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Meine Stadt Bitcoin: Die digitale Währung kommt in Linden an
Hannover Meine Stadt Bitcoin: Die digitale Währung kommt in Linden an
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14:29 30.12.2014
Von Ralph Hübner
Währung gilt: Ricardo Ferrer Rivero und Berin Muhamad. Quelle: Peschke
Hannover

Denn hier arbeitet Ricardo Ferrer Rivero (31) mit sieben Gleichgesinnten daran, die Cyber-Währung Bitcoin (siehe Info) und die traditionelle Wirtschaft entlang der Straßen miteinander bekannt und vertraut zu machen – und fortschrittlichen Konsumenten das Bezahlen von Gütern und Dienstleistungen mit dem „Geld aus dem Internet“ so einfach wie möglich zu machen.

15 Händler hat Ferrer Rivero bisher zum Mitmachen überredet – verteilt auf gut 2,5 Kilometer, vom Capitol am Schwarzen Bären in Richtung Linden einwärts. Bis Jahresende soll die Zahl verdoppelt werden: „Wir gewinnen jeden Tag zwei dazu.“ Damit dürfte Hannover jetzt schon weltspitze sein: „Bislang war der längste Bitcoin-Meile mit 1,5 Kilometern in Madrid.“

Damit die Händler mitmachen, versorgt sie Ferrer Rivero kostenlos mit der Technik – Prototypen. Aktuell druckt er die Terminal-Halterungen in der Büroraumgemeinschaft „Edelstall“ im Capitol-Hochhaus aus, als Eingabegerät dienen gebrauchte Handys vom Typ Nexus. Auch werden die eingenommenen Bitcoin-Beträge umgehend in Euro umgerechnet und dem Händlerkonto zu 100 Prozent gutgeschrieben – das nimmt die Angst vor Kursrisiken, da Bitcoin ziemlichen Schwankungen unterworfen ist. „Wir sind da in der Beta-Phase: Wir nutzen die Händler, um zu lernen, wie es läuft und was wir verbessern können und müssen“, sagt der Jungunternehmer. Die Händler müssen sich nicht großartig mit der Technik befassen, es gibt auch keine seitenlangen Verträge wie mit Kreditkartenunternehmen. Dabei sind etwa ein Fotograf, ein Burger-Brater, Cafés und Elektronikläden – sogar ein Reisebüro ist aufgesprungen.

Am Ende stehe das Ziel „eigene Hardware-Produktion und nicht alte Handys von Ebay“. Dafür hat er auch schon einen klingenden Namen als Marke gefunden: „Pey“ – so lautet auch der Name des kleinen Hilfsprogramms für die Handys der Käufer. Diese eigens entwickelte App versetzt das Handy ruck, zuck in Zahlbereitschaft, sobald es das Signal eines kleinen Senders in der Kasse (genannt iBeacon, Konzept der Firma Apple) empfängt. Ein Fingerwisch und einen Knopfdruck später ist das Gerät bereit, den vom Terminal-Handy angezeigten Betrag – in Form eines QR-Codes – zu lesen und den Geldtransfer zu starten. Derzeit gibt es das noch nicht für Android-Geräte, nur für Apple iOS. Abgewickelt wird der Geldtransfer über die Firma Bitpay – auf die setzt seit kurzem auch der Branchengigant Microsoft.

Ferrer Rivero ist von der Bitcoin-Zukunft überzeugt: „Diese Technik wird den Finanzsektor verändern – so wie MP3 die Musikindu- strie verändert hat. Auf jeden Fall!“ Auch im Rathaus der Landeshauptstadt wirbt der Unternehmer für das Konzept – demnächst könnte im Neuen Rathaus das erste Bitcoin-Terminal weltweit in einem Gebäude der öffentlichen Hand stehen.

Dafür, dass Ferrer Rivero und seine Mitstreiter erst vor gut acht Wochen beim Frühstückstratsch auf die Idee gekommen sind und das Projektkonzept entworfen haben, haben sie schon eine Menge erreicht. Selbst damit Geld zu verdienen, sei gar nicht die Ursprungsmotivation gewesen, sagt der Macher: „Wir wollten Hannover als Innovations- und Technikstandort platzieren und nebenbei endlich selber mit Bitcoin bezahlen können.“ Das Projekt mache die Stadt bekannter und attraktiver für Unternehmen und Entwickler.

Verfolgen kann man die Zahl der Bitcoin-Akzeptanzstellen hier:coinmap.org