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Meine Stadt Oans, zwoa, g’schlossa: Hofbräu im Bismarckbahnhof insolvent
Hannover Meine Stadt Oans, zwoa, g’schlossa: Hofbräu im Bismarckbahnhof insolvent
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19:04 20.11.2018
Insolvenz angemeldet: Rund zweieinhalb Jahre nach der Eröffnung ist das Hofbräu München im Bismarckbahnhof wieder dicht. Quelle: Fotos (2): Dröse
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Hannover

„Sag beim Abschluss leise Servus“ – das hat jetzt auch das „Hofbräu München“ in der Südstadt. Rund zweieinhalb Jahre nach der Eröffnung hat sich das Gastro-Unternehmen aus dem Bismarckbahnhof schon wieder verabschiedet.

Erst im Mai 2016 hatte Gastrounternehmer Frank Blin gemeinsam mit dem frisch gebackenen Gaststättenleiter Felix Zipka ihr erstes Bier in dem 1911 erbauten Gebäude zapfen lassen. Bayerische Lebensart auf 700 Quadratmetern, Gerstensaft aus München und große Pläne inklusive. Einen Mietvertrag über 20 Jahre hatte Blin unterschrieben. Doch jetzt das Aus: Eine Insolvenzverwalterin musste die Geschäfte des Wirtshauses übernehmen, Verbindlichkeiten abwickeln. Groß ausgeschenkt wird nicht mehr.

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Unternehmer Blin, der mit der Bayerischen Wirtshaus GmbH unter anderem in Berlin, Hamburg und im Snowdome Bispingen insgesamt sechs Wirtshäuser betrieb, hatte seine GmbH-Anteile bereits im Mai 2018 an Boxpromoter-Legende Hans-Peter Kohl und dessen Schwiegersohn Dietmar Poszwa verkauft. Dort hieß es auf NP-Anfrage, der Standort in Hannover sei nie Teil der GmbH gewesen. Man habe lediglich unterstützt – mit Namen und Handelsbeziehungen. Alle anderen Wirtshäuser liefen bestens.

Der Bismarckbahnhof, bleibt derweil seinem unsteten Image treu: Seit mehr als 20 Jahren geben sich Gastronomen vor allem im linken Flügel des Gebäudes die Klinke in die Hand (siehe Text unten).

Für Immobilien-Eigentümer Refik Cim besteht deshalb aber kein Grund zur Sorge. Auch in der Vergangenheit habe es längerfristige Mieter gegeben. Und: „Es laufen momentan Gespräche mit neuen Interessenten für das Gasthaus. Das Ergebnis wird sein, dass das Hofbräu-Wirtshaus bleibt.“

Voraussichtlich im neuen Jahr soll das bayerische Gasthaus dann neu eröffnet werden, kündigt er an – und zwar „gemütlicher“ und mit „Profis als Betreiber“.

Übrigens: Das Restaurant Kale im rechten Flügel läuft weiterhin – seit 2016.

Kommen und Gehen im Gastro-Bahnhof

1995 plant die Bahn AG eine Modernisierung der Station in der Südstadt – inklusive eines gastronomischen Angebots. Doch Kommen und Gehen herrscht auch in gastronomischer Hinsicht weiterhin – vor allem im linken Flügel des Bahnhofs.

1996 eröffnet das Großkneipen-Bistro „Bismarck-Bahnhof“ im amerikanischen Stil. Trotz großer Investitionen der Macher des „Grünen Pelikans“ funktioniert es kein halbes Jahr, dann übernimmt „Kneipensammler“ Peter Mehner. Er holt sogar den hochdekorierten Ex-Sternekoch William le Méve ins Restaurant, der dort Burger und Chicken Wings bruzzelt. 1998 übernimmt Tochter Olga Mehner. Nach einem Besitzerwechsel eröffnet der neue Immobilieneigner Refik Cim 2004 das „Bismarck Classic“ mit französisch-italienischer Küche.

Knapp vier Jahre später ein erneuter Mieterwechsel: Das „Grande Rodizio“ versuchte es mit brasilianischen Spießbraten. Vergeblich. Kein Jahr später fungiert der Bahnhof als Konzert- und Partylocation, bis die Stadt dem 2011 ein Ende macht, weil dort lediglich Gastronomie genehmigt ist. Es folgte das Restaurant Steaks-And-More mit Biergarten, bevor 2016 die bayerischen Fahnen gehisst wurden.

Von Simon Polreich