endete. Und tödlich.

Messer in Wohnung gefunden

Der Freund der 17-Jährigen starb noch am Tatort. Seine Leiche wurde inzwischen obduziert. „Todesursächlich war eine Stichverletzung“, sagt Polizeisprecher Thorsten Schiewe. Der Mieter schleppte sich schwer verletzt aus der Wohnung, brach vor dem Haus zusammen. Er soll eine Stichverletzung in der Brust, die Frau Schnittwunden an einer Hand haben. „In der Wohnung wurde ein Messer gefunden. Dabei könnte es sich um die Tatwaffe handeln“, erklärt Schiewe.

Die 17-Jährige war aus der Wohnung gestürmt. Sie tauchte in einer nahe gelegenen Bäckerei auf. Sie soll in ein blutverschmiertes Laken gehüllt gewesen sein, als sie die Mitarbeiterin bat, die Polizei zu alarmieren.

Der Wohnungsinhaber wurde notärztlich versorgt und in eine Klinik gebracht. Dort wurde er notoperiert. „Sein Zustand ist stabil“, so Schiewe. Die Polizei geht davon aus, dass der 29-Jährige dem Freund der 17-Jährigen die Stichverletzung beibrachte und ermittelt gegen ihn wegen eines Tötungsdelikts. Am Sonntag erließ ein Richter Haftbefehl gegen ihn. Inzwischen wurde die 17-Jährigen vernommen. Zum Inhalt macht die Polizei keine Angaben. Aus Sicht der Ermittler sind die Hintergründe der Tat „bislang völlig unklar“.

In den Geschäften und Lokalen rund um den Tatort war die Bluttat am Sonntag Thema Nummer ein. Es wurde spekuliert, ob Eifersucht das Motiv gewesen sein könnte.

Blut im Treppenhaus

Nachbarn schockiert die Tat immer noch. „Ich konnte die Nacht kaum schlafen“, berichtet eine Anwohnerin. Im Treppenhaus sind die Spuren des Geschehen noch sichtbar: Am Griff der Eingangstür zur Wohnung, die von der Polizei versiegelt wurde, klebt Blut. Ebenso an den Wänden und auf dem Boden. Der mutmaßliche Messerstecher soll seit fünf oder sechs Monaten im Erdgeschoss gewohnt haben.

Der 29-Jährige hatte immer wieder Ärger mit den Nachbarn, weil bei ihm häufiger gefeiert wurde. „Es gab Beschwerden wegen zu lauter Musik“, so die Anwohnerin. Obwohl sie das Opfer nicht kennt, tut ihr der Tod des jungen Mannes leid. Und sie fühlt mit seinen Angehörigen: „Ihn hat schließlich auch eine Mutter zur Welt gebracht.“

Britta Mahrholz