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Hannover Meine Stadt Mit diesen Tipps einfach mal anschalten
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10:05 27.12.2018
Zeit für ein bisschen Fernsehen
Zeit für ein bisschen Fernsehen Quelle: dpa
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Hannover

NP-Redakteure haben Tipps für den Serien- oder Heimkino- Marathon.

Heimkehr und Helden

Diese Oscarpreisträgerin adelt eine TV-Serie: Julia Roberts spielt in „Homecoming“ (ab 16, Amazon Prim­e, deutsche Fassung ab 2019) die Psychologin Heidi, die Kriegsveteranen in einer abgelegenen Klinik auf die Rückkehr ins Leben vorbereiten soll. Die zehn Folgen (jeweils nur 30 Minuten!) haben eine zweite Ebene: Zwei Jahre später jobbt Heidi als Kellnerin – und erinnert sich an nichts, als ein Sachbearbeiter aus dem Verteidigungsministerium sie in die Mangel nimmt. Beklemmende Hitchcock-Bilder, ein Stoff, der von George Orwell stammen könnte.

Die Serie zum Sommerhit „Bella Ciao“. In der spanischen Serie „Haus des Geldes“ (ab 16, Netflix) überfallen Gangster die spanische Notendruckerei, nehmen Geiseln und drucken ihre Beute einfach selber. 22 Folgen geht der Zuschauer mit „Tokio“ (Foto), „Berlin“ und „Moskau“ durch Höhen und Tiefen und erlebt das Duell zwischen dem Professor, der den Coup akribisch ge­plant hat, und der Inspectora.

Man kann streiten über die eklatanten Brüche zwischen Volker Kutschers Krimi-Vorlage und der TV-Serie „Babylon Berlin“ (ab 12). Man kann sich darüber aufregen, dass das 40-Millionen-Projekt erst ein Jahr nach Sky in der ARD gesendet wurde und die 16 Folgen nur kurz in der Mediathek standen. Oder die Serienbox (etwa 35 Euro) kaufen und eintauchen in das opulent inszenierte Sittengemälde von Berlin anno 1929. Ganz großes Kino.

Sitcom und Schuldrama

Am 25. Januar ist es so weit: „Pastewka“ läuft mit einer neuen, neunten Staffel bei Amazon Prime an. Grund genug, sich über Weihnachten noch mal genüsslich die alten acht Staffeln anzuschauen, um wieder den Anschluss zu finden. Denn die neuen Folgen beginnen da, wo die alten aufgehört haben: im totalen Chaos (Foto). Natürlich tauchen alle alten Pastewka-Bekannten wie Anke Engelke, Hugo Egon Balder, aber auch Ex-Freundin Anne alias Sonsee Neu auf ...

Dogs of Berlin“ ist eine deutsche Dramaserie von Netflix, in der es um Drogen, Fußballwetten, Rechtsradikalismus, Randgruppen, Mafia, Korruption und vieles mehr geht. Hochgradig spannend und fesselnd – endlich mal eine deutsche Story mit Suchtfaktor.

Der Titel klingt ein wenig nach einem netten Highschoolfilm, aber der Eindruck bei dieser spanischen Serie trügt dramatisch: „Élite“ ist ein hochdramatischer Thriller bei Netflix. Über ein Stipendium kommen drei Teenager aus der Arbeiterklasse an eine exklusive Privatschule. Schnell wird ihnen klar, dass sie hier nicht willkommen sind. Sie werden in einen Strudel aus Intrigen, verletzten Eitelkeiten, Geldgier, Lü­gen, Verrat und Drogen verwickelt. Schließlich gipfeln die Ereignisse in einem Mord. Übrigens: Wer „Haus des Geldes“ kennt, trifft mit Jaime Lorente (Nano), María Pedraza (Marina) und Miguel Herrán (Christian) auf bekannte Gesichter.

Lebensweisheiten und Liebe

Das ist das Ende: „Der Tatortreiniger“ verlässt uns. Am vergangenen Mittwoch durften wir uns im NDR in der letzten Folge („Einunddreißig“) darüber amüsieren, wie nüchtern Schotty (großartig: Bjarne Mädel, Foto) seine Lebensweisheiten rauslässt, während er Blut oder andere Spuren von Gewaltverbrechen beseitigt. Zum Glück sind die sieben Staffeln der Kultserie im öffentlich-rechtlichen TV noch bis in den Januar auf One oder im NDR zu sehen. Wer bezahlt, kann auch bei Sky oder Amazon Prime oder auf DVD über Schotty lachen.

Sehen mit dem Gaumen: In „Kochen ist Chefsache“ spielt Julien Boisselier den genialen, aber verkannten Koch Stanislas. Schließlich gerät er in die Küche des berühmten Sternekochs Alexandre Lagarde (Jean Reno). Der muss sich mit dem neuen Chef einer Finanzgruppe herumschlagen, der sein Gourmetrestaurant gehört. Ein herrlich lustiger Film über die Liebe zum Kochen.

Ist schon ein bisschen älter, aber das Thema ist brandaktuell: In „Türkisch für Anfänger“ verliebt sich die Alt-Hippie-Mutter Doris in den türkischen Kommissar Metin Öztürk. Die beiden ziehen zusammen, die Kinder müssen mit. Doris’ Tochter Lena (Josefine Preuß) und Metins Sohn Cem (Elyas M’Barek) sind wie Feuer und Wasser. Eine Serie, die mit vielen Klischees spielt, aber menschelt – und einen in der ganzen Migrationsdebatte auch mal befreiend lachen lässt.

Drama und Disney

In manchen Familien endet Weihnachten dramatisch. Wer es daheim friedlich hatte, aber trotzdem Lust auf Drama hat, sollte „12 Years a Slave“ gucken. Regisseur Steve McQueen hat 2013 eine wahre Ge­schichte filmisch aufgearbeitet, sie handelt vom Geigenspieler Solomon Northup (Foto rechts, gespielt von Chiwetel Ejiofor). Er ist freier Afroamerikaner und wird für einen lukrativen Auftritt gebucht. Nach durchzechter Nacht wacht er auf, in Ketten, am Boden. Er wird sich bewusst, dass er unter Drogen gesetzt und in die Sklaverei verkauft wurde. Was ihm auf den Plantagen widerfährt, ist einfach nur grausam – Taschentücher bereithalten. Die grandiose Musik von Hans Zimmer ist jedenfalls nur ein schwacher Trost.

Für alle Fans von Denzel Washington ist „Mann unter Feuer“ einfach ein Muss: In dem Streifen von 2004 spielt der den ehemaligen Marine Creasy. Nachdem er seinen Dienst bei der Armee quittiert hat, nimmt er einen neuen Job an – als Bodyguard. Er beschützt die zehnjährige Pita, Tochter einer wohlhabenden Familie. Als das Mädchen entführt wird, wird Creasy im Kugelhagel schwer verletzt – und schwört Rache.

Und damit auch etwas Schönes für die Seele in die Runde kommt, empfehle ich „Der König der Löwen“. Der junge Löwen-Prinz Simba ist einfach süß, die Musik toll und das Ende erträglich. Nicht dass der Disney-Film kurz vor Erscheinen des Re­makes in Vergessenheit gerät!

Abgründe und Amüsement

Diese HBO-Miniserie hatte die besten Voraussetzungen – und sie macht etwas daraus: „Sharp Objects“ (ab 16) basiert auf dem gleichnamigen Roman von „Gone Girl“-Autorin Gillian Flynn (dem man damals den „deutschen“ Titel „Cry Baby“ verpasste). Die Regie übernahm Emmy-Preisträger Jean-Marc Vallée („Big Little Lies“). Und die Hauptrolle spielt die wunderbare Amy Adams (Foto, Mitte): eine Journalistin, die in ihrem Heimatkaff mit einem Verbrechen und ihrer Vergangenheit konfrontiert wird. Sogleich tun sich Abgründe auf.

Unter dem Pseudonym Robert Galbraith schrieb sich Joanne K. Rowling von ihrem Harry Potter frei. Die ersten drei Romane um den versehrten Veteranen und verhärmten Privatdetektiv Cormoran Strike wurden nun als siebenteilige Serie verfilmt: „Strike“ (Warner, ab 16). Die Charakterzeichnung hat Rowling, die auch als Produzentin fungierte, nicht verlernt; hier lebt sie zudem eine wohltuend düstere Seite aus.

Wer es heiterer mag: „Family Guy“-Erfinder Seth MacFarlane drückt mit „The Orville“ (20th Century Fox, ab 12) seine Liebe zu den ganz alten „Raumschiff Enterprise“- Folgen aus. Wer hier eine Satire erwartet, wird enttäuscht sein. Stattdessen gibt es herrlich un­schuldige Science-Fiction um Captain Mercer, dem man seine Ex-Frau als ersten Offizier zur Seite stellt. Alles ein bisschen cheesy, aber amüsant.

Hart und Herzlich

Die vierte Staffel war definitiv die letzte: Das war die schlechte Nachricht für Fans der schwedisch-deutschen Krimiserie „Die Brücke – Transit in den Tod“ (ab 16). Die gute Nachricht: Noch bis zum 10. Februar steht die finale Staffel (die man unabhängig von den anderen sehen kann) in der ZDF-Mediathek. Wie immer abgründig und herausragend: die an Asperger leidende Ermittlerin Saga Norén (Sofia Helin).

Es sind die ganz harten Herren und Damen, die in „Sons of Anarchy“ ihrem unlauteren Business nachgehen. Die sieben Staffeln erzählen die Geschichte des kalifornischen Motorradclubs Samcro, der Waffenschmuggel, Prostitution und Drogengeschäfte betreibt. Doch zunehmend rebelliert Vize-Chef Jax (Charlie Hunnam, Foto rechts) gegen seinen Stiefvater Clay (Ron Perlman): Wie in Shakespeares „Hamlet“ droht der Generationenkrieg. Komplexe Figuren, eine fesselnde Dramaturgie und ein brillanter Soundtrack entschädigen für die arg brutalen Szenen, Teile der Staffel sind erst ab 18 Jahren freigegeben.

In dieser Familie läuft manches aus dem Ruder, aber letztlich werden die Bravermans für jedes kleine und große Problem eine Lösung finden. Der US-Serie „Parenthood“ (ab 12) fehlt das Anarchistische der „Modern Family“, sie bedient amerikanische Familienklischees statt mit ihnen zu brechen. Aber das kann ja manchmal so wohltuend sein wie ein schönes Gute-Nacht-Lied.

Von NP